Portfolio «Silence» von Caroline Fink

Agenda. Autos. Bahnhof. Ampel. Pendlerzug. Abgabetermin. Postschalter. Sonntagsverkauf. Shop-Ville. Sitzung. Diskussion. Meinungsverschiedenheit. Missverständnis. Planung. Aufräumen. Putzen. Altpapier. Göttibub. Weihnachtsessen. Geburtstagsfest. Chefin. Auftraggeber. Webbanking. Rasenmäher. Waschmaschine. – Stopp.

Das Gegenteil davon? Die Berge. Wo der Wind über Firn streicht, Bäche plätschern, Gletscher tropfen, Geröll kullert, Eis knackt, Felsen seit Jahrtausenden stehen und Schneeflocken lautlos fallen.

Sie sind das Antidot gegen den Alltag. Das Senkblei für unseren Geist. Sie sind Raum und Zeit. Und vor allem: Stille. Und wie die alten Zen-Meister sagen: Wasser wird nur dann klar, wenn es lange genug ruht und der Sand sich senken kann. Was auch die Karthäusermönche seit Jahrhunderten wissen: Blicke der Mensch in einen aufgewühlten See, sagen sie, erkenne er nichts; verweile der Mensch aber, bis das Wasser still sei, erkenne er darin die Welt und sich selbst.

Zugegeben, nicht immer sind die Berge Ruhe. Mal sind all die anderen da. Mal zählen nur Höhenmeter, Gipfel, Kraft und Ziel. Dann, wenn es nicht um den Weg, sondern um Leistung geht. Wenn wir vor Gipfelglück schier bersten und vor Enttäuschung zittern, im Bruchharsch verzweifeln und im Powderrausch schreien.

Doch dann gibt es diese Momente. Diese Momente, wenn wir allein auf einer Hochebene verweilen. Auf einem Stein sitzen. Im Abendlicht vor dem Biwak stehen. Durch den Nebel wandern. Über Gletscher ziehen. In Welten aus Schnee und Eis hineingleiten. Wenn es so still um uns wird, dass nur noch wir und diese Welt sind. Gerade so, als wären wir die letzten Menschen auf Erden. Als gäbe es nichts mehr ausser diesem Moment und der Stille. Eine Stille, die auch dann noch sein wird, wenn wir zurück in den Alltag wandern.

«Silence» entstand in diesen Momenten. Als Versuch, die flüchtige und doch immerwährende Ruhe der Natur zu fassen und in unsere Alltagswelt zu bringen. Um in dieser als kleines Senkblei für den Geist des Betrachters zu wirken.

Die Bilder in diesem Portfolio entstanden in der Schweiz, in Italien, im Iran, in Norwegen und auf Spitzbergen. An letzteren beiden Orten gehört auch das Meer zu den Bergen, weshalb zwei Bilder zum Meer mit in der Auswahl sind.

Zur Fotografin: Caroline Fink ist seit zehn Jahren als Fotografin, Autorin und Filmemacherin in den Bergen unterwegs. In ihren Arbeiten zeigt sie am liebsten die andere Seite, die leisen Hunde und alles, was in Niedrigglanz scheint. Sie lebt in Zürich. Bildverkäufe, Abzüge, und weitere Infos auf ihrer Webseite www.caroline-fink.ch.