Offener Brief an Ueli Steck

The Sherpa rest and pray by the expedition's chorten established at Mount Everest's Base Camp.
May 5th 1998.
Mount Everest, Khumbu region, Nepal. 
Tommy Heinrich (c)

Lieber Ueli Steck

Was wäre die Welt ohne Deine Weisheiten? Für mich eindeutig eine bessere. Hättest Du Dir Deine Kommentare im Blick doch lieber einmal (mehr) verkniffen.

Warst Du es nicht, der im Vorjahr auch an eben diesem Mount Everest war? Vermutlich hast Du nach dem „Schock“ dieses Jahr keine Expedition dort geplant. So bist Du vom Streik nicht betroffen. So kannst Du die Reaktion der Sherpa gut verstehen. Verstehe. Sonst sähe die Welt wohl für Dich anders aus – stell Dir vor Deine Expedition wäre betroffen, eine Frechheit wäre das, oder?

Aber warst Du es nicht auch, der „nie wieder“ an diesen Berg zurück kehren wollte? Und dann doch zurück kehrt, weil es gibt halt nun mal keinen höheren, der sich so gut vermarkten lässt. Und zur Vermarktung möchtest Du ja Deinen Beitrag leisten. Verstehe.

Aber warst Du es nicht, der sich um die Wünsche und Weisungen der Sherpa damals nicht gekümmert hat und trotzdem aufgestiegen ist? War es nicht Dein Seilpartner Simone Moro, der den Sherpa ein gesegnetes „Motherfucker“ zugerufen hat, als diese gerade in der Lohtse-Flanke Seile verlegten? Warst Du es nicht, der dann, nachdem die Sherpa abzogen, die Arbeit der Sherpa fortgeführt hat? Irgendwie respektlos, oder? So jedenfalls war es nach Aussagen der Sherpa.

Und jetzt plötzlich willst Du genau diese respektieren und verstehen? Jene, deren Reputation genau durch Deine Aussagen gelitten hat? Jene, deren Leben, Kultur, Wünsche Dich anscheinend nie interessiert haben? Sondern nur dieser hohe Berg, der leider ausgerechnet dort stehen muss.

Andere reden weniger als Du, handeln dafür. So haben sich nach dem Unglück beispielsweise zehn Fotografen zusammengeschlossen und verkaufen ihre Bilder zugunsten der Sherpa zusammen mit der Alex Lowe Charitable Foundation.  Die Website sherpasfund.org ist ein Erfolg. Oder die private Schweizer Initiative Run for Hope, die «laufend» pro Kilometer für die Familie eine verstorbenen, befreundeten Sherpas sammeln. Gut, dass es solche Initiativen gibt.

Du aber Ueli hast irgendwie meinen Respekt verloren.

Mit freundlichem Gruss, Urs Winkler

(Titelbild: Chorten with Prayer Flags von Tommy Heinrich; konnte über sherpasfund.org für 100 $ erworben werden.)

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Urs Winkler

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