Interview WeitLäufer – Ultraleichtrucksack

Über die Marke

WeitLäufer ist eine Ultraleicht-Rucksack-Marke aus Emmendingen im Breisgau, am Rand des Schwarzwalds. Entwickelt, getestet und geprüft wird jeder Rucksack im WeitLäufer Atelier vor Ort, gefertigt wird in Serie bei einem spezialisierten Partner. Das Flaggschiff ist der Agilist: 54 Liter, 570 Gramm, getapte Nähte aus Ultra 200X, 299 Euro, drei Jahre Garantie und ein hauseigener Reparaturservice. WeitLäufer verkauft ausschließlich direkt über weitlaeufer.de.

Interview

WeitLäufer

Antworten von Alex Düren, Gründer WeitLäufer, Emmendingen

Wie hattest du im Breisgau die Idee, die Marke WeitLäufer zu gründen und ultraleichte Rucksäcke zu entwickeln?

Vor etwa elf Jahren bin ich durch Zufall im Internet auf eine Nähanleitung für einen ultraleichten Rucksack aus einer IKEA-FRAKTA-Tasche gestoßen und fand das total interessant. Das wollte ich selbst ausprobieren und habe mir dafür alles besorgt, inklusive Nähmaschine. Nach einigen Rückschlägen klappte das erstaunlich gut. Anschließend beschloss ich, für die in anderthalb Jahren anstehende Alpendurchquerung von Wien nach Nizza auch die Rucksäcke für meine Partnerin und mich selbst zu schneidern.

Nach vielen Prototypen haben wir die selbstgemachten Rucksäcke dann über die knapp 2.000 Kilometer lange Wanderung getragen, und sie haben sich tatsächlich bewährt. Nach dieser Tour entstand der Wunsch, das Ganze zu professionalisieren und zu meinem Beruf zu machen.

Prototyp aus einer IKEA-FRAKTA-Tasche

Was bedeutet der Name «WeitLäufer»?

WeitLäufer steht für weit laufen. Und weit laufen oder weit wandern geht in unserem Fall am einfachsten mit leichtem oder ultraleichtem Gepäck.

Wo findest du Inspiration für deine Rucksäcke?

Vor allem beim Nutzen der eigenen Rucksäcke auf langen oder längeren Wanderungen. Dort fallen mir am leichtesten Ideen für neue Features ein, oder dafür, wo sich Komplexität reduzieren lässt. Besonders, wenn ich länger als vier oder fünf Stunden am Stück zu Fuß unterwegs bin. Das ist völlig unabhängig von der Region, am besten funktioniert es aber im Wald, weil ich dort nicht von der Aussicht abgelenkt werde.

Wer steckt hinter der Firma bzw. Marke? Wie hast du den Start finanziert?

Hinter WeitLäufer stehe ich, Alex Düren. Finanziert habe ich den Start so gut wie komplett aus eigenen Mitteln und nach den ersten Verkäufen aus dem Cashflow. Für die erste Industrienähmaschine gab es Unterstützung von der Familie, das gesamte Material für die unzähligen Prototypen und die ersten Serienrucksäcke kam aus den eigenen Rücklagen.

Bis heute mache ich das meiste noch selbst, mit einer Ausnahme: Die Produktion der Agilist-Rucksäcke habe ich seit dem Frühjahr dieses Jahres an einen Produktionspartner abgegeben.

Worauf bist du am meisten stolz?

Darauf, dass aus einer ersten Idee an der Nähmaschine ein Unternehmen entstehen konnte, das mittlerweile seit fast zehn Jahren Bestand hat.

Was ist deine Vision für die Zukunft? Welche Produkte oder Entwicklungen dürfen wir in den nächsten Jahren erwarten?

WeitLäufer soll die erste Adresse für Ultraleicht-Rucksäcke im deutschsprachigen Raum werden. Konkret arbeite ich gerade an einem kleineren Rucksack um 30 Liter für Tagestouren, Hüttentouren und alle, die vom klassischen Wanderrucksack auf ein leichtes Setup umsteigen wollen. Er wird deutlich unter dem Gewicht des Agilist liegen.

Langfristig soll es auch ultraleichte Shelter von WeitLäufer geben. Da ist die Entwicklungs- und Testzeit aber noch etwas länger.

Wo kann ich die Produkte von WeitLäufer aktuell beziehen?

Ausschließlich direkt über weitlaeufer.de. Wir verkaufen bewusst ohne Zwischenhandel, denn nur so können wir diese Materialqualität zu diesem Preis anbieten. Versendet wird aktuell in den DACH-Raum und in die gesamte EU.

Wo produzierst du die Rucksäcke?

Entwickelt habe ich jeden Rucksack selbst, hier bei uns im Atelier in Emmendingen. Hier entstehen Design, Prototypen und Materialtests, hier sitzt auch die Reparaturwerkstatt.

Die Serienfertigung übernimmt seit diesem Jahr ein spezialisierter Partnerbetrieb in Vietnam, der auf technische Ultraleicht-Textilien und das vollflächige Verschweißen von Nähten spezialisiert ist. Diese Taping-Technologie lässt sich in Handarbeit schlicht nicht auf konstantem Serienniveau umsetzen. Qualitätskontrolle und Endabnahme passieren dann wieder bei uns: Jeder Rucksack wird vor dem Versand in Emmendingen einzeln geprüft.

Wie sieht es mit Nachhaltigkeit und sozialen Standards in der Produktion aus?

Unser Fertigungspartner ist BSCI-zertifiziert, das heißt, Arbeitsbedingungen und Sozialstandards werden unabhängig auditiert. Die Produktion läuft zu 100 Prozent mit Solarstrom.

Der für mich wichtigste Nachhaltigkeitshebel ist aber die Lebensdauer: Wir verwenden extrem langlebige Materialien wie Ultra 200X, geben drei Jahre Garantie und reparieren jeden Rucksack in unserer eigenen Werkstatt, auch nach der Garantie. Der nachhaltigste Rucksack ist der, den du nicht so schnell wieder ersetzen musst.

Deine Rucksäcke werden zu einem sehr fairen Preis angeboten. Wie gelingt euch das?

Durch drei Entscheidungen. Erstens Direktvertrieb: Zwischen uns und dem Kunden steht kein Händler, der seine Marge braucht. Zweitens die Serienfertigung beim spezialisierten Partner: Sie hat die Stückkosten gesenkt, und diese Einsparung geben wir direkt weiter.

Und drittens die Konstruktion selbst: Die Schnittmuster habe ich über die Jahre so optimiert, dass ein Rucksack mit vergleichsweise wenigen Arbeitsschritten entsteht und weniger Nähte braucht als vergleichbare Modelle. Das hat einen zusätzlichen Vorteil: Weniger Nähte bedeuten auch bessere Wetterbeständigkeit und größere Haltbarkeit.

WeitLäufer hat die Produktion in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Was hat sich konkret verändert und welche Vorteile bringt die heutige Fertigung?

Der größte Schritt war der Wechsel von der Handfertigung in Emmendingen zur Serienfertigung beim Partnerbetrieb. Das hat drei Dinge verändert. Die Qualität: Getapte Nähte auf Ultra 200X sind in Serie präziser und konstanter, als ich es an der eigenen Maschine je hinbekommen hätte. Die Verfügbarkeit: Früher gab es Wartelisten und wochenlange Lieferzeiten, heute ist der Agilist ab Lager lieferbar. Und die Entwicklung: Die Zeit, die früher komplett ins Nähen ging, stecke ich jetzt in Prototypen, Materialtests und neue Produkte.

Der Markt für ultraleichte Outdoor-Ausrüstung hat sich stark verändert. Wie nimmst du diese Entwicklung wahr und wodurch möchte sich WeitLäufer künftig unterscheiden?

Ultraleicht ist im deutschsprachigen Raum aus der Nische herausgewachsen. Vor 15 Jahren war das eine kleine Szene von Selbstnähern und US-Importeuren, heute interessieren sich auch klassische Wanderer für leichtes Gepäck. Das ist eine gute Entwicklung, sie bringt aber auch Anbieter mit, die UL nur als Marketingbegriff nutzen.

Die Entwicklung unserer Rucksäcke wird immer aus eigener Erfahrung kommen und nicht nur rein theoretisch geplant. Und wir bleiben erreichbar: Wer uns schreibt, bekommt eine Antwort von den Menschen, die die Rucksäcke entwickelt haben.

Du benutzt deine eigenen Produkte. Welche Tour oder welches Abenteuer steht als Nächstes auf deiner persönlichen Liste?

Mit zwei kleinen Kindern sind die ganz langen Touren erstmal auf Halde gelegt. Für die nähere Zukunft habe ich mir aber die Sbrinz-Route in der Schweiz vorgenommen. Langfristig will ich unbedingt zumindest Teilstücke des PCT laufen, und der GR20 steht auch auf der Liste.

Gibt es noch etwas, das du unseren Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

Ultraleicht ist kein Wettbewerb um das letzte Gramm, sondern ein Weg zu mehr Freiheit unterwegs. Man muss dafür nicht sofort die komplette Ausrüstung ersetzen. Der beste Einstieg kostet wenige Euro: eine Küchenwaage. Wer einmal alles gewogen hat, was er auf dem Rücken trägt, trifft von selbst bessere Entscheidungen. Und wenn dann irgendwann ein neuer Rucksack ansteht, freue ich mich natürlich, wenn er von WeitLäufer kommt.

Danke Alex für das Interview.

ÜBER DEN AUTOR

Das könnte dich auch interessieren
Inhaltsverzeichnis