Dynafit 30 Jahre Bergsportgeschichte

Die Veranstaltung im Forum Ried in Landquart wird präsentiert und durchgeführt von Peter Caprez vom Caprez Sport in Küblis. Es sind zahlreiche Leute erschienen, vermehrt aus dem Bergsportbereich, auffallend auch im Alter rund um 50 Jahre. In der Eingangshalle stehen Schaufensterpuppen mit der neusten Wintersportmode der Marke Dynafit.

Der Erfinder der Dynafit-Bindung

Als erster Redner präsentiert sich der aus dem Tirol stammende Fritz Barthel. Er ist der Erfinder der heutigen Dynafit-Tech-Bindung (Low-Tech). Er erzählt auf komödiantische Art, wie die letzten 30 Jahre seines beruflichen Lebens vergingen. Während seinem Studium als Maschinenbauer und gleichzeitiger Heimfahrt von den französischen Alpen entschloss er sich etwas an der damaligen Bindungskonstruktion ändern zu wollen. Es entstanden Prototypen, welche auf einer Grundidee basierten, es musste leichter und einfacher sein als die bisherigen Skitourenbindungen. Der Schuh und die Bindung müssen sich vereinen können. Durch Unterstützung seines Vaters und Rückmeldungen seines näheren Umfeldes gelang es ihm sich stetig zu verbessern, jedoch auch jetzige “schmunzelnde” Produkte entstanden. Durch die Erwerbung des Patentes erhoffte er bei den grossen Firmen zu landen, ohne Erfolg. Die Motivation des Vaters inspirierte ihn zur Weiterverfolgung und Verbesserung des Produktes. Somit übernahm er die Verantwortung und setzte alles auf eine Karte. Mit harzigem Anfang und gewisser Hartnäckigkeit kam der zunehmende Erfolg. In den späten 80er Jahren, durch den Kontakt zu Salewa Austria, welche sein Produkt wirklich ernst genommen hatte, kam der entscheidende Durchbruch in der Skitourenszene. Heute ist diese Bindung nicht mehr wegzudenken. Fritz Barthel zeigte in seinem Vortrag Fotos aus seinem Archiv, brachte Prototypen von Bindungen/Schuhe der damaligen Zeit mit und erklärte in der Pause geduldig seine Überlegungen den Interessierten.

Der Extrembergsteiger mit Dynafit-Bindung

Als zweiter Redner präsentiert sich der aus München kommende Benedikt Böhm. Der Geschäftsführer von Dynafit International und Extrembergsteiger, erzählt von seinen zwei Expeditionen im Himalaya-Gebirge. Er spricht von seiner Expedition zum Manaslu (8.163m) im Jahre 2012. Die ganzen Vorbereitungen, wo und wie er seine Kindheit verbracht hat und was ihn antreibt solche Expeditionen zu planen und vollstrecken. Die Leidenschaft in seiner Erzählung reisst mich ziemlich mit, die detaillierten Überlegungen scheinen alle vollkommen zu sein. Die Manaslu-Besteigung am 23. September 2012 wird jedoch überschattet von einer riesigen Lawine, welche 11 Menschen in den Tod reisst. Wie durch ein Wunder haben sie sich entschieden ihr Lager etwas abseits auf einer Gletscherzunge aufzubauen und sind verschont geblieben, sofort eilen sie zur Hilfe und bergen mehrere Menschen aus den Schneemassen. Durch eine Neuorientierung bestiegen sie zu dritt den Manaslu, jedoch nur Benedikt Böhm kam ganz oben an. Unterhalb des Gipfels konnte er Frieden mit sich schliessen und vollzog ein Ritual, um an die Lawinenopfer zu gedenken. Alle drei sind danach zufrieden und wohlauf am Basecamp wieder angekommen.

Genau zwei Jahre später, September 2014, ist der Versuch zwei Achttausender (Sisha Pangma 8013 m und Cho Oyu 8188 m) in sieben Tagen (siehe Expedition Double8) zu bewältigen das hoch gesetzte Ziel. Zusammen mit seinem Jugendfreund Basti Haag und anderen Bergsteiger sind sie aus unterschiedlichen Camps Richtung Sisha Pangma unterwegs. Morgens um 8 Uhr oben anzukommen ist das Tagesziel. Alles scheint zeitlich und körperlich im Plan zu sein. Etwa 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels reisst jedoch plötzlich eine Lawine los und reisst drei Bergsteiger mit. Benedikt und der ebenfalls anwesende Ueli Steck schlagen Alarm und kehren sofort um. Sie versuchen stundenlang zum Lawinenkegel zu gelangen. Erfolglos. Ein Verschütteter konnte sich später wie durch ein Wunder selber befreien und sich in ein Camp schleppen. Benedikt Böhm verlor in dieser Lawine sein Jugendfreund und treusten Bergsteigerkollegen Basti Haag (siehe Expedition Double8 endet in Katastrophe).

Die emotionale und traurige Erzählung von Benedikt Böhm wurde mit Filmausschnitten und Fotos begleitet, was diese ganze Expedition sehr nah und realistisch untermauerte.