Bergfahrt Festival – ein Festival der Emotionen

Das Bergfahrt Festival schlägt eine Brücke zwischen Kultur und den Bergen. Das Programm ist so vielfältig wie die Berge: Filme, Lesungen, Ausstellungen, Musik, Theater, Workshops und vieles mehr, das Bergfahrt Festival zeigt Alpine Kultur aus allen Sprachregionen und ist ein Erlebnis für alles Sinne.

Kulisse für das Bergfahrt Festival ist das Bergdorf Bergün/Bravuogn an der Albulapassstrasse. Ein Bergdorf wie aus Heidi, voller Charme, aber lebendig. Eigentlich ist Bergün selber bereits ein Programmpunkt mit seinen Engadiner Häusern, die so schön sind sind wie jene im Engadin. Dahinter die Rhätische Bahn, knallrot schlängelt sie sich durch die grünen Bergwiesen, Schweizer Tradition und ein bisschen Nostalgie. Ist der Himmel dann noch blau, wird es fast schon kitschig. Das Herzstück des Festivals ist das Kurhaus Bergün. Zum Renovieren fehlte dem Hotel das Geld – ein Glücksfall! Das Hotel ist alt, echt, authentisch und ein bisschen retro. Man fühlt sich gleich vornehmer, wenn man die alte Hotellobby betritt oder die Bibliothek, in welcher der AS Verlag den Festival Buchshop aufgebaut hat. Viele der Veranstaltungen finden im wunderschönen Blauen Saal im Jugendstil statt. Am Sonntag lässt der Schlagzeuger und Klangkünstler Julian Sartorius die alte Küche im Untergeschoss des Kurhauses brodeln. Er entlockt Töpfen, Pfannen, dem Grill, Tassen und Krügen Klang und vor allem Rhythmus.

Experimentelle Klänge und Extrembergsteiger

Es sind zu viele Programmpunkte, als dass ich alle aufzählen könnte und zu viele, um sie alle zu erleben. Eines der Highlights des Bergfahrt Festivals ist das Duo Christian Zehnder und Julian Sartorius. Ein sehr besonderes Klangerlebnis! Die beiden trafen sich am Festival das erste Mal direkt auf der Bühne! Mit Schlagzeug und Stimme improvisieren und experimentieren sie. Christian Zehnder singt nicht, er klingt, er bringt seinen ganzen Körper zum vibrieren. Mimik und Gestik erzählen dabei ihre eigene Geschichte, fast als wäre er ein Medizinmann in einer rituellen Zeremonie. Es ist Kunst, ein Schauspiel und nicht nur Gesang, begleitet von den Rhythmen und Tönen, die Julian seinem Schlagzeug entlockt. Manchmal sieht Christian Zehnder richtig gefährlich aus, doch immer spürt man die Begeisterung der beiden Musiker für ihren Sound. Hohe, helle Töne, tiefes Brummen, Geräusche von denen ich nicht wusste, dass ein Mensch sie hervorbringen kann. Wie Didgeridoo, dazwischen Jutzer. Für alle, die nun selber Lust zum Jutzen und Jodeln hatten, gab es die Jutzbox, wo alle nach Herzenslust jutzen und jodeln durften. Juchtzen für alle, Christian Zehnder motivierte alle Festival Besucher dazu.

Als Gegensatz zu all der Musik besuchte ich die Stille. Die Fotografin Caroline Fink stellte in den Mauern des alten Turmes Stille aus. Bilder, auf denen nichts zu sehen ist, ausser eben Stille.

Ein Muss für Bergsteiger war natürlich der Vortrag von Stephan Siegrist. Er erzählte aus seinem „Leben im Sturm“, seinem aktuellen Buch. Viele Filme und Fotos entführten einmal mehr packend ins Hochgebirge.

Ebenfalls nicht fehlen durfte der Autor Emil Zopfi. Der Gründer des Bergfahrtfestivals las aus seinem Manuskript, welches Geschichten aus den Bergen und aus seinem Leben erzählt.

Filme aus den Schweizer Bergen

Ein etwas anderer Blickwinkel auf die Berge als jener der Bergsteiger und Kletterer boten die Filme „Höhenfeuer“ und „Wir Bergler“ von Fredi M. Murer, dem Urgestein der Schweizer Filmszene. „Höhenfeuer“ schafft mit kraftvollen Bildern eine sehr beklemmende Atmosphäre, es packte mich, zugleich fühlte ich mich unwohl und bedrängt. Der Spielfilm aus dem Jahr 1985 gewährt Einblick in das Verhalten der Menschen in Isolation und Einsamkeit. Die Geschichte, erzählt in langsamen Bildern und mit knappen Dialogen, spielt in einem Urner Tal, könnte aber in jedem anderen Berggebiet der Welt spielen. Als ich den Saal verliess, musste ich die Geschichte erst etwas abschütteln, zurück finden in meine Realität.

In einem Workshop vom Parc Ela stellte ich ein feines Kräutersalz selber her. Unter Anleitung zerkleinerte ich die getrockneten Kräuter aus dem Parc Ela im Mörser und mischte sie mit dem Salz. Beim Geniessen werde ich wohl noch oft an Bergün denken.

Lustiger Schlusspunkt bildete eine Modeshow der besonderen Art. Schauspieler Gian Rupf moderierte die Bildershow mit den modischen Highlights und Verfehlungen der Sportkletterszene seit ihren Anfängen. Die Musikgesellschaft Bergün untermalte das Ganze mit Hits aus den jeweiligen Jahren.

Wer jetzt bedauert, nicht dabei gewesen zu sein:

Das neue Datum für das Bergfahrt Festival ist bereits bekannt: 5. – 7. Juni 2020 heisst es in Bergün wieder: #bergfahrtfestival #culturaalpina #bergkultur.

INFOBOX Bergfahrt Festival

Das Bergfahrt Festival ist eine Entdeckungsreise in die Welt der alpinen Kultur. in seinem Rahmen entstehen Räume, in denen alpines Kulturschaffen sich trifft. Und Orte, an denen Geschichte und Gegenwart des Alpenraums sich finden. Mit Tönen der Berge und dem Geschmack der Natur. Mit Bildern und Worten, Klang und Gesang.

Das zweite Bergfahrt Festival fand vom 1. bis 3. Juni 2018 in Bergün/Bravuogn statt, nachdem 2016 mit inspirierendem Programm und Publikum und dank Partnern, Sponsoren, Gönnern und Mäzenen ein erfolgreicher Start gelang.

Mehr unter www.bergfahrtfestival.ch

About The Author Jeannine Zubler