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Hörbuchrezension Die rote Wand
5.4 / 10 Bewertung
PRO
  • solide produziertes und gut eingesprochenes Hörbuch
CONTRA
  • die Textvorlage «Die rote Wand» von David Pfeifer ist als historischer Roman in seiner belletristischen Ausgestaltung nicht durchgängig gelungen
Testurteil
Das Hörbuch Die rote Wand basiert auf dem gleichnamigen Roman David Pfeifers, der von der Dolomitenfront im Ersten Weltkrieg handelt. Das Hörbuch ist von Philipp Schepmann ansprechend gelesen, die Romanvorlage Pfeifers wird aber angesichts ihrer zuweilen schematisch bleibenden Erzähllogik dem komplexen Gegenstand der Erzählung nur bedingt gerecht, weshalb auch das Hörbuch nur eingeschränkt empfehlenswert ist.
Struktur/Aufbau5.5
Preis-Leistung5.5
sprachlicher Stil5.5
Qualität5.5
Umwelt/Nachhaltigkeit5

Fakten

Die rote Wand, Hörbuch, Autor: David Pfeifer, Sprecher:  Philipp Schepmann, Verlag: Random House Audio, ISBN: 978-3-8371-3189-5

Angaben vom Verlag:

Zum 100. Jahrestag des Gebirgskriegs in den Dolomiten

Wie eine Steinwand, die Gott als natürliche Grenze zwischen Nord- und Südeuropa in die Erde gerammt hat, ragen die Berge hinter Sexten in den Himmel. Hier verläuft 1915 die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Italien. Eine Front, die im Ersten Weltkrieg Schauplatz eines erbitterten Stellungskriegs wird. Gekämpft wird auf Felsvorsprüngen, Gipfeln, auf Skiern, mit Stichmessern, Karabinern und Handgranaten. Mann gegen Mann versuchen kleine Einheiten die Höhe zu sichern. In all diesen Scharmützeln hält sich in der roten Wand ein Mädchen auf, das seinem Vater in den Gebirgskrieg gefolgt ist. David Pfeifer erzählt ihre Geschichte und die Geschichte des Dolomitenkriegs in einem eindrucksvollen Roman.

Philipp Schepmann liest mit viel Gefühl für die historischen Zusammenhänge und ohne Pathos – bewegend und spannend von der ersten bis zur letzten Minute.

  • Erscheinungstermin: 10. August 2015
  • gelesen von Philipp Schepmann
  • ungekürzte Lesung
  • Originalverlag: Heyne
  • 6 Hörbuch CDs
  • Laufzeit: ca. 475 Minuten/7:55 Stunden

Hörbuchrezension Die rote Wand von David Pfeifer

Hörbücher verlangen immer eine doppelte Bewertung: zum einen der Qualität des «zu Gehör Bringens», zum anderen der des zu Gehör Gebrachten. Erstgenannter Aspekt ist im Fall der solide produzierten Hörversion des Romans «Die rote Wand» von David Pfeifer, relativ knapp zu halten: Philipp Schepmann, dessen Stimme manchen Eltern u.a. aus der Vertonung der «Chronik der Narnia» bekannt sein dürfte, liest routiniert und wie vom Verlag angekündigt ohne übertriebenes Pathos, er vermag verschiedene Figuren individuell stimmlich zu akzentuieren und man kann dem – was ja bei Hörbüchern nicht immer der Fall ist – auch auf längere Dauer gut zuhören. Allerdings, und damit zum zweitgenannten Aspekt – kann auch ein noch so guter Sprecher nicht alle Schwächen der Lesevorlage kompensieren.

Pfeifers «Die rote Wand» ist als historischer Roman angelegt und handelt von den Geschehnisse an der sogenannten «Dolomitenfront» im ersten Weltkrieg. Er reiht sich damit ein in die vielgestaltigen Auseinandersetzungen zum Thema Erster Weltkrieg allgemein und Dolomitenkrieg im Speziellen, die zum hundertsten Jahrestages des Kriegsbeginns erschienen sind – angefangen von Reportagen über die dem ehemaligen Frontverlauf folgende Klettersteigroute «Via della pace» über Ausstellungen, zahlreiche Dokumentationen und Spielfilme (wie nicht unumstritten «Der stille Berg» von Ernst Grossner) und eben Büchern wie «Die rote Wand». In Roman wird die Geschichte Mädchens erzählt, dass sich als Junge verkleidet auf die Suche nach dem Vater an die Dolomitenfront begibt – und als Kindersoldat die Realität des Kriegs in den Südtiroler Alpen erlebt, einem fraglos in besonderer Weise für Sinnlosigkeit des modernen Kriegs stehenden Kapitels der nicht ohne Grund so genannten «Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts». Kind sucht Vater, findet Freund und ambivalente Autoritätsfigur, sieht das Grauen im Detail wie im Grossen, schlägt sich mit und gegen andere durch, erlebt Solidarität und Gewalt, Hoffnung wie Verzweiflung – eine nicht eben unvertraute und dramaturgisch etwas schematisch gebaute Konstellation mit den bekannten und bekanntermassen wirkungsvollen Zutaten belletristischer Literatur.

«Ein Roman, der sich mit der Wuchte eines Steigeisens ins Herz schlägt» schreibt die Brigitte dazu, es sei dem Leser dieser Rezension überlassen, das als Empfehlung oder Warnung zu interpretieren. Sicherlich ist das Format des historischen Romans (wie auch des historischen Films) kein einfaches Genre. Komplexe und ambivalente historische Ereignisse sollen durch ein fiktionales und zugängliches Narrativ aufgeschlossen werden, wobei stets die Balance zu halten ist zwischen einer angemessenen Berücksichtigung der historischen Fakten einerseits und – und vor allem (!) den Anforderungen an gute, für sich selbst stehende Literatur andererseits.

Pfeifers Roman schafft diesen Balanceakt nicht durchgehend überzeugend, zu oft entsteht der Eindruck, dass hier eine moralisch klar orientierte Geschichtsvermittlung im Medium des Romans betrieben und dabei die literarische Version des Kindchenschemas allzu deutlich zur Hilfe gerufen wird. Und das ist nicht nur mit Blick auf die Komplexität des Themas Erster Weltkrieg problematisch, sondern auch mit Blick auf die Kraft der Geschichte, der angesichts der zugemuteten Vermittlungsaufgabe die Möglichkeit, eine Geschichte zu sein, immer wieder die Luft genommen wird.

Preis

Das Hörbuch Die rote Wand von David Pfeifer kostet 19.99 € (D), 22.50 € (AT), 28.50 CHF (CH).

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Links

Verlag Random House Audio

Auskunft beim Verlag


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