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Daune oder PrimaLoft – wer bietet dir den besten Kälteschutz?

Wenn es um den perfekten Schutz vor Kälte geht, kommt man in Outdoor-Kreisen gerne mal ins Diskutieren. Daune oder PrimaLoft, welche der beiden Isolationsmaterialien bieten dir denn nun den besten Kälteschutz?

Geht es um die reine Wärmeleistung, dann belegt die Daune nahezu unangefochten die vorderen Ränge. Doch PrimaLoft, die wärmende und vor allem nässeunempfindliche Kunstfaser, ist ihr nachhaltig auf den Fersen. Was aber macht die Daune eigentlich zum Kälteexperten und wo kann ihr PrimaLoft locker das Wasser abgraben? Dem möchte ich hier mal auf den Grund gehen. Wobei ich selbst, soviel kann ich schon mal verraten, ein absoluter PrimaLoft-Fan bin. Warum das so ist, dazu später mehr.

Ist doch alles nur heisse Luft

Zunächst schauen wir mal auf die beiden Materialien, und wie das mit der Isolation eigentlich funktioniert. Dabei ist es erst einmal unerheblich, welcher Füllstoff besser wärmt, sondern welcher Füllstoff mehr Luft einschliessen kann. Nehmen wir also die Daunenfeder einmal nicht nur sprichwörtlich unter die Lupe. Dann sehen wir viel feine Verästelungen, zwischen denen jede Menge Luft eingeschlossen werden kann. Durch deine Körperwärme wird diese Luft erwärmt, um dann zwischen den Daunen gespeichert zu werden.

Daune oder PrimaLoft – wo liegt der Unterschied?

Die Daune zieht ihre Wärmeleistung also aus der grossen Menge an Luft, die sie zwischen den feinen Verästelungen ihrer Federn einschliessen kann. Wie sieht nun dieser wärmende Lufteinschluss bei der Kunstfaser PrimaLoft aus? Die PrimaLoft-Fasern bestehen zu 100 Prozent aus Polyester. Dabei wiegt jede einzelne PrimaLoft-Mikrofaser nur ein Gramm bei einer Länge von sage und schreibe 40 Kilometern! In einem thermischen Prozess werden diese Fasern an zig Berührungspunkten millionenfach miteinander verschweisst. Auf diese Weise entstehen unzählige Zwischenräume, ähnlich wie die zwischen den einzelnen Verästelungen der Daune. In diesen Zwischenräumen kann ebenfalls Luft gespeichert werden, sodass PrimaLoft in Punkto Wärmerückhaltevermögen der Gänsedaune nahezu das Wasser reichen kann.

PrimaLoft: klarer Vorteil bei Nässe

Und da sind wir auch schon am springenden Punkt: das Wasser oder eben die Nässe. Sie ist es, die der Daune schnell den Gar ausmachen kann. Sei es durch Regen, starken Schneefall oder auch bedingt durch dein eigenes Schwitzen. Die Daune ist sehr nässeempfindlich. Sobald sie nass wird, wärmt sie nicht mehr richtig. In Extremsituationen, also in Region grosser Kälte, können beispielsweise Daunenjacken zum echten Problem werden. Natürlich haben sich die Hersteller diesbezüglich etwas einfallen lassen und stecken die Daune in bzw. unter wasserabweisende Aussenmaterialien wie Pertex oder ähnliches. Hinzukommen wasserabweisende Reissverschlüsse und getapte Nähte, damit auch ja keine Nässe bis zur Daune vordringen kann.

Das ist allerdings gar nichts, im Vergleich zu PrimaLoft. Die Kunstfaser kann an diesem Punkt ganz locker ihre Trümpfe ausspielen. Dabei imitiert sie die natürlichen wärmeisolierenden Eigenschaften der Dauen nicht nur optimal. Sie ist vor allem auch nässeunempfindlich. Ihre Fasern nehmen zum einen kein Wasser auf, zum anderen sorgt die eigens entwickelte Beschichtung dafür, dass die Nässe auch nicht an den Kunstfasern haften bleibt. Kunstfaserjacken mit PrimaLoft-Füllung bietet dir also auch im nassen Zustand noch eine sehr gute Wärmeisolation. PrimaLoft empfiehlt sich daher vor allem für Touren bei unsicherer Wetterprognose. Ein kurzer Regen- oder Schneeschauer bringt diese Fasern nicht so leicht auch der Fassung – zumindest was die nachhaltige Wärmeleistung betrifft.

Woran du eine gute Isolationsleistung erkennst

Je kälter die Region ist, in die deine nächste Outdoor-Tour gehen soll, umso höher sollte die Isolationsleistung deiner Ausrüstung sein. Woran erkenne ich nun aber die Wärmepower meiner Winterjacke oder Skihose?

Bei der Daune hilft ein Blick auf die sogenannte Fillpower oder auch Bauschkraft. Sie gibt die Ausdehnung der Daunen an: Hier gilt: Je grösser die Fillpower ist, umso höher ist die Wärmeleistung – also umso wärmer ist es darunter. Die Fillpower oder Bauschkraft von Daunen wird in der Regel in Cuin angegeben. 550 Cuin spricht für eine durchschnittliche Wärmeleistung, 650 Cuin sind schon top und Werte ab 800 Cuin gelten als expeditonstauglich.

Bei der Kunstfaser PrimaLoft gibt es keine Angabe der Bauschkraft. Hier wird zum einen das Gewicht pro Quadratmeter (wie bei Stoffen) angegeben – die Werte bewegen sich im Rahmen von meist 60 bis 100 g/m².

Dazu ist, wie bei Daunen auch, die Füllmenge bzw. das Füllgewicht entscheidend. Die wird ganz simpel in Gramm angegeben. Als Richtwerte gelten 100 Gramm. PrimaLoft-Jacken mit einer Füllmenge von 100 Gramm bieten dir eine wintertaugliche Wärmeisolation. Alles was darüber liegt ist top. Werte darunter empfehlen sich für die Übergangszeit.

Einige Hersteller gehen auch schon dazu über, die Daunenfüllung mit der PrimaLoft-Füllung zu kombinieren. Selbst PimaLoft hat bereits eine eigenen Kombi-Isolation auf den Markt gebracht: die sogenannte PrimaLoft Gold Isulation Down Blend (siehe dazu zum Beispiel den Testbericht der adidas Terrex Downblaze Jacket hier). Sie vereint 30 % PrimaLoft-Fasern mit 70 % wasserabweisender Daune in einem Füllmaterial. Mal sehen was da noch so kommt.

Welche Faser besitzt das bessere Wärme-Gewichts-Verhältnis?

Zurück zur simplen Daune und PrimaLoft Faser und dem jeweiligen Wärme-Gewichts-Verhältnis. Hier zeichnet sich wieder mal die Daune als Vorreiter aus, denn sie ist zum einen leicht und zum anderen auch sehr gut komprimierbar, bietet dir dabei aber gleichzeitig auch eine top Isolation. Schon sehr wenig Daunen speichern viel Wärme.

Die PrimaLoft ist zwar ebenfalls herrlich leicht und bietet dir im Wärme-Gewichts-Verhältnis nahezu die identischen Werte wie die Daune. Aber: PrimaLoft hat ein grösseres Packvolumen. Sprich, sie lässt sich bei Nichtgebrauch nicht ganz so klein zusammenpacken wie die Daunenfüllung und nimmt somit im Gepäck etwas mehr Platz in Anspruch.

Daune oder PrimaLoft: auch eine Frage der Ethik

Problematisch ist die Daune allerdings im Hinblick auf ihren Ursprung. Sie kommt nun mal von Tier und es muss ein Tier dafür sterben. Bis vor einiger Zeit war es sogar noch Usus, dass die Federn vom lebenden Tier gerupft wurden, der sogenannte Lebendrupf. Das gibt es aus tierschutzrechtlichen Gründen heute so gut wie nicht mehr. Doch an diesem Punkt legen sowohl Hersteller als auch Online-Händler, wie beispielsweise Sportscheck grossen Wert auf Transparenz. Und dennoch gibt es bis heute keine einheitlichen Standards oder gar Zertifizierungen, die dem Kunden zweifelsfrei gewährleisten, dass er hier ein Produkt kauft, für das die Daunen auf möglichst tierleidfrei Weise gewonnen wurden – wenn das überhaupt möglich ist.

Bei PrimaLoft hast du dieses Thema nicht. Nicht nur deshalb bin ich als Tierliebhaber und -schützer ein absoluter PrimaLoft-Fan. Mit gefällt auch, dass PrimaLoft nach den Standards von Öko-Tex und bluesign zertifiziert ist. Das heisst, dass bei der Herstellung keinerlei Chemikalien zum Einsatz kommen. Zudem werden die zur Herstellung von PrimaLoft Fasern verwendeten synthetischen Rohstoffe ausschliesslich mechanisch und thermisch verarbeitet.

Daune und PrimaLoft: Wo stecken die beiden drin?

Nun haben wir einiges über Daune und PrimaLoft und deren hervorragenden wärmeisolierenden Eigenschaften erfahren. Doch wo werden die beiden Isolationsmaterialen eigentlich verwendet? Du findest sie vor allem in Oberteilen wie Winter-, Ski- und Isolationsjacken oder Mäntel, aber auch Skihosen und sogar Schlafsäcke werden mit Daune oder PrimaLoft isoliert. Dabei zählen unter anderem Bergans, Vaude oder Odlo zu den beliebtesten Herstellern von Artikeln mit Daunen- oder PrimaLoft-Füllung.

Daune und PrimaLoft im direkten Vergleich

VorteileNachteile
Daunesehr gutes Gewichts-Wärme-Verhältnis, bereits rund 200 Gramm Daunen erzielen eine gute Wärmeleistungsehr nässeempfindlich, werden Daunen nass, wärmen sie nicht mehr so gut
klein komprimierbar, geringes Packmassaufwändige Pflege
leicht
atmungsaktiv
PrimaLoftnässeunempfindlich, wärmt auch noch in nassem Zustandetwas störrischer im Tragegefühl als Daunen
schnell trocknendgrösseres Packmass bei identischen Isolationswerten wie Daune
atmungsaktiv
pflegeleicht
umweltfreundliche Herstellung

Daune oder PrimaLoft: Mein Fazit

Die Daune ist der absolute Kältespezialist, keine Frage. Sie verfügt über eine top Wärmeisolation und ist dabei leicht und anschmiegsam im Tragegefühl. Aber: die Daune ist ein tierisches Produkt und deshalb für mich auf lange Zeit nicht mehr als Füllmaterial für Isolationsjacken tragbar. Hier sehe ich in Kunstfasern wie der PrimaLoft die Zukunft. Sie wird umweltfreundlich hergestellt, hat dabei eine nahezu identische Isolationsleistung wie die Daune und ist darüber hinaus nässeunempfindlich. Für mich gilt daher: Daumen hoch für PrimaLoft.

Quellen: Titelbild Yeti, Bilder: Hanwag, Mountain Equipment und diverse Bilder aus unsere Testberichten zvg


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