Test ABS Powder Base Unit
5 Bewertung
PRO
  • kompakt
  • hohe Sicherheit durch 2 Airbags
CONTRA
  • Anpassungsmöglichkeiten des Hüftgurts sehr eingeschränkt
  • Rückenplatte anfangs sehr unbequem
  • schlechte Anpassungsmöglichkeiten der Träger
  • hohes Gesamtgewicht
  • kein Üben möglich
Testurteil
Der ABS-Rucksack mit der ABS Powder Base Unit ist ein Lawinenrucksack mit der Möglichkeit, diverse Zip-Ons zu befestigenl. Dank seiner zwei Airbags mit 170 l Auftriebsvolumen wird die Person bei einem Lawinenabgang an der Oberfläche gehalten oder hoffentlich die Verschüttungstiefe reduziert. Die ABS Powder Base Unit soll sich für Frauen/Jugendliche besonders eignen, aber genau dort gab es Probleme, da der Rucksack auf kleinere Grössen nicht angepasst werden kann.
Funktion4.8
Qualität/Verarbeitung5.8
Gewicht4.5
Umwelt/Nachhaltigkeit5
Preis-Leistung4.8

Fakten

Powder Base Unit, Farbe: ocean blue, Grösse: 1 size

  • Gewicht Powderbase inkl. Carbonpatrone (277.4 g): 2.32 kg nachgewogen (2.2 kg laut Hersteller)
  • Material: keine Angaben

Angaben vom Hersteller

Die leichteste Base Unit von ABS® ist besonders bei Freeridern sehr beliebt. Sie wurde komplett überarbeitet und bietet dank der schmaleren Rückenplatte, den ergonomisch geformten Schulterträgern und dem eng anliegendem Neopren-Hüftgurt auch für Frauen und Jugendliche eine besonders gute Passform. Die Powder Zip-ons mit 8, 15 und 26l können einfach per Reißverschluss angebracht werden. Ein 8l Packsack in ocean blue wird zusammen mit der Base Unit ausgeliefert.

  • Schmal, leicht und kompakt – das ist die Powder Base Unit mit dem erprobten ABS® TwinBag System, das durch zwei Airbags doppelten Schutz und eine optimale Auflagefläche bietet. Sie eignet sich ideal zum Freeriden und für kleinere Skitouren, wird mit einem 8L Zip-on in ocean blue ausgeliefert und ist mit den Powder Zip-ons 15 und 26L kombinierbar.
  • Ultraleichte Carbon-Patrone für maximale Gewichtsreduzierung und Auslösegriff.

Das erprobte ABS® TwinBag System lässt sich in Sekundenschnelle aktivieren und bietet durch den Doppelairbag verstärkten Schutz und eine optimale Auflagefläche. Durch Form und Positionierung der ABS® TwinBags wird die Chance an der Lawinenoberfläche zu bleiben deutlich erhöht. Dank kürzerer Rückenplatte und eng anliegendem Neopren-Hüftgurt ist die Powder Base Unit auch für kleinere, schmalere Personen gut geeignet und besonders bei Freeridern beliebt.

  • ABS® TwinBags mit 170 L Auftriebsvolumen
  • einem anzippbaren 8l Zip-on in ocean blue
  • einer gut zu erreichenden Griffplatte mit Auslösegriff, die höhenverstellbar und in einer Linkshänderversion erhältlich ist
  • einem leichten und elastischen Neopren-Hüftgurt
  • einem stufenlos höhenverstellbaren Brustgurt
  • ergonomisch geformten Schulterträgern
  • einem integrierten Schrittgurt
  • einer stabilen diagonalen Befestigung von Ski/Snowboard direkt an der Base Unit
  • Dank kürzerer Rückenplatte und eng anliegendem Neopren-Hüftgurt ist die Powder Base Unit auch gut geeignet für Frauen und Jugendliche
  • Das Gurtgerüst entspricht den TÜV-Anforderungen für extreme Beanspruchung (PSA Richtlinien 89/686 EWG)
  • Leichtes Andocken verschiedener Zip-ons zwischen 8 und 26 Liter Packvolumen per Reißverschluss: Tragkraft 80kg.
  • Made in Germany
  • Garantie 2 Jahre (verlängerbar auf 4 Jahre)

Praxistest Powder Base Unit

Ich konnte den ABS-Rucksack anfangs Jahr testen (Dezember, Januar, Februar) und war bei der anfänglichen Lawinensituation sehr froh darum. Ein ABS-Rucksack besteht immer aus einer Base-Unit und einem Zip-On. Bei ABS gibt es zwei Base-Units und zwar die getestete Powder Base Unit und Vario Base Unit.

Der ABS-Rucksack wurde mir mit der ABS Powder Base Unit in der Farbe „ocean blue“ und dem Aufsatz „ABS Powder Zip-on 26L“ in der gleichen Farbe geliefert. Ein acht Liter Packsack wird zudem zusammen mit der Base Unit ausgeliefert. Gerne erläutere ich kurz die Funktionsweise des ABS-Systems: Der Grundgedanke des ABS-Systems ist, dass man während dem Lawinenabgang eine grössere Auflagefläche benötigt, welche im Falle einer Lawine schnell aktiviert werden muss. Dafür blasen sich bei der ABS Powder Base Unit zwei Airbags auf, genannt Twinbags.

Bei der ABS Powder Base Unit sind die zwei Twinbags seitlich in den zwei Airbagtaschen untergebracht. Bei der Auslösung werden sie durch den Druck durch die Klettverschlüsse nach aussen gedrückt und entfalten sich. Die Anstecheinheit ist in der ABS Powder Base Unit fest integriert und oben untergebracht. Die Anstecheinheit enthält eine Nadel, welche die Patrone ansticht sobald das System ausgelöst wird. Eine eingeschraubte Patrone kann man immer wieder raus nehmen, solange das System nicht aktiviert wurde, d.h. die Patrone nicht mit Ziehen des Auslösegriffs ausgelöst wurde. Dies kann man kontrollieren indem man den Hals der Patrone auf mögliche Einstiche kontrolliert.

Die Patrone wird, wie bereits erwähnt, in die Anstecheinheit gedreht und ist „scharf“ bis das System ausgelöst wird. Es gibt Stahlpatronen und auch Carbonpatronen, welche heute gängiger sind, da sie viel leichter sind (ca. 280 g im Vergleich zu 510 g). Die Carbonpatrone ist mit einem ungefährlichen, nicht brennbaren Gas gefüllt. Um die Patrone zu kontrollieren, ist das Gewicht auf jeder Patrone aufgeschrieben. Dieses Gewicht sollte nicht um mehr als +/- 5  g abweichen. Sonst muss man sie austauschen. Einmal ausgelöst, muss die Patrone ausgetauscht werden, was in der Schweiz etwa 40.00 CHF kostet.

Ein Nachteil ist sicher, dass man die Auslösung aber nicht so üben kann, wie mit einem Rucksack, der mehrfach nacheinander auslösbar ist – wie beim JetForce-Airbag-System. Wobei, möglich wäre es schon, aber dann eben teuer, da man jedes Mal eine neue Auslöseeinheit kaufen muss. Auch das Packen des Rucksacks nach der Auslösung ist recht aufwendig im Vergleich zu anderen Systemen.

Der Auslösegriff ist am Schulterträger der Powder Base Unit befestigt. Die Einschubhülse ist mit einer Schutzklappe bedeckt, um sie vor Schnee und Eis zu schützen. Der Auslösegriff kann mit der richtigen Handhabung einfach angekoppelt und wieder abgenommen werden. Erst durch das Ziehen des Griffs wird das System ausgelöst. Im Auslösegriff hat es eine Druckkapsel, welche beim Ziehen des Griffs durch eine kleine Explosion einen Druck bis zur Anstecheinheit vor der Patrone auslöst. Auch der Auslösegriff muss nach jeder Auslösung zusammen mit der Patrone ausgewechselt werden. Wird der Auslösegriff nicht benötigt (z.B. in der Gondel o.ä.), kann man diesem mittels eines Klettverschlusses schützen, damit nicht aus Versehen ausgelöst wird. Das Eindocken bzw. Ein- und Ausstecken des Auslösegriffs nervt aber ein wenig auf Dauer.

Zusätzlich ist auf jedem Airbag der Powder Base Unit ein Füll- und Ablassventil befestigt. Dieses Ventil sorgt dafür, dass Umluft beim Füllen des Airbags angesaugt wird (Venturi-Effekt). Durch das Drücken des Ablassventils kann nach einer Auslösung zudem die Luft aus den Airbags wieder abgelassen werden.

Löst sich ein Schneebrett, muss sofort der Auslösegriff gezogen werden. Danach blasen sich in 1-3 Sekunden die Twinbags vollständig auf. Das soll laut ABS auch bei hohem Schneedruck oder kalten Temperaturen funktionieren. Ich habe die Powder Base Unit ohne Probleme auslösen können. Die beiden Twinbags blasen sich dann auf und schützen so zumindest noch etwas den Rücken-, Kopf und Nackenbereich. Die geringere Dichte bzw. das grössere Volumen hilft, dass man in der Lawine nicht zu Boden sinkt, sondern eher oben auf der Lawine bleibt. Die Twinbags haben dafür ein Volumen von zusammen rund 170 Litern. Dieses Phänomen wird auch Paranuss-Effekt oder Muesli-Effekt genannt. Dieser Effekt wird durch das ABS-System nicht komplett sichergestellt, aber optimiert.

Da eine Lawine nicht wie Wasser flüssig ist, sondern aus verschieden grossen Schneebrocken besteht und man auch mit zusätzlichem Volumen nicht automatisch an die Lawinenoberfläche kommt, ist es entscheidend, wie das Verhältnis aus dem zusätzlichen Volumen und der Auftriebsfläche ist. Ein Mensch (100 kg schwer) hat ein Volumen von 103 Litern.  100 kg Lawinenschnee im Hochwinter haben aber ein Volumen von 250 Liter. Das bedeutet, dass der Mensch ein zusätzliches Volumen von mind. 147 Litern benötigt, um oben zu bleiben.

Nach dem Sommer war es sehr gewöhnungsbedürftig, einen so schweren (das Grundgewicht des Rucksacks mit Zip-on liegt bei rund drei Kilogramm) Rucksack wieder länger zu tragen. Aber ich konnte die ABS Powder Base Unit soweit einstellen, dass sie mir passte.

Zu Beginn hatte ich etwas Mühe, da sich die Rückenplatte wellte und mir gegen die Wirbelsäule drückte. Da die Rückenplatte aber grundsätzlich weich ist und keine verstärkten Drähte/Stäbe etc. enthält, blieb es bei einem mühsamen Druck mit dahergehendem Druckschmerz am Rücken. Erst nach einigen Tourentagen war die Rückenplatte etwas weicher und die Welle passte sich dem Rücken an. Insgesamt war das aber sehr mühsam, daher gab dies Abzug.

Ich hatte die ABS Powder Base Unit gewählt, da es hiess, sie wäre kleiner und damit eher für Frauen geeignet. Dies kann ich aber nur teilweise bestätigen. Der Rucksack mit der ABS Powder Base Unit ist im Ganzen schon kompakter, etwas kleiner und feiner als mit der ABS Vario Base Unit. Dafür aber hatte ich bei der ABS Powder Base Unit Mühe mit dem Hüftgurt aus Neopren. Dass der Hüftgurt aus elastischem Neopren besteht, ist super, da er wirklich viel bequemer ist, als ein dünnerer Hüftgurt. Der Neopren-Hüftgurt kann aber nicht genügend verkleinert werden. Beide Seiten musste ich jeweils zuerst halbieren, um sie dann zusammenzukleben, damit er eng anliegt. Die zusätzliche Metallschnalle, welche dann noch geschlossen werden sollte, war bei mir schon so nahe beieinander, dass es fast nichts mehr nutze diese zu schliessen. Hier würde ich mir deutlich mehr und bessere Anpassungsmöglichkeit wünschen!  … grösser geht ja immer, aber was wenn man es nicht mehr enger schnallen kann? Und ich bin bei weitem nicht extrem schmal oder klein. Das hohe Gewicht der ABS Powder Base Unit sollte ja eher auf der Hüfte zu liegen kommen und nicht auf den Schultern. Die Schulterträger konnte ich dann auch noch anpassen, wobei ich auch dort auch schnell fast am Ende der Anpassungsmöglichkeiten war (nur 10 cm blieben noch). Für kleinere Frauen ist die ABS Powder Base Unit also in der Form nicht geeignet.

In Sachen Verarbeitung gibt es wenig zu meckern. In Sachen Flexibilität schon eher – während es für die ABS Vario Base Unit sehr viele Zip-ons gibt, gibt es für die ABS Powder Base Unit nur sehr wenige. Für mich ist der Unterschied zwischen Powder und Vario zu gering, als dass dies zwei komplett unterschiedliche Systeme rechtertigen würde. Ich würde daher eher zu einer Vario Base Unit greifen, da sie mehr Möglichkeiten bietet.

Preis

Die ABS Powder Base Unit kostet mit der Auslöseeinheit Carbon 789 €, mit der Auslöseeinheit Stahl 689 €. Dazu kommt ein Zip-on.

Händlersuche/Storefinder


Links

Hersteller ABS

Auskunft und Vertrieb in der Schweiz über CASOAR SA International Distribution