Südtirol ist bekannt für sein mildes Klima, gutes Essen, freundliche Einwohner, Wellness, Berge, Wandern- und Biken. Zudem gibt es Apfelplantagen sowie Weinreben soweit das Auge reicht. Die Tourismusregion für und aktive Menschen schlechthin! Die Region macht nicht nur Werbung für all ihre Vorzüge, sie kann sie auch bieten und die Menschen leben den Tourismus auch! Betritt man ein Restaurant, fühlt man sich willkommen und gut aufgehoben. Im Hotel wird das Wohlfühlen des Gastes hoch geschrieben. Gästeservice wird gelebt und nicht nur vorgespielt. Wer sich hier nicht wohlfühlt, mag definitiv keine Berge und gehört in eine Stadt oder an einen Strand!

Kaltern der heimelige Ort, hat nebst Weinkultur und Geschichte, der Südtiroler und der italienischen Küche, auch einen See und Berge zu bieten. An Veranstaltungen, Seminare und Kurse erscheine ich bewusst immer etwas unvorbereitet. Daher nehme ich Unvoreingenommen daran teil, hege aber teilweise auch falsche Erwartungen: Jentschura bike women camp, der Name sagt schon viel aus: Jentschura im Bereich der basischen Körperpflege und der natürlichen Ernährung tätig (P. Jentschura). Biken bedeutet für mich, sich auf einem coolen Bike den Berg hoch zu ‘quälen’ und auf spassigen Trails wieder runter zu donnern! Gleichgesinnte Frauen wollen den ohne Druck jemanden etwas beweisen zu müssen, ihre Fahrtechnik verbessern und grandioses Biken erleben.

Volles Programm, aber entspannt

Das Camp beginnt erst am Donnerstagnachmittag. Gemäss dem Programm gibt es heute und den Folgetagen viel zu tun. Mir ist noch schleierhaft, wie ich das alles bewältigen soll und stelle mir im Geiste schon ein Gehetze vor. Da ich nicht wusste, wie ich all das Material mit dem Bike vom Hotel zum Camp Gelände mitnehmen sollte, bin ich mit dem Auto zum Kalterer See gefahren. Dies wiederstrebt mir grundsätzlich sehr, denn ich bin hier zum Biken.

Ich betrete das Gelände durch den Eingang zwischen den Büschen und kann schon den ersten entspannten Eindruck gewinnen. Ist nicht schon fast 13 Uhr und der Event beginnt nächstens? Ich habe ein Treiben wie in einem Ameisenhaufen erwartet. Aber weit gefehlt. Langsam trudeln immer mehr Mädels ein. Die meisten kommen zu zweit oder in kleinen Gruppen mit ihren Freundinnen.

Mein Empfang ist herzlich und ungezwungen. Ich fühle mich ‚entschleunigt‘ und wohl. Mit einer Tasche, gefüllt mit Werbegeschenken und den ersten Informationen, mache ich mich mit dem heutigen Programm bekannt. Testbikes, Workshops, Massage, SUP, Backen mit Jentschura, Pasta Party und natürlich Biken. Es gibt ganz schön viel zu erleben in den nächsten Tagen. Zudem sind viele Partner da, bei meinem ersten Rundgang entdecke ich: Ghost, Schott, Protective, Cannondale, Trek, DT Swiss, Craft, Liv, Stadler (Zweiradcenter aus Deutschland), Continental und Jentschura.

Keine Hektik, gute Guides

Bei der Begrüssung wird uns erklärt, dass man Kurse/Workshops selber auswählen kann. Die blauen, roten und schwarzen Gruppen werden gebildet und wir machen uns startklar für die kleine Nachmittagsrunde zu den Rosszähnen. Alles ist entspannt, keine Hektik, kein ‘Gepose’ und auch kein Gezicke. Was für eine Wohltat.

Gut gelaunt, aber doch etwas angespannt, radeln wir bei Sonnenschein los. Fragen wie, ist die schwarze Gruppe nicht doch zu sportlich oder was erwartet uns heute generell, kreisen durch in meinem Hinterkopf. Bald ist mir jedoch klar, dem ist nicht so. Steffi, unser Guide, radelt in einem guten Tempo los und schaut, dass die Gruppe zusammen bleibt. Nach dem knackigen Aufstieg werden wir mit einem grandiosen Ausblick über die Gegend belohnt. Die Abfahrt ist abwechslungsreich und besteht aus Trails, Fahrstrassen, Treppen und viel Fun! Die Mädels sind fit, technisch gut drauf und haben vor allem einen höllischen Spass am Biken! Steffi gibt uns immer wieder Tipps und warnt uns vor bevorstehenden möglichen Schwierigkeiten auf dem Trail. Sie nimmt sich sehr viel Zeit, zeigt Geduld und beweist Können! Professionell, ich bin begeistert!

Eigene Müsliriegel backen

Der vorgesehene Pasta Plausch wird wegen Sturmansage auf den Freitagabend verschoben. Aus diesem Grund wird dann auch nichts mit dem vorgesehenen SUP. Der Reifenwechsel-Workshop bei Continental macht mich gerade nicht an, darum begebe ich mich zu den Jentschura Mädels. Sieht verlockend aus und auf meine Frage, was gebacken wird, ist für mich klar: da mache ich mit. Meinen eigenen Müsliriegel sowie Muffins, das klinkt interessant. Immer mehr Teilnehmerinnen stossen dazu und schlussendlich lauschen gegen die zwanzig Bikerinnen den Erklärungen der Backprofis. Fachmännisch und mit viel Gelächter werden die Teige gemischt, die Riegel zwischen die Oblaten gedrückt und die Muffins in die Formen gefüllt. Das Backen übernehmen die Jentschura Mädels und der Ofen.

Bei einer echten italienischen Pizza zusammen mit meiner Gruppe, reflektieren wir den vergangen Tag und staunen über den draussen wütenden Sturm. Zurück im Hotel versinke ich zufrieden in einen tiefen angenehmen Schlaf! Was für ein herrlicher Tag!

Biketour mit Cappucino und guter Stimmung

Während der morgendlichen Besammlung öffnet der Himmel kurz seine Schleusen. Bis wir jedoch abfahren, zeigt sich schon wieder die Sonne. Beladen mit den selbst gebackenen Müsliriegeln und Leihknieschonern machen wir uns auf den Weg zum Montiggler See. Der versprochene Cappuccino am See erleichtert den Aufstieg vehement und in Nuh sitzen wir am See hinter einer Tasse herrlich duftendem Cappuccino. Erstaunlich, was so ein Getränk und das gemütliche Zusammensitzen zum lockeren Stimmung beitragen kann. Als hätten wir das gebraucht. Unsere Gruppe war schon seit gestern ‚ein Herz und eine Seele‘. Die Stimmung ist genial und wir haben so viel Fun.

Nun lockt das Versprechen auf einen grandiosen Trail. Diesen erreichen wir nach kurzem Weiterradeln. Am Trail-Anfang erhalten wir Infos zum Fahren und der Trail-Beschaffenheit. Also, Schoner an und ab geht’s. Der flowige Trail wird mehr und mehr steinig. Am Ende holpern wir über loses Gestein rüber. Die richtige Geschwindigkeit und die korrekte Linie sind nun gefragt und tragen zu einem guten Gelingen bei. Beim zweiten Abschnitt, welcher sich wieder flowiger präsentiert, zeigt uns Steffi wie man eine gute Kurve fährt. Fleissig rollen wir ein paar Mal durch und unser Guide gibt uns Tipps sowie zeigt uns die Fehler auf. Etwas weiter gibt es einen kleinen Drop, welchen wir nach Theorie und Probeabheben des Bikes alle rollend oder runterfliegend meistern. Die Begeisterung und Motivation von uns Teilnehmerinnen ist um ein vielfaches gestiegen. Der Trail geht flowig, aber auch mehr oder weniger anspruchsvoll weiter, bis wir unten auf der Strasse raus kommen. War’s dass schon? Der Trail war nicht kurz, aber zu kurz für unsere Freude und Motivation!

Weinprobe in Kaltern

Auf dem Heimweg gibt es in Kaltern noch eine Weinverkostung im uralten Weinkeller der Kellerei  Erste + Neue. Schöne Wandgemälde runden das Bouquet des Weines und die Erklärungen des Profis ab. Irgendwie sind mir der Wein und der Lärm im Keller aber zu viel. Coole Mädels, geniale Trail und traumhaftes Wetter genügen mir vorerst und darum flüchte ich nach draussen und warte dort mit ein paaranderen auf den Rest der Campladys.

Wein und Kaltern gehören zusammen. Der Ort lockt auch etliche Weinliebhaber an und Geschichte ist in Kaltern oft auch Weingeschichte, Kultur ist oft auch Weinkultur. Das Südtiroler Weinmuseum ist hier, es gibt das Weinhaus und die Südtiroler Weinakademie sowie unzählige Kellereien, Vinotheken und Buschenschanken. Der Wein ist überall. Mehr Informationen findet man bei Kaltern Tourismus.

Yoga am See für Bikerinnen

Nach dem Wein geht es zurück an den See zum Yoga. Ich mache es mir auf einer der ausgelegten Matten bequem und warte gespannt. Helene ist eine liebreizende Yogalehrerin. Ihre ausgeglichene positive Art steckt an! Sie hat ihre Stunde extra für uns Bikerinnen angepasst. Ihre Idee ist, dass wir die beanspruchten Muskeln dehnen und wir neue Energie fürs morgige Biken erhalten. Wir machen lustige Verrenkungen, anstrengende Bewegungen, lösende Dehnungen und entspannende Atemübungen. Beim herabschauenden Hund wird das Gesäss in die Luft gestreckt und der Kopf verweilt zwischen den am Boden aufgestellten Armen. Sieht von der Seite wohl aus wie ein verkehrtes V. Wir geben wohl ein lustiges Bild ab, denn die Einheimischen, welche an dem Seebar ihr Feierabendbier geniessen, schauen dem Geschehen fasziniert zu.

Obligatorische Pasta Party

Später findet dann der bereits für gestern vorgesehene und durchaus ersehnte gemeinsame Pasta Plausch im Camp Gelände statt. Mit ausgelassener Stimmung, gutem Essen und warmem Temperaturen lässt sich der Tag wunderbar ausklingen. Auch heute träumt es sich herrlich.

Traumtag und Traum-Trails

Es wird einen Traumtag geben, die Sonne wärmt bereits beim Treffpunkt. Die Gruppe ist etwas grösser. Steffi hat uns ihre Tour, welche ich als ‚Trail-Fun‘ betitle, wunderbar verkauft. Sie hat so gut geworben, dass wir unterdessen von 12 auf 15 Teilnehmerinnen gewachsen sind.

Der kurze Aufstieg zur Mendelbahn hat es in sich, dafür ist der Uphill mit der Bahn etwas gemütlicher. Aber nur wenn man das Gedrängel beim Verladen an der Talstation ausser Acht lässt. Wir radeln bald auf den Monte Penegal los. Der Weg hinauf hat eine mehr oder weniger regelmässige mittlere Steigung. Nach etwa 40 bis 60 Minuten ist die Gruppe oben. Bei grandioser Aussicht auf die Region, warmen Temperaturen und Sonnenschein, geniessen wir ein eher üppiges Mittagsessen. Wir haben es uns verdient! Das ist einfach so bei uns Mädels! Wir wollen auch mal einen Apfelstrudel mit Vanillesauce und dazu gehört der Cappuccino. (Auch wenn er in Italien eigentlich zum Frühstück getrunken wird.)

Auf einem geeigneten Platz zeigt uns Steffi Basics für das Umsetzen. Wir fahren also alle schön brav im Kreis und machen fleissig den gezeigten Hüftschwung in Kombination mit dem Hinterrad heben. Wie immer, eine Seite geht einfacher und bei der Andern harzt es einfach. Gekonnt korrigiert uns unser Guide und es fährt sich immer leichter.

Entlang des Kamms führt der Trail zurück zum Pass. Dieser ist normalerweise nicht offen für Biker. Wir dürfen im Rahmen des Campes diesen ausnahmsweise befahren. Und der Trail ist der Hammer! Genau mein Ding. Es hat etwas für jede Frau dabei: Steine, Wurzeln, Absätze, enge Kurven usw. Leider hat die Warnung von Steffi bei uns ganz gewirkt und wir haben unterwegs drei Platten. Ich war die Erste. Da ich nicht die Einzige bin, ist der Tadel dann doch nicht so schlimm. Nach einer gefühlten Ewigkeit, nicht weil der Trail so langweilig ist, sondern weil es mit so vielen Teilnehmerinnen einfach nicht vorwärts geht, erreichen wir wieder den Pass. Da es keine legale Downhill-Variante vom Pass runter nach Kaltern gibt, fahren wir ein Stück auf der Passtrasse runter. Ich muss zugeben, dass macht auch Spass, v.a. wenn man mit keinem Gegenverkehr rechnen muss und voll in die Kurven liegen kann! Wir sind leider zu spät und können das geübte Umsetzen im Gelände nicht mehr probieren.

Abschluss mit SUP und Barbecue

Am Kalterer See gibt es noch den Stand Up Paddel Contest. Das sieht lustig aus und ich schmeisse mich kurz entschlossen auch noch in die Badeklamotten und helfe einem Team aus. Leider sind wir etwas ungeschickt und zudem rammen uns die Jungs vom ‚Material‘, darum wird nichts mit Gewinnen. Aber Spass hatten wir allemal und den verdienten Drink haben wir uns nicht entgehen lassen!

Am Abschlussabend wird gross aufgetischt! Barbecue mit vielen Salaten, backed Potatos, Polenta und verschiedenem Fleisch. Dazu ein feines Glas Rotwein aus der Gegend. Was für ein schöner gelungener Abend. Wir geniessen unseren letzten Abend und beschliessen, uns bald wieder zu sehen.

Gemäss Erläuterungen von Karen gibt es für die Bedürfnisse unserer Gruppe (mehr Technik, mehr Fahren und weniger Industrie) bessere Camps. Karen Eller ist Bikeprofi und für das SCOTT Contessa Women Team die Teammanagerin. Sie hat das Jentschura Bike Women Camp vor 4 Jahren als Projektleiterin ins Leben gerufen. Ihre Intention war Industrie, Teamfahrer, und Bikerinnen an einem chilligen Ort zusammenzubringen. Zudem bietet sie mit ihrer eigenen Agentur Dierasenmaeher.de Camps und Workshops an.

Freiheit, Südtirol und noch mehr Trails

Am letzten Tag begrüsst und die Sonne wieder freundlich und wir wollen gar nicht ans nach Hause fahren denken. Wir sind nun den vierten Tag hier im Südtirol und sind in eine gemütliche, sportliche sowie leidenschaftliche Atmosphäre eingetaucht und wir möchten im Moment dieses Gefühl von Freiheit und Losgelassenheit nicht schon wieder loslassen müssen.

So radeln wir zum letzten Mal durch die Reben und Apfelplantagen, über Waldwege und -trails zum Restaurant Waldschenke Altenburg. Wir treffen dort die Fotografin Maria Knoll. Sie hat geniale und wunderschöne Fotos während des Camp gemacht. Die Fotoscheuen geniessen einfach den Kaffee und die andern setzen sich für die Fotos in Szene.


Bilder: Maria Knoll

Dann fahren wir noch den einten und andern Trail hinab zurück zum Camp Gelände. Der Abschied naht und wir sind etwas wehmütig! Tja alles hat eine Ende, aber warum muss es immer so schnell kommen!

Nach der offiziellen Verabschiedung durch Karen und ihr Team fuhren die Teilnehmerinnen beschenkt mit einer Flasche Wein nach Hause. Dazu gab es zwei Taschen voller Werbegeschenke (Schlauch, Shirts, Kettenöl, usw.) und unvergessliche Eindrücke. Ein riesengrosses DANKESCHÖN an Karen, Linda, meine ‚Black-Ladys‘, den Herstellern, den Guides, vor allem unserer genialen Steffi!

Mein Fazit zum bike camp

Wie ganz zu Beginn erwähnt: wenn man nicht mit den falschen Vorstellungen (und da war ich nicht ganz allein damit) am Camp teilnimmt und die Idee von Karen ‚zusammen mit der Industrie, Teamfahrer und Bikerinnen an einem chilligen Ort zusammenzukommen und das Biken geniessen‘ vor Augen hält, dann stimmt es. Wir Schweizer können das etwas chaotische und nicht immer ganz pünktliche Starten der verschieden Aktionen mit einem Augenzwinkern abtun. Da kommt mir der Werbeslogan ‚come down and take it easy‘ oder auch das Wort ‚entschleunigen‘ in den Sinn und dann ist alles gut!

Ein wenig Frust gab es, da unsere Gruppe nicht auch den Workshop “Mentaltraining” besuchen konnten. Der uns angebotene Ersatz ohne Metaltrainerin machte es nicht wett. Weitere Wünsche an die Organisatoren wären:

  • Programm am ersten Tag besser kommunizieren
  • mehr Fahrtechnik
  • Unterkünfte anbieten (z.B. gemeinsames Hotel, v.a. für solche, die ohne Begleitung kommen)
  • bei kurzfristigen Planänderungen Informationsfluss und Kommunikation mit den Gruppen verbessern
  • Gruppen nicht mehr als 12 Teilnehmerinnen, ideal bis 10
  • Mentaltraining für alle, d.h. gruppenspezifisches Thema anbieten
  • das chillige, fröhliche, ausgelassene und sportliche Ambiente weiterhin beibehalten

Pluspunkte: 

  • viele und interessante Partner, zudem gute Beratung bei den Ständen
  • super coole Testbikes
  • Verleih von Knieschonern und die Möglichkeit, diese zu einem günstigen Preis zu kaufen
  • grosses Angebot: Biketouren, SUP, Yoga, Testbikes, Mentaltraining, Massage
  • perfektes Wetter – vielen Dank an Petrus
  • der Campground ist der Hammer, ihr habt einen wunderschönen Platz gefunden!