Bericht Region Pitztal Wildspitze Bergtour

Pitztal 16

Region Pitztal mit Wildspitze Bergtour

Das Pitztal liegt im Süden Nordtirols, umrahmt von den wunderschönen Österreichischen Alpen und Gebirgszügen. Den Namen Pitztal hatte ich schon mehrere Male gehört. Jedoch war ich noch nie dort gewesen. Somit freute ich mich noch mehr, diese Region zu entdecken. Also machte ich mich Anfang August auf den Weg. 

Schon anfangs Pitztal blickte ich vermehrt auf Wegweiser mit einer Wasserfall-Aufschrift. Bei der nächsten Gelegenheit hielt ich an und machte mich zum Söllberg-Wasserfall (Ausgangsort: Wiese bei St.Leonhard). Ein angenehmer Pfad brachte mich in etwa 15 Minuten zu einer eindrücklichen Holzkonstruktion mit toller Sicht auf den Wasserfall. Es gibt mehrere Wasserfälle und Badeseen im Pitztal, welche einen Besuch lohnen.

Die Fahrt ging weiter bis Mandarfen, das fast zuhinterst in diesem eher engen, kantigen Tal liegt. Das Hotel Wildspitze war meine Bleibe für die erste und dritte Nacht. Die Erkundigung im Internet zu Hause bestätigt den ersten Eindruck vor Ort: Der familienbetriebene (Familie Strobl-Melmer) Charakter zeigt sich schon an Rezeption. Es hängen Bilder der Familie am Eingang und Frau Strobl-Melmer begrüsste mich höchstpersönlich. Sie bot sogleich eine kleine Führung durch das Verwöhnhotel an und zeigte bemüht und geduldig die wichtigsten Räume des Gebäudes. Ein ausgezeichnetes Abendessen rundete den Anreisetag perfekt ab.

Pitztal Wildspitze Bergtour – auf das Dach Tirols

Mit einem ausgiebigen Morgenbuffet startete der zweite Tag sehr gut. In der Nacht hatte es heftig geregnet, jedoch war das Wetter am Morgen nicht schlecht und wir machten uns optimistisch und zuversichtlich auf den Weg zur Gletscherexpress-Bahn. Mit meiner Gruppe waren drei einheimische Bergführer der Bergführervereinigung Pitztal unterwegs. Sie rüsteten jeden von uns mit Steigeisen und Klettergurt aus und passten alles an.

Mit dem Gletscherexpress geht es auf 2840 Meter. Ab jetzt war die eigene Kraft gefragt. Über den Mittelbergferner (der zweitgrösste Gletscher Österreichs) ging es ohne Steigeisen hoch zum Mittelbergjoch. Ab hier hatte ich eine beeindruckende Sicht auf den Taschachferner und das Dach Tirols: die Wildspitze mit 3774 m.ü.M.

Ein kurzer Abstieg führte uns zum Einstieg auf den Taschachferner. Ab hier wurden Seilschaften gebildet. Unser Bergführer Raphael erzählte uns einiges über den Wandel des Gletschers – letztes Jahr seien sie noch etwa zwei Meter höher gestartet. Raphael entschied sich für eine acht Personen-Seilschaft. Als erste Seilschaft gingen wir motiviert und engagiert der Wildspitze entgegen. Der Taschachferner weist viele Spalten auf. Es braucht eine überlegte und professionelle Routenwahl. Ohne Seil sollte niemand hier durchgehen. Dies wurde uns spätestens bewusst, als die fünfte Person plötzlich einbrach und einige Meter tief in einer Spalte hing. Sie konnte gehalten und reibungslos wieder hochgezogen werden. Aber es rüttelte uns wach. Die Seilschaft wirkte danach noch harmonischer und fokussierter.

Das Wetter machte mit und wir hatten bis knapp vor dem Gipfel eine angenehme, ruhige und beeindruckende Gletscherwanderung. Die letzten knapp 100 Höhenmeter führen steil auf einem Weg durch Geröll bis hoch zum Gipfelkreuz. Trotz Wolken war der Ausblick super hinunter ins Ötztal. Weiter waren dann Ortler oder auch im Schweizerischen die Bernina-Gruppe zu sehen. Raphael gab viel Wissen weiter, erklärte und beantwortete alle Fragen.

Der Abstieg führte auf gleichem Weg über den Taschachferner bis runter zum Taschachhaus auf 2434 Meter – es war eine lange Wanderung über diesen grossen Gletscher. Müde, aber sehr zufrieden kam unsere Seilschaft im Taschahaus an. In einem 6er-Zimmer waren wir zu dritt untergebracht. Hüttenfeeling gab es nur im Trocknungsraum – es roch nach Fussschweiss, alle nassen Kleider hingen herum und es standen Hüttenfinken bereit. Ansonsten ist die DAV-Hütte eher luxuriös (Internetecke, Duschen etc.) eingerichtet, das Essen schmackhaft und das Personal freundlich und hilfsbereit.

Das Spa – die perfekte Belohnung

Wir entschieden uns, früh aufzustehen und den Höhenweg zum Rifflesee zu nehmen, bevor es runter und zurück ins Verwöhnhotel Wildspitze nach Mandarfen gehen sollte – ein Tipp von Raphael. Am Morgen starten wir bei Nebel und etwas Nieselregen. Der Höhenweg führt zum höchst gelegenen Bergsee Tirols. Oben erwartete uns eine einmalige Stimmung mit viel Ruhe. Nach etwa 4.5 Stunden kamen wir wieder im Hotel an. Es regnet. Also duschte ich erst einmal und besuchte anschliessend die 1300 m² grosse SPA-Landschaft. Der Ausgleich für den langen, gestrigen Gipfeltag tat meinem Körper und meiner Seele einfach nur gut. Vier Stunden pure Erholung mit Saunagängen, Lesen, Schlafen und Abschalten. Das Hotel Wildspitze ist wirklich ein super Hotel, welches ich absolut empfehlen kann.

Europas höchste Flossfahrt auf dem Rifflesee

Am Folgetag machten wir uns noch einmal auf zum Rifflesee 2232 m. Nicht zum Schwimmen, sondern für eine Flossfahrt, welche nach der Bergtour auf die Wildspitze geradezu einlädt und zugleich die höchste Flossfahrt in Europa ist. Ernst Eiter von den Pitztaler Gletscherbahnen begleitete uns, erklärte und begeisterte uns für dieses einzigartige Erlebnis. Das Floss bietet Platz für rund 60 Personen, welche hier oben die Seele baumeln lassen können, denn die Flossfahrt entschleunigt ungemein. Das Floss wird mit einem Elektromotor angetrieben. Die ökologischen Faktoren betont Ernst stolz. Er wies auch darauf hin, dass der Gastronomiebetrieb der Sunna Alm (Bergstation beim Rifflesee) in Passivhaus-Bauweise errichtet wurde, was in den Alpen einzeigartig sei.

Wandern, Bergsteigen, Klettern, Bouldern, Biken

Mein Fazit nach einigen sehr spannenden Tagen im Pitztal – es hat sehr viel zu bieten, vor allem wenn man Outdooraktivitäten mag. Das Wandernetz ist enorm vielfältig und 380 Kilometer lang. Von Gletschertouren bis auf 3774 Meter und Touren im Talboden zu Wasserfällen oder Badeseen ist alles vorhanden. Dazu hat es bewirtschaftete Almen (35 Einkehrmöglichkeiten), die Gletscherbahnen, welche einen bis auf 3440 Meter zum höchsten Bergcafé in ganz Österreich bringen, bewartete Berghütten, über 178 Routen zum Sportklettern, ein Bouldergebiet in Mandlers Boden, 95 Kilometer gut beschriebene Bikerouten bis auf eine Höhe von 2050 Metern und noch vieles mehr. Was mich ebenfalls erstaunte, war die Dichte des Trailrunnig-Netzes, die Beschilderung und die Nutzung von aktiven Läuferinnen und Läufern.
Für eine passende Unterkunft sorgen etwa 16 Hotels im 4-Sternen-Bereich. Dazu gibt es Pensionen, Ferienwohnungen und einen ganzjährig geöffneten Campingplatz.

Mein Pitztal-Fazit

Das Pitztal sagte mir sehr zu! Ich mag es karg, kantig, steil und doch weitläufig. Die Bergtour zur Wildspitze ist sicher ein Highlight des Tals. Die Gletschertour ist zwar nicht anspruchsvoll, aber die Dimensionen der Gletscher und das Panorama sind echt beeindruckend!

ÜBER DEN AUTOR

Severin Hirzel

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