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Jeder kennt es: Das Echo, das zurückkommt, wenn man in einen Berg hineinruft. Doch wo gibt es das schönste Echo? Fabio Soldati, der Erfinder der weltweit erfolgreichen App PeakFinder, entwickelte jüngst eine neue Echo App, um dieser Frage auf den Grund zu gehen. Die Inspiration hierfür liefert Musiker Christian Zehnder, der seine Faszination mit Fabio liefert.

Dieses Mal sind auf der Landkarte die Standorte der schönsten Echos eingezeichnet, inklusive Tonaufnahme und Bild. Wie es zur Idee “EchoTopos” kam und was die Besonderheiten dieser neuen Erfindung sind, erzählt uns Fabio Soldati in einem persönlichen Interview.

Fabio, wie bist du auf die Idee gekommen, Echotopos zu entwickeln?

Eigentlich war es nicht ich, der die Idee hatte. Christian Zehnder interessiert sich sehr für Echos, da sie auch in der Musik ein spannendes Stilmittel sind. Er probiert gerne aus, was passiert, wenn man in eine Wand hineinjodelt. Weil er „PeakFinder“ kannte, hat er mir geschrieben um mich zu fragen, ob ich daran interessiert wäre, die App zu entwickeln. Bis dahin kannten wir uns nicht persönlich, ich hatte aber einige seiner Konzerte besucht, weshalb ich bereits als Künstler von ihm gehört hatte.

Du hast also hauptsächlich die Entwicklung der App übernommen?

Genau. Er erzählte mir von seiner Idee, weil er jemanden brauchte, der so etwas entwickeln kann. Mir hat die Idee sehr gefallen, weswegen ich zusagte.

In der App steht, dass meteorologische Einflüsse das Echo verändern, vielleicht sogar verstummen lassen. Ein Beispiel: „…liegt gar Schnee, verstummen die Berge oft ganz.“ Gibt es da Ausnahmen oder bedeutet genug liegen gebliebener Schnee, dass man kein Echo mehr zu hören bekommt?

Naja, das kann man so nicht sagen. Befindet man sich beispielsweise vor einer Felswand, die steil ist, liegt in der Regel nicht viel Schnee. Man hat also auch im Winter ein Echo, es verändert sich aber.
Wir haben in den Bergen Aufnahmen mit einem speziellen Mikrofon gemacht, das aussieht wie ein Kopf mit zwei Ohren, an denen Mikros befestigt sind. Damit kann man die besten Aufnahmen machen und wir haben dabei erneut gemerkt, dass das Echo je nach Wetter, zum Beispiel bei Nebel, ganz anders klingt. Windet es, wird das Echo komplett verblasen, was mit den Mikrofonen am deutlichsten zu hören ist.
Für mich war ebenfalls sehr spannend, mit Christian in die Berge zu gehen und seine Begeisterung für die Töne miterleben zu können, da ich selbst nie gross mit dem Echo gespielt habe.

Hast du den Reiz der Echos dadurch auch ein wenig entdeckt?

Genau, das war sehr spannend.

Hast du selbst schon erlebt, dass kein Echo zurückgekommen ist, weil die Wetterbedingungen nicht gestimmt haben?

Nein, das ist mir noch nie passiert. Ich versuche allerdings auch nicht oft, ein Echo zu erzeugen, da ich nicht unbedingt der Jodler bin.
Man merkt jedoch den Unterschied, wenn man bei unterschiedlichen Wetterlagen in die Berge ruft. Um die verschiedenen Echos an einer bestimmten Lage hören zu können, müsste man mehrfach zum selben Ort gehen.

Wann ist die beste Uhrzeit, ein Echo zu hören? Ich habe gelesen, dass es am Morgen gut funktionieren soll, wenn die Thermik noch ruht.

Es gibt nicht DIE Uhrzeit, ein gutes Echo zu hören. Es ist natürlich auch die Frage, was man als gut und als schlecht definiert. Ein Echo ist nicht qualitativ besser, wenn es sieben Mal hin- und her hallt. Was wir zeigen möchten, ist, dass sich das Echo verändert und darauf aufmerksam machen, dass es morgens ganz anders klingt als nachmittags.
Uns geht es also nicht darum, das „perfekte“ Echo zu entdecken, welches so gesehen gar nicht existiert. Uns geht es darum, dass die Leute darauf achten, dass sich alles verändert.

Es gibt einen „EchoCheck“ in der App, in dem beschrieben wird, wie man am besten ein Echo herausholt. Hast du die Schritte schon ausprobiert?

Ja, ich habe es tatsächlich schon einmal versucht, aber ehrlich gesagt nicht ausgiebig. Der „EchoCheck“ ist eher ein Hinweis, worauf man achten kann.

Ihr beschreibt dort Gefahren betreffend des Standortes, an dem ein Echo hervorgerufen werden kann, die es evtl. haben könnte. Was für Gefahren meint ihr da genau?

Es geht insbesondere darum, dass man in den Bergen allgemein ein wenig schauen sollte, wo man steht. Das Ziel ist schliesslich nicht, dass jemand den Berg hinunterstürzt, weil ein paar Schritte zu weit nach hinten gemacht wurden, um ein besseres Echo zu hören.

Wie viele Personen sind zurzeit aktiv in der Community?

Bis jetzt sind ca. 100 Echos online, ungefähr 50 sind von uns, die restlichen 50 wurden von der Community eingetragen. Verifiziert sind bisher nur wenige, da es auch eine Kostenfrage ist, mit dem ganzen Equipment zu den Standorten zu gelangen. Gerade ist Winter, also nicht Wandersaison, weshalb nicht so viel läuft. Unser Ziel war es, die App im Herbst fertig zu stellen, wenn noch einige Wanderer unterwegs sind. Im Frühling wird auf jeden Fall wieder mehr laufen und bis dahin konzentrieren wir uns darauf, etwas Werbung zu machen und die Leute für die App zu begeistern.

Ihr habt bis jetzt hauptsächlich die Schweiz in den Fokus gestellt. Existiert der Wunsch, „EchoTopos“ auszuweiten, sodass es sich wie bei „PeakFinder“ zu einem weltweiten Projekt entwickelt?

Theoretisch gesehen funktioniert „Echotopos“ weltweit, die Karte beschränkt sich nicht auf die Schweiz. Letztendlich ist doch die Frage, ob die Leute von unserer App erfahren. Es ist für uns ein grosser Aufwand, dass beispielsweise ein Amerikaner davon hört. In ganz Europa Echojäger zu finden, die ein solches Projekt unterstützen, ist nicht ganz einfach. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, uns auf die Schweiz zu konzentrieren, wo wir leben, uns auskennen und Verbindungen zu den Leuten, den Bergen und somit zu den Echos haben.
Momentan ist „Echotopos“ vor allem ein Kunstprojekt, an dem wir nicht wirklich etwas verdienen. Wir versuchen aber, einige der Kosten, die wir generiert hatten, durch Sponsoring wieder einzuholen.
Also nein, es gibt keine konkreten Pläne. Wir haben aber ein tolles Echo in Deutschland. In deutschen Medien hatten wir sehr viele Berichte, beinahe mehr als in der Schweiz. Das Interesse, unser Projekt eventuell in Bayern zu lancieren, wo es auch viele Berge hat, ist auf jeden Fall vorhanden.
Zunächst steht allerdings der Schritt an, die Texte ins Französische und Italienische zu übersetzen.

Wie lang hat es effektiv gedauert, diese App zu entwickeln?

Die App und die Website haben ca. 2 bis 3 Monate gedauert.

Was war das schwierigste, was du technisch umzusetzen hattest?

Technisch gesehen ist es nicht so komplex. Es ist viel schwieriger, sich zu entscheiden, was man hineinnehmen möchte. Wir hatten anfangs etwa 100 Ideen, was man alles machen könnte und mussten das nach und nach hinunterbrechen auf etwas, das machbar und für die Nutzer verständlich ist.
Es hat schlussendlich am meisten Zeit in Anspruch genommen, zu entscheiden, was wir umsetzen wollen.

Welche Idee hättest du gerne noch umgesetzt, die in der jetzigen Fassung der App nicht vorhanden ist?

Wenn man momentan ein Echo entdeckt, kann man es zwar auf der App bekannt machen und markieren, eine akustische Aufnahme ist aber noch nicht möglich. Vom Community-Gedanken wäre es natürlich toll, wenn man seinen Schrei aufnehmen und in die App integrieren könnte. Das ist im Moment auch der häufigste Kritikpunkt. Das Problem hierbei ist, dass die Tonqualität der Smartphones nicht ausreicht, um ein klares Echo zu hören, da die Dynamik vom Mikrofon fehlt. Der Schrei überschlägt sich, während man das Echo nur noch sehr leise oder eben gar nicht mehr hört. Unsere Gehöre sind hingegen dazu in der Lage, die verschiedenen Lautstärken zu unterscheiden. Wir haben die Tonaufnahmen mit den Smartphones ausprobiert, aber entschieden, dass es nicht ausreicht.
Das wäre etwas gewesen, was ich gerne integriert hätte, zudem wäre es auch für uns viel günstiger. Ein Foto hinzuzufügen, ist ebenfalls nicht möglich. Das könnte man zwar programmieren, die Visualisierung ist in diesem Projekt allerdings zweitrangig.

Seid ihr zu zweit, wenn ihr diese Tonaufnahmen macht? Wie ist das Team zusammengestellt, welches an die jeweiligen Orte geht?

Ich bin nur einmal mitgegangen, weil es mich interessiert hat, wie das funktioniert. Meistens geht der Tonmeister sowie jemand der jodelt zu den Echostellen. Das ist teilweise Christian Zehnder selbst, manchmal und jemand anderes. Man muss aber auf jeden Fall zu zweit sein wegen des Equipments. Natürlich können sich der Gruppe mehr Personen anschliessen.

Bist du der Meinung, dass dein Interesse an Echos durch diese App merklich gewachsen ist und du häufiger ausprobierst, ein Echo zu erzeugen?

Ja, ich denke schon. Ich war einige Male in den Bergen, und während ich das früher nie gemacht habe, versuche ich es heute gern zwischendurch.
Für mich war es besonders toll, mit Christian Zehnder in die Berge zu gehen und seine Faszination bezüglich der Töne miterleben zu können. Ich finde es sehr spannend, diese Sichtweise, oder besser gesagt, diese Hörweise zu kultivieren und wieder mehr auf Geräusche zu achten. Das muss ja nicht zwingend ein Echo in den Bergen sein, das kann auch ein Echo in der Stadt sein, oder sonst irgendein Klang. Ich jedenfalls lausche seit der Entwicklung von „Echotopos“ definitiv mehr auf Geräusche.

Würdest du nochmals bei einem solchen Projekt mitmachen?

Etwas in dieser Art, auf jeden Fall!

Das ist schön zu hören, dann freuen wir uns auf weitere spannende Entwicklungen deinerseits! Vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast.

Quelle: EchoTopos


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