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Snowboarden und Wingsuit-Fliegen ist Géraldines Beruf – rund 250 Tage im Jahr ist sie dafür in den Bergen unterwegs. Entsprechend professionell geht sie mit den Risiken um: Die Schweizerin ist bekannt für ihre äusserst akribische Planung, die oft tage- oder wochenlang dauert. Bisher ist es ihr immer gelungen, die Gefahren richtig einzuschätzen und das Restrisiko zu minimieren – bis zum April 2014, als sie von einer grossen Lawine überrascht wurde.

Verbier im April 2014. Perfekte Freeride-Bedingungen waren in der vergangenen Wintersaison die Ausnahme, doch Anfang April 2014 zeigte sich Verbier im Schweizer Kanton Wallis von seiner besten Seite. «Es war ein fantastischer Powder-Tag mit blauem Himmel und guten Verhältnissen», erinnert sich Géraldine, «ein perfekter Tag für Filmaufnahmen.»

Géraldine Fasnacht lebt seit vielen Jahren im Freeride-Mekka Verbier, dementsprechend kennt sie das Gelände wie ihre Westentasche. Gleich dreimal ist die 34-Jährige dort als Siegerin des Verbier Xtreme im Rahmen der Freeride World Tour hervorgegangen. «Wir filmten in der Nähe der Gondel, unser Ziel war es, genug Footage für die Saison zu haben», erzählt sie. An jenem Morgen ist sie bereits zwei Lines an ihrem Hausberg gefahren, der Plan sieht nun vor, noch eine dritte Abfahrt zu machen.

«Als ich vor dieser Fahrt oben stand, dachte ich, die Verhältnisse wären noch gut genug», berichtet Géraldine, «das war ein Fehler. Ich realisierte nicht, dass sich die Schneedecke innerhalb kürzester Zeit aufgrund des Temperaturanstiegs verändert hatte. Die Vorbereitungen für den Run dauerten lange und ungefähr in der Mitte des Hangs bemerkte ich den Unterschied.» Doch in diesem Moment war es bereits zu spät. Im letzten Steilstück, das in der Sonne lag, geschah es: Ein Schneebrett löste sich, die Lawine entfaltete ihre volle Wucht.

Geraldine Fasnacht Lawinenunfall – prägende Erfahrung für den Profi

Anfangs dachte Géraldine, das Schneebrett sei nur ein kleiner Rutsch – ein Irrtum: «Ich befand mich in der Mitte eines grossen Lawinenabbruchs, Rausfahren war unmöglich. Das erste Mal in 15 Jahren als Profi zog ich meinen ABS-Lawinenairbag. Ich erreichte den Auslösegriff schnell und leicht, innerhalb von Sekunden füllten sich die beiden Airbags mit Luft. Es war, als hätte ich Flügel: Mein ABS-TwinBag zog mich nach oben und hielt mich an der Oberfläche», schildert die Snowboarderin. «Ich wurde noch gute 300 Meter von der Lawine mitgerissen, hatte aber eine stabile Position, bewegte mich nicht mehr unkontrolliert.»

Trainingsauslösungen hatte sie davor schon oft gemacht, um die Bewegung zu trainieren. «Auch wenn man Probeauslösungen macht, habe ich nie geglaubt, jemals im Ernstfall einen Airbag ziehen müssen», betont sie. Als die Lawine stoppte, befand sie sich ausserhalb des Kegels. Géraldine hatte jede Menge Schnee im Mund, blieb aber unverletzt. Sie befreite sich zügig aus den Schneemassen, um sich so schnell wie möglich an eine sichere Stelle zu begeben.

Der Unfall war eine schockierende und prägende Erfahrung: «Dieses Erlebnis hat mich nochmals bestärkt, niemals ohne Airbag rauszugehen. Die Rucksäcke sind mittlerweile so leicht und bequem, dass es wirklich keinen Grund gibt, darauf zu verzichten. Ich war auf jeden Fall sehr froh, dass ich in diesem kritischen Augenblick meinen ABS-Lawinenrucksack dabeihatte,» sagt Géraldine. «Das heisst aber nicht, dass ich ein grösseres Risiko eingehe.»

Die genaue Beobachtung der Verhältnisse und eine sehr sorgfältige Vorbereitung sind für die Profi-Snowboarderin selbstverständlich das Wichtigste: «Ich versuche, so professionell wie nur möglich vorzugehen und mich genau darauf zu konzentrieren, was ich tue. Die Verhältnisse am Berg wechseln ständig und sehr schnell – und obwohl ich das weiss, habe ich es dieses Mal unterschätzt.»

Quelle Geraldine Fasnacht Lawinenunfall: ABS, Fotos: ABS Avalanche Airbag


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