Hansjörg Auer und die wohl waghalsigste Abseilaktion

Hansjörg Auer kletterte am 28.02.2018 die Südwand der Achplatte im Ötztal und geriet in Schwierigkeiten, wobei er an sein Limit gehen musste. Was war passiert und wie konnte er sich retten? – Ihr erfahrt es hier!

Hansjörg Auer

Hansjörg Auer wurde 1984 geboren, ist Lehrer und Bergführer. Im Jahre 1996 begann der erst 12 Jahre alte Junge mit dem Sportklettern und wurde im Jahre 2009 bereits Profi, welcher von den Labels The North Face, La Sportiva, Edelride und Ötztal unterstütz wird. Hansjörg Auer gelangen mehrere Erstbegehungen und berühmte Routen, u.a. in den Dolomiten, in Patagonien, im Yosemite Valley, Karakorum und Himalaya. Zudem sorgt er mit seinen Free-Solo-Touren für Aufsehen.

«To enjoy the undreamt intensity of life again and again is one thing what drives me to set off for new adventures!» – Hansjörg Auer

Südwand der Achplatte im Ötztal

Am 28.02.2018 machte sich Hansjörg Auer daran, die Südwand der Achplatte Free Solo zu klettern. Zu erst mit der hoch riskanten Idee ohne Seil, Gurt und Eisschraube einzusteigen, änderte er Gott sei Dank seine Strategie und nahm das Nötigste mit.

Hansjörg Auer hatte den Plan, eine sehr dünne Eislinie durchzusteigen, um so auf den Gipfel zu kommen. Die anfangs eher einfache Kletterei wurde immer schwieriger bis es unmöglich wurde. Nur durch eine absolut hoch riskante Abseilaktion konnte sich Hansjörg Auer aus der Wand retten. Das Beste? Hansjörg Auer hat es überlebt. Das zweit Beste? Er hat es gefilmt und wir haben den Film 😉

Interview

Wir konnten es uns nicht nehmen lassen und haben Hansjörg Auer einige Fragen dazu gestellt. Erfährt hier wie er in diese Situation gekommen ist und wie er mit der Situation umgeht.

Letzte Woche erreichte uns ein unglaubliches Video von einer Abseilaktion in einer Steilwand, wo war das?

Es war die Südwand der Achplatte im Ötztal. Es ist im Sommer eine eher gefährliche Wand, da sich in den letzten Jahren im linken Wandteil immer wieder Felsmaterial gelöst hat.
Die ersten Routen entstanden hier in den 70er Jahren durch Reinhard Schiestl. Ich habe dann im Jahr 2005 ebenfalls eine neue Route geklettert.

Was war dein Projekt?

Ich kletterte diese dünne und selten stehende Eislinie am 28. Februar 2018. Es war vermutlich eine Erstbegehung.

Wie kam es dazu, dass du solch ein grosses Risiko eingehen musstest?

Ich wollte eigentlich auch überhaupt keine zusätzliche Ausrüstung (Seil, Gurt, Eisschraube) mitnehmen, da nach dem Ende über ein Band nach rechts zum Abstieg gequert werden kann.
Beim Losgehen habe ich mich aber doch dann entschieden das Seil einzupacken, da die Eisauflage mit dem Fernglas sehr sehr dünn ausgesehen hat.
Nach dem Zustieg, kletterte ich dann los. Nach recht einfachen, verschneiten Platten wurde das Gelände etwas steiler und die Kletterei anspruchsvoller. Die Eislinie war dann großteils mehr angefrorener Schnee als Eis.
Die letzten zehn Meter waren solo nicht ganz einfach aber ich dachte mir, dass es bald wieder etwas leichter werden wird.
Und plötzlich stand ich auf einem kleinen Absatz und konnte weder vor noch zurück, vor allem auch deswegen, da ich ja solo unterwegs war.
Gottseidank habe ich dann diesen winzigen kleinen Stein gefunden, der eingefroren auf Höhe des kleinen Absatzes war.
Ich entschied mich daran 30m abzuseilen.
Ich habe dann einen leichteren Weg weiter links gefunden und bin dann die Linie zu Ende geklettert.

Hast du jemals etwas riskanteres gemacht? Bzw. hast du jemals mehr um dein Leben gefürchtet?

Im Grunde finde ich, dass wenn man sich das Risiko bewusst macht, dann kann man sich darauf einstellen und die Sinne sind geschärft.
Das Problem sehe ich eher, wenn man in vermeintlich leichtem Gelände unachtsam ist oder durch die Routine unachtsam wird.
Deshalb stehe ich für Qualität anstatt Quantität bei meinen Aktionen. Somit ist man nicht dauernd im rötlichen Bereich unterwegs.
Natürlich wollte ich mich selbst aus dieser Situation befreien.
Und das Abseilmanöver erschien mir möglich.
Zudem konnte ich ja nicht ewig auch diesem abschüssigen, kleinen Absatz einfach stehen bleiben.

Beschreibe mit einem Wort, wie du dich gefühlt hast, als du unten heil angekommen bist?

Hungrig.
Die Möglichkeit ein intensives Leben haben zu können, sehe ich als Privileg.
Und wenn man dann noch die persönliche Erfüllung in den Projekten findet, dann gibt es nichts zum Aussetzen.
Dass mich viele Leute als „crazy“ einstufen finde ich eigentlich nicht cool. Ich habe vlt. einen anderen Zugang dem Risiko gegenüber und ich denke manchmal über alpinistische Ideen nach, die andere vlt. sofort verwerfen würden.
Aber deswegen bin ich nicht ein Verrückter.

Was ist dein nächstes Projekt? 

Ich plane heuer im Sommer wieder in Pakistan unterwegs zu sein.
Ein großartiges Projekt an einem 7000er.
Wir bedanken uns herzlichst bei Hansjörg Auer für seine Zeit und wünschen ihm gutes Gelingen in seinen nächsten Projekte!