Test Nordisk Telemark 1 ULW
5.2 Bewertung
PRO
  • sehr leicht
  • schneller, einfacher Aufbau
CONTRA
  • windanfällige Konstruktion
  • kein ausreichender Wetterschutz bei Regen
  • Schäden/qualitative Mängel nach Gebrauch
  • teilweise unpraktisch (z.B. Vordach)
  • spartanischer Lieferumfang
Testurteil
Das Nordisk Telemark 1 ULW ist eines der leichtesten 1-Personen-Zelte auf dem Markt. Punkt. Im Praxistest konnte es aber leider in Sachen Wetterschutz und Haltbarkeit nicht überzeugen.
Funktion4.5
Qualität/Verarbeitung4
Gewicht/Packmass8.4
Umwelt/Nachhaltigkeit5
Preis-Leistung4

Fakten

Nordisk Telemark 1 ULW, Farbe forest green, #151009 / EAN 5703384023256

  • Gewicht nachgewogen: Gestänge 103 g, Gewicht Zelt 695 g, Gewicht pro Hering 9 g, gesamt inkl. Packsack: 848 g (laut Hersteller Gewicht 770 g)
  • Fläche Innenzelt: ca. 1.7 m²; Fläche Apsis ca. 0.45 m²; gesamt: ca. 2.15 m²
  • Höhe: Innenzelt 86 cm
  • Anzahl Eingänge: 1
  • Grösse: 1-Personen-Zelt
  • Typ: 3-Saison-Zelt, Tunnelzelt
  • 1 Innentasche seitlich
  • Material Aussenzelt: 100 % Polyamid beidseitig dreifach silikonisiert (Ripstop-Nylon, 10-Denier, 455 T, 30 g/m², Zugefestigkeit ca. 8000 g, Wassersäule 2000 mm)
  • Material Innenzelt: 100 % Polyamid (Ripstop-Nylon, 15-Denier, 341 T, 26/q30 g/m²)
  • Material Boden: 100 % Polyamid mit Polyurethan-Beschichtung (Ripstop-Nylon, 20-Denier, 53 g/m², Wassersäule 8000 mm)
  • Material Gestänge: 100 % Carbon
  • Sonstiges: Reissverschlüsse alle YKK, Schnallen und Spanner von Duraflex
  • Masse Aussenzelt: 235 x 63/138/83 x 96 cm
  • Masse Innenzelt: 220 x 50/98/70 x 86 cm
  • Packmass: 41 x 12 cm nachgemessen
  • Lieferumfang: Zelt, 1 Gestänge, 4 Heringe, 1 Sturmleine, Anleitung, diverse Packbeutel (Zeltunterlage separat: Telemark 1 Footprint #107122)

Angaben vom Hersteller:

Das “must have” Zelt, wenn es auf das Gewicht ankommt – Telemark 1 ist durch die technische Konstruktion, die Auswahl des modernsten Gewebes und Komponenten, ein sehr geräumiges 1-Personen-Zelt mit überraschend geringem Gewicht. Es ist in einer Aluminium und in einer Carbon Ausführung erhältlich, abhänging davon, wie sehr das Gewicht für Dich wichtig ist. Trotz strebens nach dem leichtesten Gewicht, gibt es weder Kompromisse bei Funktion noch beim Komfort. Innentaschen für Stauraum, Belüftung durch mechanische Konstruktionen, sowie Mesh-Fenster, einfach einstellbare Abspannleinen, Magnetverschlüsse und das einzigartige Feature, dass die Eckstangen den Eingang in ein Tarp umwandeln können.

  • Extrem leicht, geräumig und stark
  • Eingang-Tarp-Funktion
  • Keine Kompromisse beim Komfort
  • Gewichtsangabe beinhaltet nur das Innen- und Außenzelt, Haupt- und Eckgestänge
  • Magnetischer “schnell-schnapp” Türverschluss
  • Intergrierte Tarp-Umwandlung
  • Aufbewahrungstasche

Praxistest Nordisk Telemark 1 ULW

Das Nordisk Telemark 1 ULW wanderte fast 3 Wochen mit mir über die Lofoten. Dabei wurde es wirklich auf Herz und Nieren getestet und musste so einiges aushalten – leider überzeugte mich das Solozelt dabei nicht. Das Telemark 1 ULW ist wirklich ein leichtes Zelt. Schon auf dem Packsack ist das Gesamtgewicht aufdedruckt: 770 g. Das ist eine Ansage.

Im Praxiseinsatz ist das Minimalzelt Nordisk Telemark 1 ULW schnell aufgebaut. Die Tunnelkonstruktion erfordert, dass man erst eine Seite abspannt, danach die zweite. Dann erst steht das Zelt. (Vor dem ersten Einsatz sollte man das Innenzelt einhängen – es wird nicht eingehängt geliefert.) Das Einpersonenzelt ist auch sonst minimal ausgestattet, was aber konsequent ist, da es ja um wenig Gewicht geht – innen hat es ein Seitenfach. Dieses dient umgestülpt auch als Packtasche. Das ist aber nur so halb praktisch, da man dann die Zelttüren beim Packen offen lassen muss – was wiederum bedingt, dass man sie beim nächsten Aufbau vor dem Abspannen wieder schliesst. Ich nahm lieber die separate Aufbewahungstasche als Packsack. Das ging einfacher und schneller.

Mit dem Nordisk Telemark 1 ULW flog ich Richtung Norwegen, nahm die Fähre auf die Inselgruppe und baute Abend für Abend das Nordisk Telemark 1 ULW auf. Es braucht wenig Stellfläche – normal für ein 1-Personen-Zelt. Aus Gewichts-Spargründen liegen wohl nur 4 Titan-Heringe bei. Die sind zwar gut, aber zu wenig. Schon zum Abspannen der einzigen Leine benötigt man mindestens einen weiteren. Mehr Leinen und mehr Heringe wären besser, vor allem bei Wind. Aber dazu später.

Die Apsis des leichten Einmannzeltes ist klein, aber reicht für einen Rucksack und die Schuhe. Auch kann man das Vorzelt zu einem Dach umbauen. Dazu nimmt man 3 der „Eckpfosten“-Stangen heraus, fügt sie zu einer Stange zusammen, spannt das Ganze ab … – für mich blieb das komplett Theorie. Das Vordach hätte ich immer dann gebraucht – zum Beispiel zum darunter Kochen – wenn es schlechtes Wetter hatte. Doch dafür ist diese Konstruktion viel zu wackelig und instabil – und Zelt auf Kocher ist einfach zu heikel. Viel Schutz bietet das Vordach ohne Stange leider nicht.

Das Innenzelt des Nordisk Telemark 1 ULW ist okay. Ich konnte mehr oder minder darin sitzen. Besser aber liegt man. Seitlich hat es immerhin noch ein wenig Platz neben der Matte und auch in der Länge ist es komfortabel. Angenehm ist die gelbe und damit helle und stimmungsaufhellende gelbe Innenfarbe des Zeltes.

Das Nordisk Telemark 1 ULW ist für mich eher ein Schönwetterzelt. Es ist komfortabler als ein Biwak. Für „viel Wetter“ aber ist es nicht wirklich gemacht. Starker Regen setze dem Zelt schnell zu – der Schnitt ist nicht überall optimal, hier und da klebte das Innenzelt dann schnell am Aussenzelt und es wurde innen nass – siehe Fotos der nassen Matte.

Aber nicht nur Regen setzte dem Zelt zu, sondern vor allem auch der Wind. Man könnte auch sagen: Wind ist etwas, was das Nordisk Telemark 1 ULW nicht verträgt. Laut Hersteller ist es für bis zu 25 m/s gemacht. Das wäre sehr sehr viel – es entspricht 90 km/h bzw. knapp Windstärke 10.

Im Gegensatz zu einem Windkanal aber testete ich das Zelt draussen in der Natur. Dort kommt der Wind aber nicht wie im Kanal nur aus einer Richtung. Er dreht, wechselt in sekundenschnelle die Richtung. Ich hatte starken Wind und auch stürmischen Wind, aber nur einmal und dann mit Böen der Windstärke 7 – maximal 7 – ich schaute es extra nach und notierte es mir extra nach dieser doch sehr unruhigen Nacht.

Der Wind setzte dem Zelt sehr zu, so sehr, dass es Schaden nahm. Während die Stange hielt – erstaunlich, wenn man das dünne Carbon-Stängelchen in der Hand hält – machte das Gewebe nicht mit. Es wurde vor allem entlang des Stangekanals in der Nähe der Nähte zu sehr gedehnt und bekam so Risse und Löcher. Auch die angenähten Bänder mit genieteten Ösen rissen teilweise ein und aus – siehe Fotos.

Dazu kommt, dass die Konstruktion des Nordisk Telemark 1 ULW meiner Meinung nach bei Wind einfach alles andere als ideal ist. Die aufgestellten Kanten an den Enden bieten eine hervorragende Angriffsfläche für Wind. In einer stürmischen Nacht riss es mir durch den Wind und den Druck auf die Seitenteile Heringe aus dem Boden – ich beschwerte und befestigte die Heringe danach noch besser, was das Problem löste. Aber das Nordisk Telemark 1 ULW machte mir hier mehr Schwierigkeiten als andere Zelte. Die Box-artige Konstruktion des Zeltes an den Seiten hat eben mehr Kanten und bietet mehr Angriffsflächen.

Zusammenfassend ist das Nordisk Telemark 1 ULW also ein zwar sehr leichtes Zelt, aber nur geeignet für gemässigte Einsätze bei gutem Wetter.

Preis

Das Nordisk Telemark 1 ULW kostet 659.95 €.
Die dazugehörige Zeltunterlage/Footprint kostet 59.95 €.

Händlersuche/Storefinder

Links

Hersteller Nordisk

Auskunft und Vertrieb über Nordisk Freizeit

comments (2)

  • Mit einem Wort: Schrott

  • Rüdiger Flothmann

    Danke Joe für Deinen ausführlichen Kommentar. 😉 Ich denke, bei der Konstruktion war das Kriterium Nummer eins das Gewicht so niedrig wie möglich zu halten. Für gewisse Einsätze ist es durchaus geeignet – wie beschrieben: wenn du für ein Wochenende mit guten Wetteraussichten anstelle eines Biwaks lieber den Komfort eines Zeltes hast, ist das Telemark gut. Aber ich finde eben auch, dass das nicht reicht. Daher und auch nach den Schäden die Bewertung.

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