ENLAIN Skibaukurs im Test
7.8 / 10 Bewertung
PRO
  • Einmaliges Erlebnis – die Fotos sprechen für sich
  • echtes Handwerk, selbstgemacht
  • nachhaltig und ökologisch
CONTRA

Für mich gibt es keine negativen Punkte zum Baukurs! Was jedoch für manche Menschen etwas anstrengend sein könnte (muss aber nicht negativ sein)

  • langes Stehen
  • Staub, Lärm, schmutzige Hände (es gibt Schutzmasken, Ohrenschutz und Handschuhe)
  • es so gut wie möglich machen wollen, d.h. man stresst sich selber
Testurteil
ENLAIN – die Liebe zu den Holz-Brettern! Was sind schon zwei Tage in einer Werkstatt bei einem strahlend blauen Winterhimmel, wenn man stattdessen danach mit seinen eigenen Brettern unter den Füssen königlich über den Schnee kurven kann? Enlain bietet Brettsportlern ein unvergessliches, handwerkliches, entschleunigtes, suchtgefährdendes Bauprojekt für eigene Skis, Snowboards, Skateboards, Surfboards und SUPs an!
Funktion7.5
Qualität/Verarbeitung7.5
Gewicht/Packmass6
Umwelt/Nachhaltigkeit9
Preis-Leistung9

ENLAIN Skibaukurs – die Liebe zu den Holz-Brettern

Was haben zwei Berner und ein Engländer gemeinsam? Die Liebe zu den Brettern! Wenn sich Leidenschaft, Träume, Ideen, Passion und viel Ausdauer um ein Ziel zu erreichen, trifft, entsteht eine spannende Firma!

Firmengeschichte

Nachdem Urs und Ben sich vor über 5 Jahren einander vorgestellt wurden, ist genau das passiert: Zwei, die die gleiche Leidenschaft verbindet (BRETTER ) haben sich zusammengetan und eine Firma gegründet.

Egal ob für den Schnee, den Asphalt oder das Wasser, Hauptsache es gleitet oder rollt und ist selbst gemacht. Man glaubt es nicht, aber beide haben schon länger selber Ski, Surfboards oder Skateboards hergestellt. Das im gleichen Ort und wussten nichts voneinander. Zum Glück haben Andere dafür gesorgt, dass sie zueinander gefunden haben und die wunderbare Firma ENLAIN gründen konnten. Jetzt haben andere Berglöwen und Berggeissen (auch Seewlöwen und Seepferdchen) die Möglichkeit unter der fachmännischen Hilfe des ENLAIN-Teams den Traum vom eigenen Brett/ eigenen Brettern am Ski- und Snowboard-Baukurs zu verwirklichen.

Dank einem Bekannten wurde ich auf ENLAIN aufmerksam und der Gedanke an ein selbst gemachtes Wintersportgerät mit Holzdesign lies mich nicht mehr los.

Hobbyhandwerker am ENLAIN Skibaukurs

An einem wunderbar sonnigen Wochenende im Februar sind ich und 5 andere BergliebhaberInnen in der Werkstatt in Laax eingetrudelt. Nach einer kurzen aber ausreichenden Einführung wurden die zuvor ausgewählten Ski- und Snowboardbeläge an die Teilnehmer ausgehändigt. Ein kurzer Blick auf das schwarze Belags-Dings lies meinen Optimismus kurz schwanken und ich stellte mir die Frage, wie daraus ‘bitteschön’ mein Wunschski Ariel entstehen soll?

Urs, Ben und Pirmin liessen uns zum Hinterfragen nicht gross Zeit. Die Kanten mussten befestigt werden. Mithilfe der Drei und völlig tiefenentspannt (na ja, fast immer) haben wir die vorbereiteten Kanten an die Beläge geheftet, gebogen und angeleimt. Dabei habe ich mich zum ersten Mal gefragt: wieso mache ich eigentlich einen Ski, welcher vier Kanten hat und nicht ein Snowboard mit nur zwei Kanten?

Schicht für Schicht

Am ersten Tag des Kursweekends ging es um die exakte Grobarbeit: Das Zusammensetzten der verschiedenen Schichten. Der Belag, der Kern, die Flachsbänder und das ausgewählte Furnier (äusserte Schicht vom Brett, also das was das Auge erfreut) werden geordnet und dann zusammen geleimt. Auch hier wird ‘so ökologisch wie möglich’ grossgeschrieben, denn ENALIN will Materialien, die ökologisch und nachhaltig sind. Aus diesem Grund werden keine Glasfasern sondern Flachsbänder verwendet.

Immer wieder wurde uns bewusst, dass unsere Bretter mit viel Geduld, Zeit und Liebe entstehen und ein gekauftes Industrieprodukt definitiv viel weniger Zeitaufwand benötigt. Teamwork ist im Skibaukurs gefragt, v.a. wenn es ums Zusammensetzen der Schichten geht.

Diese Arbeit war zwar nicht hektisch, trotzdem wurde zügiger gearbeitet. ‘Das Packet’ musste rasch und sauber zusammengesetzt werden, damit es rechtzeitig ins Vakuumpacket gepackt werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt musste auch die Vorspannung bestimmt werden. Dafür stand uns das Team von ENLAIN ihrem Fachwissen tatkräftig zur Verfügung. Das Trocknen und die Formgebung (Rocker, Camber, usw.) erledigt sich über Nacht wie von selbst.

Weihnachten und Päckli auspacken

Am zweiten Tag war das Eintreffen mit einer gewissen Vorfreude und auch Spannung verbunden. Wir konnten Pakete im Skibaukurs auspacken! Fast wie Weihnachten, nur noch schöner! Denn, wir zogen ein kompaktes Holz-Faserschichten-Brett aus dem Sack. Aber was nun?

Was nun folgte, war kräftezehrendes Schaben, damit wir die Oberschicht vom überflüssigen Leim befreien konnten. Danach wurde es laut; mit der Stichsäge schnitten wir entlang der Kanten unsere Bretter aus. Nach dem Schleifen wurden die seitlichen Ränder gebrochen und abgeschliffen, damit der Ski (natürlich auch das Snowboard) an Eleganz gewinnt.

Wer möchte seinen Brettern eine persönliche sichtbare Note geben, ein Branding? Mein eigenes Logo auf meinen selbst gemachten Ski, klaro! Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, dem Laser zuzuschauen, wie dieser das Firmenlogo Quietschfidel und ENLAIN ins Holz brennt. Und das Resultat ist wunderschön.

Die Verwandlung

Nun bekommen unsere Bretter nach der fachmännischen Anleitung vom Ölspezialisten für Parkettböden (unser Wintersportgerät ist sehr stark der Feuchtigkeit ausgesetzt) die letzte Ölung. Es handelt sich um eine wohlriechende Spezialölmischung. Innerhalb eines Wisches verwandelt sich das Furnier zu einem unglaublichen, brillierenden und wunderschönen Anblick. Die Augen der Teilnehmer glänzen und man spürt die Spannung und Vorfreude bei der Vorführung.

Strahlende Gesichter, glückliches Lachen und entspanntes Plappern erfüllen die Ski- und Snowboardbaukurs-Werkstatt . Berglöwen und -Geissen konnten etwas Wunderbares mit ihren eigenen Händen erschaffen, dies hätten wird jedoch ohne Hilfe von Pirmin, Ben und Urs nicht hingekriegt. Wir wären schon beim Anleimen der Kanten an den Belag gescheitert. Trotzdem, wir sind unendlich Stolz auf unser Endprodukt! Es fehlt nur noch das Montieren der Bindung und den Skiservice durch den Fachmann!

ENLAIN sprudelt von Ideen. Es reicht Urs und Ben nicht, die eigenen Bretter herzustellen. Sie möchten gerne ein Erlebnis anbieten. Möchten? Nein sie tun es bereits, aber auch das reicht ihnen noch nicht. Die Reise geht weiter.

Aktuelle ENLAIN Angebote

  • Ski- und Snowboard-Baukurs (diverse Skies und Snowboards)
  • Skateboard-Baukurs
  • Surf- und Standuppaddle-Board-Baukurs

Zukunft

Eine nicht allzu weit entfernte Zukunftsvision der Beiden ist: Surfcamps in Portugal – das eigene Brett in Portugal testfahren – Surfinstruktion erhalten – kulinarisch verwöhnt werden – unvergessliche Ferien.

Auch betreffend Materialien ist ENLAIN offen und es wird fleissig getüftelt. Ein Produkt aus einem der Experimente befällt mir besonders: der Heu-Ski.

Events werden immer mit dem Moto: tun & denken angeboten – nach dem Tun ergeben sich die sinnvollen Fragen – das Tun fördert das Denkvermögen!

Kurse für Schulklassen: Warum Geometrie und Rechnen nicht im abstrakten Sinne, sondern im Raumverhältnis mit einem Skateboard, welches man danach selber fahren kann, verbinden? Plötzlich macht Geometrie Spass und die Schüler sind ganz Ohr!

Auf meine Frage «Was ist mit Langlaufski?» habe ich eine ehrliche und für mich verständliche Antwort erhalten. Und zwar: wir haben es versucht, aber die Sache mit der Vorspannung ist nicht ganz einfach. Das Projekt ist aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Bin ich mal gespannt, was da noch kommt.

Ökologie und Nachhaltigkeit

Nur das Beste ist gut genug. Leider ist für Kleinbetriebe wie ENLAIN oft die Menge das Problem. Z.B. das Kantenmaterial wird vom Hersteller nicht in Meter, sondern in Kilometer berechnet!?

  • Flachs statt Glasfasern
  • der schwarze Belag wird statt des farbigen verwendet. Diese ist im Vergleich zum Farbigen qualitativ besser (robuster)
  • Furnier: die Sorten kommen hauptsächlich aus Europa. Ausser einem Stapel von Akazienholz, welches Urs in einer aufzulösenden Schreinerei gefunden hat (warum verbrennen, wenn das Schlechte schon geschehen ist? Dann doch lieber noch etwas Schönes wie ein Ski oder Snowboard daraus machen).
  • Das Öl zum behandeln des Furniers enthält kein Leinöl

Testfahrt

Es war nicht ganz einfach zu Beginn und wir Zwei taten uns etwas schwer. Aber spätestens am Lift, als bewundernde Blicke über meinen Ski wanderten, ging das Fahren deutlich besser. Ein neues Gerät, mit einem anderem ‘Shape’, braucht immer etwas Geduld. Übung macht den Meister und nach einem sonnenreichen Tag, betrachtete ich meinen bereits mit Gebrauchsspuren versehrten Ski mit einem zufriedenen Lächeln.

Fazit

Wer denkt, der richtige Bergler kommt, wohnt und ist am Berg. Weit gefehlt … oder besser gesagt, es ist nicht immer der Fall. Die neue Generation entsteht hier beim Bau seines eigenen Sportgeräts! Liebe Bergmenschen, ich fühle mich ‘very special’ mit meinen eigenen Quietschfidel-Telemark-Skies!

In diesem Sinne: ich danke euch Urs, Ben und Primin für das unglaublich und unvergessliche Baukurs-Wochenende bei ENLAIN, Telihooooo, Christine.

Preis

Der zweitägige Skibaukurs bei ENLAIN kostet 1280 CHF.

Link

ENLAIN.COM CUSTOM SKI-, SNOWBOARD-, SURFBOARD-, UND SKATEBOARD & BAUKURSE / WORKSHOPS / FIRMENEVENTS

Spezialangebot

Bist du auch Feuer & Flamme und möchtest gerne an einem der Baukurse teilnehmen? Dann melde dich noch heute an und profitiere von 10 % Vergünstigung. Bei der Anmeldung vermerke folgenden

About The Author Christine Kühni

Christine Kühni testet Ausrüstung für ich-liebe-berge.ch – die sportbegeisterte Berggängerin ist nicht nur privat in den Bergen unterwegs, sondern leitet auch professionell Wander-, Schneeschuh- und Biketouren. Ihre Gäste leiden selten unter Muskelkater, da sie als Medizinische Masseurin den müden und verkrampften Muskeln Linderung verschaffen kann!

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