Alltag – Albtraum – Abenteuer Buchrezension

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Alltag – Albtraum – Abenteuer Buchrezension
5.9 / 10 Bewertung
PRO
  • thematisch breit gefächerte, teilweise sehr anspruchsvolle Texte zum Titelthema
  • sorgfältig editiert
CONTRA
Testurteil
Der Band "Alltag - Albtraum - Abenteuer. Gebirgsüberschreitung und Gipfelsturm in der Geschichte" versammelt Überwiegend wissenschaftliche Texte, die das Titelthema aus unterschiedlichsten disziplinären Perspektiven ausleuchten. Das sorgfältig gemachte Buch stellt eine inspirierende Quelle für Einblicke in den aktuellen Diskurs der (kultur-)historischen Forschung zum Verhältnis von Menschen und Bergen dar, ist aber keine leichtbekömmliche Alpinliteratur.
Struktur/Aufbau6.5
Preis-Leistung5.5
sprachlicher Stil6
Qualität6.5
Umwelt/Nachhaltigkeit5

Fakten

Alltag – Albtraum – Abenteuer. Gebirgsüberschreitung und Gipfelsturm in der Geschichte, herausgegeben von Michael Kasper, Martin Korenjak, Robert Rollinger und Andreas Rudigier, Wien/Köln/Weimar: Böhlau Verlag 2015, ISBN: 978-3-205-79651-0

Angaben vom Verlag:

Seit es Menschen gibt, gehen sie ins und übers Gebirge. Für viele ist das einfach Alltag und Arbeit, andere werden wider Willen und zu ihrem Entsetzen in eisige Höhen verschlagen, und wieder andere suchen diese aus eigenem Antrieb als Ort heroischer Bewährung auf. Das Thema „Mensch und Berg“ wird meist aus der klar umgrenzten Perspektive einzelner Disziplinen betrachtet. Der vorliegende Band wählt dagegen bewusst einen universalhistorischen Zugang. Die in ihm versammelten Beiträge repräsentieren zahlreiche Fächer von der Geschichte über die Literaturwissenschaft bis zur Kulturanthropologie, schlagen einen Bogen von der Steinzeit bis zur Gegenwart und stellen das Regionale neben die Berge der Welt. Zwischen ihnen entwickelt sich ein Dialog, in dem die unterschiedlichsten Sichtweisen, Epochen und Räume zur Sprache kommen.

  • 373 Seiten
  • 50 s/w-Abbildungen
  • Format: 23.5 x 15.5 cm
  • Gebunden

Buchrezension Alltag – Albtraum – Abenteuer

Im Buch „Alltag – Albtraum – Abenteuer. Gebirgsüberschreitung und Gipfelsturm in der Geschichte“ wird der das „Erste Montafoner Gipfeltreffen“ von 2013 dokumentiert. Das Anliegen dieser heuer bereits zum dritten Mal durchgeführten und hochkarätig besetzten Kolloquienserie ist hoch gesteckt: „Der Blick richtet sich nicht nur auf das Lokale, wie auch das Interesse nicht einseitig auf eine Alpingeschichte des Alpenraumes konzentriert ist. Vielmehr sollen Berg und Gebirge in ihren globalen Dimensionen beleuchtet werden, wie auch die Vormoderne mit ihren an Quellen reichen historischen Epochen in den bunten Themenreigen eingebunden sein soll.“

Das gilt auch für Alltag – Albtraum – Abenteuer, das von den Herausgebern Michael Kasper, Martin Korenjak, Robert Rollinger und Andreas Rudigier mit „universalhistorischen Zugang“ auf eine breitangelegte Auseinandersetzung mit dem Titelthema zielt. Breitangelegt und universalhistorisch ambitioniert ist der Band allemal – und dass dabei das Montanfon besondere Aufmerksamkeit erhält ändert daran nichts. Aber diese Breite ist gleichermaßen interessant wie problematisch. Interessant, weil sie nicht nur durch die Epochen hindurch eine chronologische Annäherung an das Thema bietet (von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart) – sondern zugleich geografisch über die Grenzen des Alpenraums hinausblickt und thematisch ein breites Spektrum von disziplinären Zugängen abdeckt.

Diese Breite führt allerdings auch dazu, dass dem Band etwas der Fokus abgeht – und die vielen Beiträge (22 an der Zahl) zuweilen eher nebeneinander stehen als systematisch aufeinander bezogen sind. Ein Beispiel: der Weg von Barbara Czernys „Der Kaukasus in Asien. Besonderheiten der Darstellung in der Alexanderhistoriographie bei Curtis und Adrian“ zu Wolfang Koffers und Anna Novokhatkos Text „Lateinisch sprechende Gämsen in den Allgäuer Alpen. Die Algoica rupicaprarum venatio von Franz Bernhard Freiherr von Hornstein“ bis hin zum Forschungsbericht „Mit dem Carbonstock in die Steinzeit. Alpenpassage und Geschichtskultur“ von Sarah Willen und Bernhard Tschofen ist kein ganz direkter, auch wenn der Topos „Überquerung“ sicherlich stets irgendwie identifizierbar ist.

Das Phänomen solchartig bunt geratener Arrangements ist bei Tagungsbänden keine Überraschung, sollte aber vor dem eventuellen Bucherwerb bedacht sein. Denn ggf. ist es bei Interesse an einem spezifischen Thema dann doch besser, den entsprechenden Text in der Universitätsbibliothek zu konsultieren – und es ist in jedem Fall zu hoffen, dass der Band in vielen dieser Bibliotheken seinen Platz findet. Womit auch schon etwas zur Textsorte gesagt ist: hier finden sich überwiegend wissenschaftliche Artikel, die zu lesen für den entsprechend musikalischen Leser lehrreich und zuweilen auch vergnüglich ist, die sich jedoch nicht als Unterhaltungslektüre eignen. Somit ist dieses sorgfältig gemachte Buch Alltag – Albtraum – Abenteuer eine inspirierende Quelle für Einblicke in den aktuellen Diskurs der (kultur-)historischen Forschung zum Verhältnis von Menschen und Bergen, aber eher keine leichtbekömmliche Alpinliteratur.

Preis

Das Buch Alltag – Albtraum – Abenteuer. Gebirgsüberschreitung und Gipfelsturm in der Geschichte kostet 44,90 €.

Links

Verlag Böhlau Verlag

ÜBER DEN AUTOR

Jens Badura

Jens ist habilitierter Philosoph, Kulturmanager und International Mountain Leader (UIMLA). Er leitet das berg_kulturbüro in Berchtesgaden, führt für die Bergsteigerschule Watzmann und ist Mitglied im Kernteam der Bergwanderakademie „ready to go“ der Bergschule „Alpine Welten“. Er lebt mit seiner Familie und einer Herde Alpiner Steinschafe am Walserlehen in Marktschellenberg.

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