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Buchrezension Im Angesicht des Manaslu
6.4 / 10 Bewertung
PRO
  • gute, nicht übliche Handlungslinie
  • interessante Sichtweise des Bergsteigens
  • Beiträge von den im Buch dargestellten Schlüsselpersonen
CONTRA
  • trotz Titel ist der Manaslu nur ein Bruchteil der Abhandlung (nicht unbedingt negativ)
  • der Anfang zieht sich in die Länge
Testurteil
Eine Speed-Begehung und ein katastrophaler Lawinenunfall am Manaslu (8163 m, Nepal) im Jahr 2012 bilden den roten Faden des Buches Im Angesicht des Manaslu – Speedbergsteigen in der Todeszone von Benedikt Böhm. Der Familienvater, Extrembergsteiger und Geschäftführer der Firma Dynafit ist hier Autor. Glücklicherweise konzentriert sich das ganze Buch nicht auf die Tragödie, sondern veranschaulicht dem Leser den Weg, wie der Autor zum Bersteigen gekommen ist.
Struktur/Aufbau6.5
Preis-Leistung7
sprachlicher Stil6.7
Qualität6.6
Umwelt/Nachhaltigkeit5

Fakten

Im Angesicht des Manaslu – Speedbergsteigen in der Todeszone, Autoren: Benedikt Böhm, Christiane Böhm, Verlag: Piper Verlag GmbH, ISBN: 978-3-89029-446-9

  • Erscheinungsdatum: April 2014
  • 272 Seiten
  • Gewicht: 570 g nachgewogen
  • Grösse: 220 x 145 x 32 mm
  • gebunden mit Schutzumschlag
  • auch als E-Book erhältlich

Angaben vom Verlag:

Im Herbst 2012 ereignete sich eines der schwersten Bergunglücke im Himalaja: Benedikt Böhm plante eine Speedbegehung des Manaslu, als eine Lawine mehrere Bergsteiger begrub und er mit bloßen Händen Überlebende aus den Schneemassen barg. Nun verarbeitet er die Tragödie in einem Buch und erzählt, warum er wenige Tage danach trotzdem den Gipfel bestieg. Rückblickend beleuchtet er Schlüsselmomente seiner Bergsteigerkarriere: von der Bezwingung des ersten Achttausenders – des Gasherbrum II –, einem dramatischen Überlebenskampf am Broad Peak bis hin zum Scheitern am Manaslu fünf Jahre davor. Er schreibt über schwierige Entscheidungen, einsame Erfolge sowie Freundschaft und Rivalität am Berg; und schildert, wie sich Expeditionen, Familie und Beruf vereinbaren lassen.

Buchrezension Im Angesicht des Manaslu

Das Buch Im Angesicht des Manaslu von Benedikt Böhm erinnert mich in gewisser Weise an den Film Pulp Fiction von Quentin Tarentino. Viele Sprünge, rückwärts und vorwärts in der Zeit, welche am Ende aber ein Ganzes ergeben. Jede Zeitreise – die Erzählung einer Expedition oder andere Momente des Lebens – illustrieren ein Thema oder leitet ein neues Kapitel ein. Der rote Faden des Buches ist die erfolgreiche Speed-Begehung und der katastrophale Lawinenunfall ein Paar Tage davor am Manaslu (8163 m, Nepal) im Jahr 2012.

Im Gegenteil zum oben genannten Film ist das Buch Im Angesicht des Manaslu nicht von rüder Art. Der Stil und die Wortwahl wollen auch nicht eingebildet sein und machen das Buch angenehm zu lesen. Eine coole und entspannte Schreibweise. Eine Sammlung von Bildern guter Qualität in der Mitte des Buches hilft den Hauptfiguren, richtige Gesichter zuzuordnen. Wenn die Bilder in den zugehörigen Kapiteln erscheinen würden (auch wenn nur schwarz/weiss), wäre es noch besser. Da aber das für die Fotos verwendete Papier doch hochwertig und glänzend ist, versteht man schon, dass man alle Seiten in der Mitte des Buches gesammelt hat.

Der Autor zeigt sich offen und respektvoll für alle Arten von Bergsteigern – von den klassischen bis zu den ausserirdischen mit Sauerstoffmasken, Hight-Tech-Ausrüstung und der Unterstützung mehrerer Träger. Er setzt nicht auf simple Polemik, was gut tut.

Obwohl ich selber kein Extrembergsteiger bin, mag ich mich teilweise im Charakter von Benedikt Böhm, wie er sich in diesem Buch darstellt, wiedererkennen. Er hat eine ähnliche Art als Schüler, eine ähnlich unterhaltsame „Militärkarriere“ in den Bergen und eine Vorliebe für die Berge. Auch das Wellensurfen passt. Leider fehlen mir aber Begabung und Fitness zum Extrembergsteigen.

Neben der Erzählung verschiedener Expeditionen, mit spannenden Details verziert – auch die, bei denen den Autor nicht unbedingt glänzend wegkommt – spricht auch Benedikt Böhm andere „sportunabhängige“ Themen an, welche ihn als Mensch und sein Leben prägten. Angesprochen wird unter anderem die Wichtigkeit eines Mentors (was für uns alle gilt, hoffentlich meistens mit positiven Einflüssen aber manchmal können sie leider auch negativ werden). Dazu der Sport als Ausgleich zu möglichen Schwierigkeiten. Die Art und Weise und mit welchem Exzessen man Sport treibt und welcher Sinn dahinter steckt.

Sicher kann und will nicht jeder sein eigenes Leben so intensiv oder exzessiv gestalten – oder willst Du um drei Uhr morgens aufzustehen um zu trainieren? Oder zwischen acht und neun, nach ein paar Tausend Höhenmetern (insgesamt 300’000 bis 400’000 Höhenmeter pro Jahr …), das Kostüm des Geschäftsführers einer bekannten Marke anziehen und danach noch die Rolle des Familienvaters wahrnehmen? Dafür müssen nicht nur die organisatorischen Fähigkeiten aussergewöhnlich und das Schlafbedürfnis abnormal tief sein, sondern auch die Familie ein richtig gutes Team bilden!

Auch wenn dem Buch Im Angesicht des Manaslu am Anfang ein bisschen das Tempo fehlt, liess ich mich dennoch recht schnell in diese besondere Biografie hineinreissen. Das Werk ist unterhaltsam und hat meine Motivation angekurbelt wieder mehr Speed-Begehungen selber in Angriff zu nehmen. Nur mit deutlich weniger Vorbereitung und angepasst an meine Kondition. Ich kann in jedem Fall empfehlen das Buch Im Angesicht des Manaslu zu lesen.

«7 Tage im September» ist übrigens der Dokumentarfilm zum grossen Bergdrama am Manaslu.

Preis

Das Buch Im Angesicht des Manaslu kostet € 19,99 [D], € 20,60 [A] oder CHF 28,90.

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Links

Verlag Piper Verlag GmbH


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