Rezension Aus den Bündner Bergen von Robert Bösch
6.2 Bewertung
PRO
  • hochwertig produziertes Buch
  • eindrucksvolle Motive
CONTRA
  • viele Bilder sind durch den Falz geteilt
  • teuer
Testurteil
«Aus den Bündner Bergen» ist ein eindrucksvoller und origineller Bildband des bekannten Schweizer Bergfotografen Robert Bösch, der Berglandschaften in ungewohnter und inspirierender Weise zur Ansicht bringt. Mit Blick auf den Preis wäre es allerdings angebracht gewesen, einige der querformatigen Aufnahmen mittels auffaltbarer Seiten ohne Falzung zugänglich zu machen. Gleichwohl ist das Buch eine Bereicherung für jede gut sortierte Bergthemen-Bibliothek.
Struktur/Aufbau7
Preis-Leistung6
sprachlicher Stil6
Qualität7
Umwelt/Nachhaltigkeit5

Fakten

Buch: Aus den Bündner Bergen – Fotografien von Robert Bösch, Verlag NZZ Libro, ISBN 978-3-03810-181-9

Angaben vom Verlag:

«Ich wusste vor allem, was ich nicht wollte: Ich wollte mit meinen Bildern weder das Bündnerland repräsentativ wiedergeben noch die Schönheit der Bündner Berge aufzeigen. Ich war nur auf der Suche nach Bildern, die ich nicht kannte, nicht erwartete und die ich nicht bereits im Kopf hatte.

Ich suchte unbekannte Bilder in der mir bestens bekannten Bündner Landschaft. Ich lernte einen neuen Zugang zum Gebirge kennen – als Bergsteiger und als Fotograf. Ich begann zu begreifen, dass ich mich von Gewohnheiten und Vorstellungen lösen musste – Prognose, Wetter, Licht, Landschaft, Zeitplan: Ich musste einfach in dieser Landschaft unterwegs sein. Als Jäger, auf der Suche nach einem Tier, von dem ich nicht wusste, wie es aussah. Gefunden habe ich Bilder, welche die Kraft und die Vielfalt dieser Landschaft wiedergeben.» ROBERT BÖSCH

  • Leinen mit Schutzumschlag
  • 208 Seiten
  • Format: 27 cm x 38 cm
  • 100 Illustrationen

Rezension Aus den Bündner Bergen von Robert Bösch

Robert Bösch zählt zweifellos zu den bekanntesten zeitgenössischen Bergfotografen: er hat nicht nur mit ikonisch gewordenen Werbebildern für eine Premium-Outdoor-Marke den visuellen Vorstellungshorizont des gegenwärtigen Alpinismus geprägt. Er ist auch auch als Kunstfotograf gefragt und in Ausstellungen sowie mit Vorträgen zur «Extremfotografie» öffentlich präsent. Im kürzlich bei NZZ Libro erschienenen, grossformatigen Bildband «Aus den Bündner Bergen. Fotografien» zeigt er nun das Ergebnis eines zweijährigen Arbeitsprozesses, bei dem laut eigener Auskunft «nicht um die Berge, sondern um die Bilder [ging].»

Eingeleitet wird das Buch Aus den Bündner Bergen von Robert Bösch durch einen knappen Text von Nadine Olonetzky, die Bösch in die Tradition von Jules Beck reiht und Bösche spezifische Arbeitsweise mit Vilém Flusser dahingehend charakterisiert, dass «Der Fotograf (…) keineswegs immer Ausschau nach einem Gegenstand [hält], den er bereits kennt. Er ist vielmehr auf der Suche nach etwas, das auch vor seinem inneren Auge noch keine klare Form hat.» Bösch selbst schreibt in seiner Einleitung, dass Landschaftsfotografie für ihn «die Kunst des Bilder-Sehens» sei – und dass seine Motivation für das vorliegende Buch war, «unbekannte Bilder in diesen mir bestens bekannten Bündner Bergen zu entdecken».

Dann folgen diese entdeckten Bilder: eine Mischung aus Schwarzweiss- und Farbfotografie, in den meisten Fällen im Querformat über zwei Seiten gefasst. Die Motive wechseln und sind vielfach verblüffend ungewohnt – was angesichts des Übermass am wohlbekannt Immergleichen auf dem Bergfotomarkt umso mehr erfreut. Bösch gelingt es immer wieder, die Qualität des Erscheinens von Kontrasten, Strukturen, Farben, Konstellationen usw. im Bild sein zu lassen. Sicher – völlig neu ist die Bildsprache nicht durchgängig, aber doch meist originell oder irritierend – und sie führt immer wieder dazu, dass sich die in der Betrachtung ausgelöste Imagination weit von dem entfernt, woran man in der Auseinandersetzung mit landläufiger Bergfotografie zu denken gewohnt ist: Es entsteht eine ästhetische Differenz zwischen den vermeintlich vertrauten Motiven und der Einbildungskraft, welche diese mobilisieren und genau das ist es, was letztlich Böschs Anliegen einer Entdeckung unbekannter Bilder leistet. So gesehen ist Aus den Bündner Bergen von Robert Bösch ein wirklich bemerkens- und betrachtenswertes Buch geworden, das sich in jeder Bergbibliothek gut macht, die Berge nicht vorrangig als Kulisse für alpinistische Inszenierungen oder aber als Katalysator für romantische Phantasien zu thematisieren bestrebt ist.

Wenn es ein Manko des Bandes Aus den Bündner Bergen von Robert Bösch gibt, dann den: wie oben schon erwähnt sind viele der Bilder im Querformat über zwei Seiten gedruckt. Die damit erreichte Formatgrösse ist zwar für die Stärke der Bildwirkung wichtig, hat aber zugleich den Effekt, dass die Bilder durch den Falz geteilt werden, was doch sehr störend ist, insbesondere bei den Schwarzweissaufnahmen. Hier wäre – gerade auch mit Blick auf den Preis – zumindest für einige Aufnahmen die Wahl auffaltbarer Seiten angemessen gewesen.

Preis

Das Buch Aus den Bündner Bergen von Robert Bösch kostet 138 CHF.

Links

Verlag NZZ Libro

Auskunft beim Verlag