Rasche Hilfe rettet Leben – RECCO SAR Helikopter Detektoren sind in Österreich bundesweit einsatzbereit

Österreich setzt weltweit neue Massstäbe für die Suche nach vermissten Personen im freien Gelände! Ab sofort stehen an vier Stützpunkten der Flugpolizei die neuen RECCO SAR Helikopter Detektoren für Sucheinsätze im gesamten Bundesgebiet bereit.

Dieser Detektor ist eine Weiterentwicklung des RECCO Lawinen-Rettungssystems und bietet Einsatzkräften ein neues Werkzeug, um grosse Flächen freien Geländes schnell und effektiv aus der Luft abzusuchen. Mit Herbstbeginn stehen an den Stützpunkten der Flugpolizei Hohenems, Innsbruck, Graz und Hörsching die neuen SAR Helikopter Detektoren für den österreichweiten Einsatz bereit.

Zeit und Kosten sparen

Jahr für Jahr werden in Österreich laut Statistik zwischen 500 und 600 Personen im freien Gelände als vermisst gemeldet. „Vermisste und in Not geratene Personen schnell zu finden ist unabdingbar“, sagt Peter Veider, Geschäftsführer der Bergrettung Tirol, „vor allem, um Verletzte vor einer langen Nacht in der Kälte zu bewahren. Trotz modernster Hilfsmittel wie Wärmebildkamera und Handyortung musste bislang unwegsames Gelände oft viele Stunden zu Fuss abgesucht werden. Das kostet Zeit und bindet Ressourcen.“

Vermisstensuche: Sommer wie Winter

An diesem Punkt setzt die schwedische Firma RECCO AB mit dem neuen SAR Helikopter Detektor an. Dieser ist eine Weiterentwicklung des RECCO Lawinensuchsystems, das seit vielen Jahren weltweit von Bergrettern und Skigebieten als elektronische Verschütteten-Suchmethode eingesetzt wird.
Fredrik Steinwall, CEO RECCO AB, stellt fest: ”2015 haben wir zum ersten Mal unsere Vision des RECCO SAR Helikopter Detektor der Öffentlichkeit präsentiert. Nun, drei Jahre später, stimmt es uns sehr positiv, dass wir unsere Technologie soweit verfeinern und weiter entwickeln konnten, dass sie jetzt einsatzbereit ist. Die Zusammenarbeit mit der Flugpolizei Österreichs ist dabei ein Meilenstein – Österreich ist als erstes Land weltweit komplett abgedeckt.“

Die RECCO Technologie

Die RECCO Technologie baut auf ein gerichtetes Radarsystem auf. Um vom Signal des Detektors geortet werden zu können, muss man mit einem RECCO Rettungs-Reflektor ausgerüstet sein. Dieser Rettungs-Reflektor ist ein passiver Transponder, benötigt keine Batterie, ist relativ klein und einfach anzuwenden. Die Reflektoren sind teilweise bereits in Outdoor-Bekleidungen (u.a. Patagonia sowie Peak Performance) oder auch Rucksäcken (z. B. Ortovox) und Wanderschuhe (z. B. Dachstein) integriert, können aber auch als Anhänger für den Rucksack, etc. nachgerüstet werden. Und eines ist sonnenklar: Der Reflektor kann zur Lebensversicherung werden.

Jürgen Albrecht, Chefinspektor/Hubschrauberpilot Flugpolizei Vorarlberg, unterstreicht: “Der Vorteil mit dem Helikopter ist, dass man schnell überall hinkommt, auch in unwegsames Gelände. Jedoch reicht dies oft nicht aus, um eine vermisste Person zu finden. Vegetation oder die alpine Oberflächenbeschaffenheit können ein freies Blickfeld behindern – womit eine optische Suche erschwert wird. Es kommt vor, dass Vermisste den Hubschrauber sehen, aber vom Hubschrauber aus nicht erkannt werden können. Das RECCO Suchgerät bietet somit ein “elektronisches Paar Augen”, das hilft Vermisste zu erkennen. Auch kann man mit höherer Geschwindigkeit als sonst Gebiete absuchen. Hat die Person einen Reflektor, dann werden wir sie auch finden. Die flächendeckende Suche in Österreich wird durch das 24 Stunden Prinzip des BM.I gewährleistet. Das heisst, dass über die Flugleitzentrale Rund-um-die-Uhr Einsätze koordiniert und abgewickelt werden.“

Über RECCO

Das RECCO®-Rettungssystem wurde speziell für die Lawinenrettung entwickelt und wird heute von über 800 Einsatzkräften weltweit zur Suche nach Lawinenopfern eingesetzt. Die Einsatzkräfte schätzen das RECCO®- System, da die Technologie die Suche deutlich schneller macht und somit viel Zeit spart. Denn Zeit ist der Feind eines jeden Lawinenopfers.

Das zweiteilige System besteht aus dem RECCO®-Detektor, der von den Einsatzkräften eingesetzt wird, und den RECCO®-Reflektoren, die in Bekleidung, Helmen, Protektoren oder Schuhen hunderter Outdoor-Marken integriert sind. Der Reflektor ist immer am Körper, man benötigt für ihn weder Fachwissen noch Batterien, damit er funktioniert. Er ist immer “an” und bereit.

RECCO®-Reflektoren verhindern keine Lawinen, sie garantieren auch nicht das Überleben im Falle einer Verschüttung. Aber sie ermöglichen es den Einsatzkräften, den Verschütteten genau zu orten.

Geschichte von RECCO

Die Geschichte von RECCO® begann am 30. Dezember 1973 mit einem tragischen Lawinenunglück in Åre, Schweden. Magnus Granhed, der Gründer von RECCO®, sass im Skilift zum Mörvikshummeln, als er ein furchterregendes Geräusch hörte. Eine Lawine war genau über die sehr steilen Pisten des Svartberget abgegangen.

Was folgte, war unglaubliches Chaos. Niemand wusste, wer oder wie viele Menschen von der Lawine mitgerissen wurden. „Wir begannen damit, mit unseren Skistöcken zu suchen”, erinnert sich Magnus. Später kamen Helfer mit Sonden und Lawinenhunden, aber zu jener Zeit waren dies die einzigen Hilfsmittel, die es gab. Magnus fühlt heute noch die „unglaubliche Hilflosigkeit, mit einem Stock im Schnee zu stochern” – und das in einem Lawinenstreifen so gross wie zwei Fussballfelder.

Als die zwei verschütteten Skifahrer endlich gefunden wurden, hatte die Suche schon Stunden gedauert und beide Lawinenopfer konnten nur noch tot geborgen werden. In diesem Moment beschloss Magnus, eine bessere Methode zu entwickeln, um Verschüttete zu finden.

Aufgrund des Unfalls in Åre dachte er über die Möglichkeiten eines elektronischen Lokalisierungsgeräts für Verschüttete nach. Granhed hatte gerade erst sein Wissenschaftsstudium erfolgreich abgeschlossen und wandte sich an Professor Bengt Enander vom Institut für Elektromagnetische Theorie am Royal Institute of Technology in Stockholm.

Nach einigen Tests mussten sie einsehen, dass die Suche mit Wärmebildkameras nicht funktionierte und LVS-Geräte nur eingeschränkt geeignet waren. Also versuchten sie es mit einem passiven Reflektor. Enanders Team benötigte zwei weitere Jahre, bis die Arbeit in einer Doktorarbeit und der Basis für das RECCO®-System resultierte.

Das ursprüngliche Problem wurde mit harmonischem Radar gelöst. Wie heute auch, bestand der Reflektor aus einer Diode, die eine Oberschwingung auslöst, wenn das Radarsignal des Suchgerätes auf sie trifft. Das zurückkehrende Signal ist jedoch viel schwächer als das gesendete, und darin bestand die grosse Herausforderung des Projektes. Es ging darum, herauszufinden, wie man das starke Suchsignal herausfiltern konnte, um das schwächere Signal des Reflektors überhaupt zu bemerken. Anfänglich betrug die Reichweite im freien Raum lediglich fünf Meter, heute dagegen sind mehr als 200 Meter mit dem RECCO®-System möglich.

Das Entwicklungsteam baute und testete den allerersten Prototypen im Winter 1980/81 und RECCO® stellte 1983 den ersten kommerziellen Detektor vor. Er wog damals ganze 16 Kilogramm – das Gewicht des aktuellen Modells beträgt weniger als ein Kilo.

Die erste Lebendrettung eines Lawinenverschütteten unter Verwendung des RECCO®-Systems fand 1987 in Lenzerheide, Schweiz, statt.

In Bekleidung integrierte Reflektoren

Aufgrund der Tatsache, dass sich immer mehr Wintersportgebiete – derzeit sind es mehr als 800 Gebiete und Einsatzteams weltweit – mit RECCO®-Detektoren ausstatten, werden mittlerweile von mehr als 200 Herstellern von Bekleidung, Ski- und Snowboardstiefeln, Protektoren und Helmen Reflektoren in Produkte integriert. Nicht nur die Suchausrüstung wurde ständig weiterentwickelt und verbessert und ist somit bereits in der neunten Generation angekommen. Auch die Reflektoren durchliefen mehrere Entwicklungsstadien. 30 Jahre Arbeit stecken in den heute extrem kompakten Reflektoren.

Trotz des frühen Erfolgs wurde RECCO® erst in den 1990er Jahren von Rettungsdiensten akzeptiert. Tatkräftige Hilfe kam dabei von der Mobilfunkindustrie. Mitte bis Ende der 1990er Jahre wuchs die Nachfrage nach Mobiltelefonen extrem an. Das Ergebnis waren kleinere und billigere Komponenten. Diese Entwicklung führte gleichzeitig auch zu deutlich kleineren und leichteren RECCO®-Detektoren, die einfacher von den Rettungskräften einzusetzen waren.

Quelle und weitere Infos: RECCO

About The Author Urs Winkler