Um mich herum sehe ich mehr Grüntöne, als ich unterscheiden kann. Vögel zwitschern in einem Chor, wie ich es selten gehört habe. Der Weg ist schmal und steil. Schritt für Schritt entferne ich mich vom Fluss mit dem Namen Sauer. Obwohl sich die Landschaft um mich herum nicht stark verändert, entdecke ich doch hinter jeder Kurve etwas Neues – und Kurven, gibt es hier viele. Bestimmt wird auch dieser Aufstieg mit einem Ausblick belohnt. Oben angekommen, gönne ich mir eine Pause und Blicke zurück. Ich erkenne die Kirche an der ich heute Morgen vorbeigekommen bin und ich erahne, was noch vor mir liegt. Unterhalb vom Aussichtspunkt entdecke ich die Sauer wieder, wie sie sich in einem engen U um die Halbinsel windet. Der Ort heisst Bourscheid-Moulin und liegt in der Region Éislek im Norden Luxemburgs.

Luxemburg – ein Wanderland?

Ja, genau ich wandere in Luxemburg. Was sich anhört wie „Flachlandwander“ ist in Wahrheit ein ständiges Hoch und Runter. Von Bergen zu reden wäre aber definitiv übertrieben. Dennoch überwinde ich vom einem Tal zum andern zwischen 50 und 200 Höhenmeter, was sich über die Gesamtstrecke von 53 km zu einer beachtlichen Menge von 3268 Metern Aufstieg kumuliert. Der Trail heisst Lee Trail. Lee ist das luxemburgische Wort für Felskämme. Und ja, es gibt eine luxemburgische Sprache. Seit 1984 ist sie offiziell anerkannt und verfügt sogar über eine Grammatik, welche die schriftliche Anwendung ermöglicht. Luxemburg ist generell ein Land voller Überraschung. Bekannt ist vor allem die Stadt Luxemburg, welche von den Einheimischen einfach Stadt genannt wird. Neben dem erwähnten Luxemburgisch beherrschen fasst alle Einwohner Deutsch und Französisch. Alle drei Sprachen gehören zum Alltag in diesem doch eher kleinen Land, was das Reisen hier sehr angenehm macht.

Viel Komfort entlang des Weges

Nach einer Nacht im Sporthotel Leweck bin ich dank Sauna und grosszügigem Frühstücksbuffet wieder fit und munter. Weiter geht die Wanderung auf dem Lee Trail. Mein Gepäck wird für mich transportiert und wartet in der nächsten Unterkunft. Diesen Komfort bin ich mir zwar nicht gewohnt, was sich zeitweilen in einer Art schlechtem Gewissen ausdrückt. Dieser ungewohnte Komfort ermöglicht es mit sehr leichtem Gepäck zu wandern, was die Erholung positiv unterstützt. So ist es dann auch kein Problem, immer wieder hoch und runter zu laufen.

Abwechslungs- und lehrreich

Plötzlich entdecke ich ein riesiges Xylophon. Es ist aus Holz gefertigt und während ich mit einem Holzknüppel drauf haue, kann ich die unterschiedlichen Tonhöhen wahrnehmen. Es ist ein Teil des Klangweges, welcher auf diesem Abschnitt des Lee Trail angelegt wurde. Im Verlauf des Tages entdecke ich noch eine lange Kugelbahn, auf welcher Glaskugeln laut scheppernd über das Metallgerüst düsen. Bei einem Fluss kann ich mittels grosser Schlauchkonstruktion hören, was unter Wasser vor sich geht. Die Geräuschkulisse ist erstaunlich.

Rund zwei Stunden nach meinem Aufbruch liegen unzählige Kurven hinter mir und ich befinde mich im wieder einmal im Abstieg. Mitten im scheinbaren Nichts entdecke ich ein einsames Haus. Die Informationstafel in der Nähe erklärt mir, dass hier in Schnëllermillen früher eine Mühle stand und dass es drum herum eine ganze Siedlung gab. Mit der zunehmenden Industrialisierung und Abwanderung sank die Bevölkerung bis 1974 auf null Einwohner. Einziger Hinweis auf die Besiedlung ist das erwähnte Haus und die in der Nähe stehende Kapelle.

Auf Wiedersehen in Luxemburg

Meine Tour endet in Kautenbach einem idylischen Dorf mitten in der grünen Landschaft. Hier gibt es einen Campingplatz der sogenannte Pod’s vermietet. Dies sind kleine Häuschen, die aussehen wie liegende Weinfässer. Eine sehr geeignete Unterkunft, um den Lee Trail zu starten oder zu beenden. Der Tail ist in beide Richtungen sorgfältig signalisiert (blaues Feld mit weisser Welle). Die Auszeichnung Leading Quality Trails hat er definitiv verdient.

Ich habe auf dem Lee Trail viel Schönes gesehen und erlebt. Der Lee Trail ist Teil des längeren Escapardenne Trails ist. Mit Freude würde ich auf diesem Weg gleich weiter gehen. So oder so komme ich wieder einmal nach Luxemburg. Es empfiehlt sich noch zwei, drei Tage mehr einzuplanen. Denn neben den Wanderwegen gibt es noch weitere Sehenswürdigkeiten zu entdecken, die dank dem einfachen und günstigen ÖV-System einfach zu erreichen sind.

Für wen eignet sich der Trail?

Grundsätzlich für jeden der gern wandert. Es ist eine interessante Abwechslung zu den Bergtouren. Eine Grundkondition hilft sicherlich beim Geniessen der Landschaft, weil die Höhenunterschiede und Distanz nicht zu unterschätzen sind. Während in der Schweiz auf vielen Wanderwegen noch Schnee liegt, kann man in den Ardennen schon prächtige Frühlingstouren unternehmen, so zusagen als Wintertraining.

Weitere Informationen zum Lee Trail und über die Region Éisleck finden sich auf folgenden Seiten:

Informationen zum Lee Trail

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About The Author Claudio Föhn