Glamping im ersten Nordisk Village

Für drei Tage reiste ich an die Adria, um dem Campingleben zu frönen. Im Camping Ca’savio steht das europaweit erste Nordisk Village. Der dänische Outdoorspezialist produziert – unter anderem – Zelte für glamouröses Camping: Glamping. Und so stehen heute auf einem Camping nahe Venedig, an der Adria, zehn einmalig schön ausgestattete Zelte aus dem hohen Norden. Campieren wird in dieser Mini-Zeltstadt, inmitten eines riesen Campingplatzes, zu einem wahrlich luxuriösen Erlebnis. Bis auf einen kleinen (oder je nachdem grösseren) Wermutstropfen.

Für den Kurztrip an die Adria wähle ich als Transportmittel das Flugzeug. Mir scheint, dass ich so am schnellsten an die Sonne komme. Gerade rechtzeitig, zeigt sich doch in der Schweiz in genau diesen Tagen der Regenradar von seiner dunkelsten Seite. Am Flughafen in Venedig strahlt uns Silvia, eine Mitarbeiterin von GoOutside, bereits entgegen. GoOutside ist der Partner in Italien, der die Idee der Nordisk Villages intiiert hat und umsetzt. Silvia ist Italien pur. Gut gelaunt, sonnig strahlend und gesprächig lässt sie uns an ihrem grossen Wissen über die Gegend teilhaben. Leider habe sie nicht viel Zeit, meint sie. Denn seit Donnerstag ist in Treviso ein Festival am Laufen, an dem die Outdoorspezialisten mit ihren Zelten vor Ort sind. Duran Duran spielen am Wochenende … Kurz lockt der Gedanke an einen Ausflug nach Treviso. Aber die Mission ist eine andere.

Eine blutige Anfängerin auf dem Campingplatz

Ich muss erwähnen, dass ich eine absolute Campingplatz-Novizin bin. Wenn ich campiere, dann unter freiem Sternenhimmel und da, wo es keine Menschen hat. Insofern staune ich Klötzchen, als wir nach einer stündigen Autofahrt (ab Flughafen Venice Marco Polo) auf dem Camping ankommen. Pure Herzlichkeit schlägt uns von allen Mitarbeitenden entgegen. Das ist es nicht, was mich zum Klötzchen werden lässt. Die anschliessende Tour durch die gesamte Anlage ist es, was mich kurz etwas ausser Atem bringt. Bungalows, Mobilehomes, Stellplätze, Zelte: Sie stehen auf einer – zumindest für mich – nicht überschaubar grossen Fläche in diesem Pinienwald. In Gehdistanz vom Meer entfernt. Massen von Menschen, die sich Duschen und Klos teilen. Für einen kurzen Moment vermisse ich die Ruhe meiner Berge und hege Fluchtgedanken. Vielleicht war es doch keine so gute Idee, in der Hochsaison diesen Campingversuch zu starten?

Ein kleines, luxuriöses Dorf inmitten einer Stadt

Als wir nach der Besichtigungstour in das Nordisk Village kommen, wird mir etwas wärmer ums Herz. Hell und majestätisch stehen sie da, die Zelte. So als ob sie sich gegen den Rummel von aussen etwas abschirmen wollten, bilden sie, zehn an der Zahl, einen Kreis um eine gedeckte Outdoor-Kochinsel. Die ist das Zentrum der Zeltstadt Nordisk Village. Wohl nicht umsonst. Kennt man die nordische Kultur ein wenig, dann ist schnell klar, dass hier das Miteinander zelebriert wird. Die Küche selbst ist ein Traum. Zu jedem Zelt gehören Kochutensilien, in Schubladen und Schränken verstaut. Vom Sieb bis zur Bratpfanne, vom Flaschenöffner bis zum Fleischmesser. Die Spülbecken teilt man sich mit den anderen Bewohnern, genau so auch die Kochplatten. Man kommt also wirklich nicht umher, miteinander zu plaudern.

Rund um die Kochinsel stehen üppig bepflanzte Hochbeete. Aus denen einem Paprikas, Chilis, unzählige verschiedene Kräuter, Erdbeeren beinahe anflehen, man solle sie doch pflücken und geniessen. Eine wirklich gelungene Idee, dieser Garten inmitten der Nordisk Village Zeltstadt. Zum ersten Mal verspüre ich ein bisschen Outdoorgefühl. Und dann stehen wir vor unserem Zelt. Mit der gleichen Geschwindigkeit, wie der Reissverschluss nach oben flitzt, klappt meine Kinnlade nach unten. Sesam öffne dich. Was sich im Inneren präsentiert, ist vom Feinsten.

Taghell mitten in der Nacht

Ein riesengrosses Doppelbett thront in der Mitte des Nordisk Village Zeltes, zwei Einzelbetten, die sich an die Seitenwände schmiegen. Kleine Sofas mit Fellen und Zierkissen geschmückt und hübsche Regale – befüllt mit Gläsern, Besteck und Tellern. All das im schlichten, stilvollen nordischen Design. Einzig die Frage «Wohin mit dem Gepäck?» lässt sich nicht so einfach beantworten. Stauraum ist spärlich. Für uns zwei «Tagesreisende» stellt das kein Problem dar. Unsere Taschen finden in einer kleinen Ecke Platz. Für Familienurlaub über längere Zeit könnte das eine Herausforderung werden. Ganz ehrlich? Ich, die am liebsten unter freiem Himmel campiert, bin begeistert. Ein bisschen schockverliebt sogar. Bin ich bereits vom Glamping-Virus befallen? Mir ist, als rieche es ein bisschen nach Norden. Ein Wunschgedanke, Illusion?

Keine Illusion ist das, was mitten in der Nacht abgeht. Gegen fünf in der Früh treffen sich am Himmel alle nur verfügbaren Donnergötter. Just über unseren Köpfen veranstalten sie ein Konzert, das seinesgleichen sucht. Blitze lassen unsere Laken im Dunkeln schneeweiss leuchten. Der Donner bringt die Erde zum Zittern. Und der Regen prasselt aufs Dach, als ob einer ihn kübelweise vom Himmel schütten würde. Ob Nordisk dieses Wetter bestellt hat, um uns zu zeigen, dass die Zelte aus robustem Baumwollstoff auch wirklich dicht sind? Ich liege in meinem Bett und lausche dem Spektakel. Und fühle mich wunderbar geborgen. Das Einzige, was mich an diesem Naturspektakel etwas traurig stimmt ist die Tatsache, dass unsere vierstündige Kajaktour in Venedig für den folgenden Tag abgesagt wird – aus Sicherheitsgründen. Doch daran denke ich erst am Morgen, als ich nach einer turbulenten Nacht meine Bettstadt verlasse. So komfortabel wie im Nordisk Village habe ich übrigens noch in keinem Hotelbett geschlafen.

Was machen wir jetzt mit diesem grauen Tag? Ich hab mich auf Bewegung und einen Hauch von Abenteuer gefreut … Nach einem ausgiebigen Frühstück, selbst zubereitet und auf unserer Pergola genossen, beschliessen wir, Venedig einen Besuch abzustatten. Mit der Fähre ist man in einer halben Stunde in «La Serenissima», was so viel wie «Die Durchlauchigste» heisst. Die Stadt ist ein Wunder. Und es gibt keine Worte, die ausreichen würden, um sie zu beschreiben. Übervoll mit bunten Bildern im Kopf kehren wir abends heim und freuen uns auf ein gemütliches Essen. Selbstgekocht, notabene. Kochen unter freiem Himmel – ich liebe es. Alles schmeckt und riecht intensiver. Auch wenn man hier auf Kochplatten, anstatt am Feuer kocht.

Nordisk Village – für Naturfreaks und Abenteuerlustige?

Irgendwie hatte ich ja gehofft, dass das Nordisk Village an einem Ort steht, der Abenteuer bietet. Denn, den Norden verbinde ich halt einfach mit wunderbaren Naturerlebnissen, beeindruckender Landschaft und atemberaubenden Kulissen. Das fehlt mir in Ca’savio ein bisschen. Die Gegend ist wunderbar für Meer- und Badefreunde. Für Liebhaber von wilder Natur und Fels ist es etwas gewöhnungsbedürftig. Aber ich gebe nicht auf. So fahren wir an unserem letzten Tag mit dem Bike den Lagunen entlang bis nach Cavallino. Dort finden wir einen Kajakverleih. Die Zeichen am Himmel stehen wieder auf Sturm und die fürsorglichen Vermieter wollen uns eigentlich gar nicht aufs Wasser lassen. Als wir versichern, dass wir binnen einer Stunde wieder zurück sein würden, lassen sie uns gewähren. Und so bekomme ich doch noch ein kleines bisschen Abenteuer. Denn der Wind weht bereits heftig, die Strömung ist fies und wir mühen uns ab, auf Kurs zu bleiben. Das ist Erlebnis genug für diesen Tag. Mein Blick schweift in die Ferne. Die Dolomiten sind nicht allzu weit entfernt. Und würde man etwas länger Urlaub machen in der Gegend, wäre auch ein Trip in diese Richtung zu empfehlen. Mit dem Auto erreicht man die Berge in gut zwei Stunden Fahrzeit. Das ist absolut zumutbar. Zumindest, wenn man die «Steinzeit» liebt.

Die drei Tage sind um und wir sitzen wieder im Taxi, Richtung Flughafen. Nicht ohne einen wehmütigen Blick zurück – zurück in einen Himmel, der sich in allen möglichen Grautönen färbt und in dem dunkle Wolken sich auftürmen. Es scheint, dass die Donnergötter wieder bestellt wurden, um die Neuankömmlinge im Nordisk Village gebührend Willkommen zu heissen.

Übrigens, Silvia von GoOutside verrät uns, dass sie bereits an weiteren Nordisk Village Konzepten arbeiten. Wer weiss, vielleicht findet man ein ähnliches Angebot bereits im Frühling, irgendwo in der Toscana. In Kooperation mit B&B-Anbietern, Biketouren und Rennradfahren inklusive. Das wäre dann wohl eher für Menschen wie mich geeignet. Für Menschen mit Bewegungshunger und Abenteuerlust.

Fazit Nordisk Village

Das Konzept des Nordisk Village ist sehr gelungen. Menschen, die gerne auf Campingplätzen ihren Urlaub verbringen und etwas mehr Komfort möchten, werden diese Art des Campierens lieben. Der Camping Ca’savio selbst bietet für Familien viel. Kinderpools, Animationsprogramm, Ausflüge … Wer es gerne etwas ruhiger mag, sollte wohl eher in der Nebensaison nach Ca’savio reisen. Ich kann mir vorstellen, dass die Lagunen im Frühling wunderschön sind. Wer das Meer und Sandstrände liebt und Camping mit dem gewissen Etwas schätzt, ist hier richtig. Wer Naturerlebnisse und Wildnis sucht, wartet besser darauf, wo in Italien die nächsten Villages entstehen. Den Preis finde ich absolut fair. Ab 50 € pro Zelt (für 4 Personen) und schlafen wie im Hotel. Dazu die gut ausgestattete Küche und exzellentes Personal, das sich um die Reinigung der Küche und Pflege der Gärten kümmert.

Informationen zum Nordisk Village in Ca’savio

  • Infos zum Konzept des Nordisk Village
  • 10 Zelte à 24 m² mit je 4 Schlafplätzen (2 Einzelbetten, 2 Doppelbetten)
  • Preise pro Zelt: von 50 € bis 110 € / Nacht
  • Bikestation mit Vermietung (keine Qualitätsfahrräder aber für Erkundungstouren in den Lagunen ausreichen)
  • verschiedene Pools
  • Animationsprogramm für Kinder
  • Sportprogramm für Erwachsene
  • Ausflüge nach Venedig mit der Fähre (½ Stunde Fahrzeit)
  • Kajaktouren rund um Venedig, auch mehrtägige Touren: Venice Kayak
  • oder auf eigene Faust in den Lagunen bei Cavallino mit Laguniamo
  • Ist man in den Lagunen bei Cavallino unterwegs, lohnt sich ein Abstecher ins La Barena, ein Hotel mit Bauernhof. Die Produkte kann man im Restaurant geniessen.

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