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Interview Rega Bergrettung –Fragen an die Schweizerische Rettungsflugwacht

Jeder kennt die Rega. Und jeder hofft, niemals in eine Lage zu geraten, in welcher die Rega gerufen werden muss. Als Outdoor-Website interessiert uns nebst Ausrüstung und Touren auch, was geschieht, wenn am Berg mal etwas schief läuft. Wie läuft ein Notruf ab? Wie hilft die Rega und wie kann ich im Notfall die Rega unterstützen?

Diese und weitere Fragen beantwortete uns Sascha Hardegger, Leiter Helikopter Einsatz und Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung, in einem exklusiven Interview.

Wie sieht der genaue Ablauf aus, wenn es einen Alarm gibt?

Bei einer Alarmierung aus der Schweiz über die Notrufnummer 1414, per Rega-App oder über den Notfunk-Kanal (161.300 MHz) spricht der Alarmierende direkt mit der Einsatzzentrale im Rega-Center. Der Einsatzleiter/die Einsatzleiterin befragt die alarmierende Person gezielt zum Unfallhergang und zur aktuellen Situation. Die Einsatzleitung bietet die Rega-Crew der nächstgelegenen Basis auf, die tagsüber innerhalb von rund fünf Minuten in der Luft ist. Die Koordinaten der Unfallstelle und die Details aus dem Alarmgespräch werden direkt in den Helikopter übermittelt, wodurch Fehlerquellen ausgeschaltet werden. Während des Fluges bereitet sich die Crew innerlich auf den Einsatz vor, um an der Unfallstelle möglichst nicht überrascht zu werden.

Was ist die ungefähre Durchschnittszeit, die zwischen dem Notruf und dem Eintreffen am Berg verstreicht? Gibt es Regionen, in denen die Rega nicht fliegt?

Die Rega ist bestrebt, jeden möglichen Ort unseres Einsatzgebiets innerhalb von 15 Flugminuten zu erreichen. Zwölf über das ganze Land verteilte Rega-Einsatzbasen und eine Partnerbasis in Genf machen dies möglich. Im Kanton Wallis ist die Rega normalerweise nicht aktiv, dort stellen andere Organisationen die Luftrettung sicher.

Wie kann man der Rega den Einsatz erleichtern? Hilft beispielsweise leuchtende Kleidung?

Wichtig bei einer Alarmierung ist die möglichst exakte Angabe der Position des Patienten. Am einfachsten geht dies über die kostenlose Notfallapp der Rega, das spart Zeit und verhindert Fehler, weil der Standort automatisch übermittelt wird. Leuchtende Kleider sind sicher hilfreich.

Wer bezahlt einen Einsatz der Rega, bzw. wie hoch sind die Kosten für einen solchen Einsatz? Wann muss man selber bezahlen?

Die Kostenfrage lässt sich nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich bezahlt die Person, die den Einsatz verursacht, oder die Versicherung, wenn eine besteht. Ihren Gönnern kann die Rega die Kosten für den Einsatz erlassen, falls Versicherungen, Krankenkassen oder andere leistungspflichtige Dritte nicht oder nur teilweise dafür bezahlen. Gut zu wissen: Der Alarmierende muss nicht mit Kosten rechnen, wenn er nach bestem Wissen und Gewissen handelt.

Wonach werden die Einsätze unterschieden und wie viele Einsätze fliegt die Rega durchschnittlich in den Bergen?

Grundsätzlich gilt: Je besser das Wetter, desto mehr sind die Menschen draussen aktiv. Folglich gibt es in dieser Zeit mehr zu tun. Wir unterscheiden nicht nach Gebirge oder Flachland, sondern nach Ursache. So fliegt die Rega jährlich z.B. rund 2700 Patienten wegen Wintersport-, Berg- oder sonstigen Sportunfällen. In dieser Zahl nicht enthalten sind Patienten mit Krankheiten, z.B. Herz-Kreislauf-Symptomen. Auch solche medizinischen Probleme treten öfter im Gebirge auf. An einem schönen Wintertag kann es schon mal vorkommen, dass die Rega 80 oder mehr Einsätze fliegt, die meisten davon im Gebirge.

Mit welchen Problemen sieht sich die Rega oft konfrontiert?

Ungenaue oder falsche Positionsangaben können wertvolle Zeit kosten, wenn die Unfallstelle zunächst gesucht werden muss. Eine weitere Herausforderung für die Piloten sind Seilbahnen, Kabel und andere Hindernisse, da sie eine Gefahr für Helikopter und Besatzung darstellen. Das grösste Hindernis für Helikopterrettungen stellt aber das schlechte Wetter dar.

Wie sieht das Vorgehen aus, wenn eine Person nicht gerettet werden kann (z.B. wegen schlechter Sichtverhältnisse)?

Dann kommen die Rettungsstationen des SAC zum Zug, beziehungsweise deren Retter. Sie sind auch dann noch handlungsfähig, wenn der Helikopter nicht mehr fliegt. Vielleicht gibt es eine kombinierte Aktion, das heisst, die Retter werden in die Nähe geflogen, so weit wie möglich.

Welche Wetterverhältnisse stellen ein Problem dar? Gibt es Lösungen zur Behebung dieser Probleme?

Aktuell können rund 600 Menschen pro Jahr wegen schlechten Wetters nicht aus der Luft gerettet werden. Schlechte Sicht wegen Nebel oder Unwetter sowie Vereisungsbedingungen können Flüge verunmöglichen. Wir arbeiten an der Entwicklung eines Instrumentenflug-Netzwerks, gemeinsam mit der Luftwaffe und der Flugsicherungsgesellschaft Skyguide. Dank satellitengestützter Navigation (GPS) soll es in Zukunft möglich sein, Flüge von Spital zu Spital oder auch direkt ins Gelände bei schlechter Sicht durchzuführen, ohne dass dazu teure und komplexe Bodenanlagen benötigt werden. Es dauert noch eine Weile, bis wir soweit sind. Zudem beschaffen wir drei allwettertaugliche Helikopter, die ab 2021 zum Einsatz kommen werden.

Welche speziellen Rettungsutensilien (z.B. Dreibein) für die Rettung am Berg werden von der Rega verwendet?

Die Rettungswinde mit ihrem bis zu 90 Meter langen Stahlseil leistet uns gute Dienste im unwegsamen Gelände, wo der Helikopter nicht landen kann. Wir lassen dann den Notarzt oder einen Rettungsspezialisten des SAC am Seil zum Patienten runter. Je nach Verletzung wird er anschliessend in einem Bergedreieck, Bergesack oder Horizontalnetz ausgeflogen. Die Bergretter des SAC haben auch viel Spezialmaterial zur Verfügung, zum Beispiel das Dreibein und den Presslufthammer für Rettungen aus Gletscherspalten oder Material zur Rettung aus Bäumen oder aus Seilbahnen. Dieses Material ist in den Depots der SAC-Rettungsstationen jederzeit griffbereit. Nicht zu vergessen die treuen Lawinensuchhunde, wobei ich aber nicht von Material sprechen möchte.

Vielen Dank für das spannende Interview!

Für weitere Informationen zur Rega und einigen Kernthemen, hier noch die wichtigsten Punkte:

Quelle Bilder Interview Rega Bergrettung: Rega


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