Bergfilmfestivals sind mittlerweile wahrliche keine Seltenheit mehr. Oft beschränkt sich das faktische Geschehen allerdings im Rahmen dieser Events darauf, ein Standardprogramm an Bergfilmen zu zeigen, die gerade international angesagt oder aber ohnehin als prêt-à-porter-Programm auf Tour sind. Unter den letztgenannten sind dann auch solche, bei denen der Sponsorenvorpann der Dauer des Hauptfilms durchaus nahe kommen kann. Zuweilen wird das Programm zwar immerhin unter ein thematisches Motto gestelllt und durch publikumswirksame Vorträge einschlägiger Outdoor-Celebrities oder aber themenspezifischer Experten ergänzt – die Verwurzelung des Anlasses in der lokalen Community und deren bergsportlichen Aktivitäten sowie ein Bezug zu die jeweilige Region betreffenden Themen wie naturverträglicher Bergsport, nachhaltiger Tourismus usw. bleibt dabei allerdings eher eine Seltenheit.

Impressionen der Berginale 2016: Der Charme des kleinen Formats

Das heuer vom 17. – 23. März bereits zum 18. Mal veranstaltete Multivisionsfestival „Berginale 2016“ (http://www.berginale.de) im oberbayrischen Berchtesgaden (D) unterscheidet sich von diesem Festivalmodell in angenehmer Weise. Denn hier wird ein multimediales Forum für die Auseinandersetzung mit Bergthemen in unterschiedlicher Art und Weise geboten. Neben internationalen Filmen und professionellen Diavorträgen werden gerade auch Beiträge mit lokalen Bezug einbezogen: sei es inhaltlich mit Blick auf aktuelle, vor Ort diskutierte bergsportrelevante Themen oder sei es personell, dass Bilder und Berichte aus der Welt durch Menschen präsentiert werden, die vor Ort leben – in gemeinschaftlicher Stimmung und ohne Scheu, auch wenn es mal nicht in einhundertprozenig professioneller Form daher kommt. So entsteht eine gute Mischung aus Information, Unterhaltung und Diskurs mit nachhaltigem Lokalkolorit und einem atmosphärisch wohltuenden Charme des kleinen Formats, welches sich nicht mit dem Pseudo-Flair einer Festival-Glamour-Dekoration schmücken muss.

Zum Auftakt der 2016er Auflage der Veranstaltung wurde anlässlich der Verleihung des Labels „Bergsteigerdorf“ an die Ramsau bei Berchtesgaden das Konzept „Bergsteigerdorf“ der Alpinen Vereine wie auch der grössere Kontext der Alpeninitiative vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass natur- wie kulturverträglicher Bergtourismus auch in einer Nationalparkregion wie Berchtesgaden keineswegs selbstverständlich ist und Spannungen auszuhalten sind zwischen der Entwicklung eines vorbildlich entschleunigten Fremdenverkehrs mit Gütesiegel und z.B. dem wenige Kilometer entfernt in den Startlöchern befindlichen, massiven Ausbauvorhaben für des regionalen Skigebiet Jenner bzw. zwischen dem Wunsch nach mehr Gästen und dem Anliegen, den Bergtourismus schonend und nachhaltig zu gestalten.

In den folgenden Tagen schloss sich ein vielfältiges Film- und Diashowprogramm an, das u.a. Einblicke in ein Familienleben auf der Alm, eine Alpenüberquerung per pedes, eine 18.000 Kilometer Fahrradtour durch 22 Länder sowie diverse Kletter- und Wanderprojekte auf verschiedenen Kontinenten (um nur einige Beispiele zu nennen) bot – inklusive der Möglichkeit, sich diesbezüglich auch auszutauschen.

Den Veranstalter_innen Martina und Hans Klegraefe und ihren Partnern und Unterstützern bleibt zu wünschen, dass die Berchtesgadener Berginale auch in Zeiten wachsender Konkurrenz und zunehmenden Spektakeleinsatz auf den bergsportmedialen Aufmerksamkeitsmärkten ihren programmatischen Ansatz des kleinen Festival mit Lokalkolorit weiterführen können – und gerade deshalb 2017 der Frage nach dem „Wohin“ und „Wie“ des Bergsports vielleicht noch etwas mehr Raum gegeben werden kann.