Nun ist es also endlich so weit – mit dem Kletterkurs für Anfänger fängt es an: Ich lerne, wie man beim Klettern vorgeht und worauf man achten muss. Ich bin schon total gespannt, wie die Kurse aufgebaut sein werden, was ich lerne und worauf ich achten muss! Doch zurück zum Anfang, erstmal ist der Grundkurs 1 im Gaswerk dran, denn zunächst muss ich den machen, ansonsten kann ich die anderen gar nicht besuchen. Wie die Organisation des Kletterzentrums aufgebaut ist, was ich gelernt habe und ob sich ein solcher Kurs überhaupt lohnt, könnt ihr hier lesen. Eines vorweg: Der Grundkurs 1 war einsame Spitze und ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Kurs meines Packages.

Kletterkurs für Anfänger – Ablauf und Eindrücke

Ich habe mich über die Homepage des Kletterzentrums für den Grundkurs 1 im Gaswerk, einem Kletterkurs für Anfänger, angemeldet. Schon da habe ich gemerkt, dass die Möglichkeiten, sich für einen Kurs zu entscheiden, nahezu unerschöpflich sind. Es gibt Kurse für unterschiedliche Altersklassen zu verschiedenen Tageszeiten, sodass auch Berufstätige die Chance haben, sich anzumelden. Perfekt also auch für mich. Ich entschied mich für den Grundkurs 1 von 18.45 bis 21.45 Uhr – dann kann ich vorher etwas essen und mich mental vorbereiten. Du fragst Dich jetzt vielleicht, weshalb ich mich mental auf sowas vorbereiten muss? Ich bin nicht grad ein Fan von Höhe, aber trotzdem hat mich Klettern immer fasziniert. Komisch, ich weiss, aber so ist es nunmal.

Die Anmeldung klappte super und war kinderleicht. Ein Riesenpluspunkt für mich, da ich nicht auf komplizierte Anmeldeverfahren stehe.

Da stand ich also, in der ältesten Kletterhalle des Kletterzentrums und wartete auf den Beginn des Kletterkurses für Einsteiger. Es ist schon total spannend, den andern beim Klettern zuzusehen, wie sie mit Leichtigkeit sichern und praktisch die Wände hochrennen. Sowas will ich auch können. Der Kurs beginnt pünktlich. Zunächst stellen wir uns gegenseitig vor – vertrauensfördernd, schliesslich hängt mein Leben später an einem Seil, das von einem anderen Kursteilnehmer gesichert wird. Mein Kursleiter David ist ein total lieber Typ. Er klärt uns erstmal über den Ablauf auf.

Zuerst zur Boulderwand, damit wir ein Gefühl für die Griffe bekommen. Nach ca. 30 Minuten haben wir genug geübt, jetzt gehts ans Eingemachte – aber wie den Kletterer Sichern? Ah, wir machen das zuerst im Übungsbereich, der für Noobs wie mich und die anderen gemacht wurde. An einem zusammengeschweissten Seil üben wir das Sichern. Wir lernen das mit einem ATC, dem Air Traffic Controller. Auch hier lässt uns David genug Zeit, bis wirklich alle die Bewegungsabläufe verstanden haben. Er zeigt uns auch, wie wir das Seil blockieren müssen, falls unser Kletterpartner stürzt.

Schliesslich kommen wir zu dem Teil, auf den ich mich am meisten gefreut habe: Jetzt dürfen wir klettern. Doch bevor wir einfach hochkraxeln, müssen wir mit unserem Kletterpartner einen Buddy-Check machen. Diejenigen, die tauchen, wissen wovon ich rede. Für die anderen eine kurze Erklärung: Ein Klettern Partner-Check bedeutet, dass wir bei unserem Partner die Einstellungen kontrollieren. Beim Klettern ist die Kurzform hierfür GAKS. Witzig und einfach zu merken, finde ich. Also kontrollieren wir den Gurt unseres Partners, die Anseilschlaufe (Verbindungsstelle zwischen Hüft- und Beingurt, da nur dieser genug Gewicht tragen kann), den Karabiner (richtig geschlossen?) und das Seil (schauen, ob es hält und ob es richtig eingefädelt wurde).

Nach dem Buddy-Check dürfen wir uns an den einfacheren Routen austoben. Doch uns allen wird das schnell zu langweilig. David ist zum Glück darauf bedacht, uns zu fordern, weshalb er nach Kurzem mit uns weiterzieht. An den nächsten Wänden wird das Ganze schon etwas kniffliger. Wir sollen versuchen, an einer geneigten Wand «hochzugehen», sprich, möglichst unser ganzes Gewicht auf den Füssen tragen, da unsere Arme anderenfalls zu schnell ermüden. Diese Technik nennt man übrigens Seemannstechnik, da man wie auf einem schwankenden Schiff das Gewicht von einem Fuss auf den anderen verlagern muss, um die Wand hochzukommen. Es macht total Spass, so viel zu klettern und dabei so viel zu lernen! Also, nochmal ein Pluspunkt: praktisches Lernen statt öder Theorie.

David zeigt uns auf dem Weg zu Halle 4 die Toppas-Sicherungsgeräte, mit denen man sich selbst sichern kann. Ziemlich interessant – man bindet sich mit zwei automatisch sichernden Karabinern an, die an einem Drahtseil festgemacht und so mit dem automatischen Zugmechanismus verbunden sind. Dieses Gerät sieht ziemlich cool aus, trotzdem wirkt es ein bisschen beängstigend, wie schnell dieses Ding die Kletterer abseilt.

In Halle 4 angekommen sollen wir noch das Stürzen üben. Oh Mann, davor habe ich mich gefürchtet (was ich David auch mitteile). So soll denn auch ich mit ihm die Übung vorzeigen, damit ich mit einem erfahrenen Kletterer Vertrauen aufbauen kann. Vielen Dank dafür, es hat wirklich geholfen! Nun üben wir alle das Stürzen, zunächst mit Vorwarnung an unseren Partner, anschliessend ohne. Es klappt bei allen sehr gut und zum Abschluss gehen wir zusammen in den Boulderraum, um uns noch etwas «auszuklettern».

Der Kletterkurs Anfänger (Grundkurs 1) im Gaswerk hat mir wirklich enorm viel gebracht, da mir alles detailliert erklärt wurde und ich auch allfällige Fragen und Ängste (z.B. Höhenangst) ansprechen konnte, ohne dass ich komisch angesehen wurde. Auch die Grösse der Gruppe (nur acht Personen) war optimal, denn so konnte der Kletterlehrer auf alles eingehen, was uns beschäftigte. Zum Schluss des Kletterkurses haben alle Kursteilnehmer ein Abo für zwei Wochen Gratisklettern bekommen, damit wir das Erlernte auch weiter ausbauen können.

Kletterkurs für Anfänger – Fokus Sichern Klettern

Das Sichern stand beim Kletterkurs für Anfänger (Grundkurs 1) im Gaswerk im Zentrum des Kletterkurses. So haben wir das auch ganze 30 Minuten lang geübt, schliesslich geht es hier darum, das Leben des Kletterpartners zu sichern.

Mit dem ATC zu lernen, erschien mir für den Anfänger sinnvoll, weil hier noch alles manuell funktioniert. (Nicht wie bei einem Halbautomaten wie dem Petzl Grigri, welches bei einem Sturz automatisch blockiert.) Das ATC sieht irgendwie aus wie eine kleine Milchkanne und genauso soll man es auch halten. Anschliessend schiebt man eine Schlaufe in die Öffnung und befestigt das Konstrukt am Karabiner. Wichtig beim Sichern ist, das untere Seil nie loszulassen, denn dieses spielt die entscheidende Rolle im Falle eines Sturzes.

Der Ablauf des Sicherns sieht wie folgt aus:

  1. Man zieht mit der Sensorhand an dem Teil des Seils, welches nach oben zum Kletterer geht. Gleichzeitig zieht man mit der Sicherungshand den unteren Teil des Seils (unterhalb des ATC) nach vorne (nicht nach unten, das geht zu streng).
  2. Dann führt man die untere Hand, welche das Seil nach vorne gezogen hat, in einem geschlossenen Ring wieder nach oben in die Nähe des ATC.
  3. Diesen Vorgang wiederholt man immer wieder, sodass das Seil des Kletterers immer straff ist.

Um das kurz etwas auszuführen: Die Sensorhand ist diejenige, mit der man spürt, ob man Seil nachziehen muss oder ob es straff ist. So ist man nicht gezwungen, ständig nach oben zu sehen, und den Kletterer zu beobachten. Die Sicherungshand ist die, die im Falle eines Sturzes dafür sorgt, dass der Kletterer nicht nach unten fällt. Indem man sie nach unten «schnappen» lässt, blockiert man das Seil und hält so den Kletterer in der Höhe.

Beim Abseilen lässt man mit der Sensorhand den oberen Teil des Seils los und hält nun mit beiden Händen den unteren Teil des Seils fest. Langsam (und das ist wichtig, kein Kletterer will mit hohem Tempo auf den Boden zurasen) führt man das Seil «rückwärts» durchs ATC, sodass der Kletterer mit einer gleichmässigen Geschwindigkeit nach unten befördert wird. Es ist hierbei wichtig, dass die vorherige Sensorhand das Seil immer festhält und nicht schleifen lässt, anderenfalls könnte man sich die Hände verbrennen. Sobald der Kletterer sicher am Boden angekommen ist, kann man das Seil loslassen und die Sicherungen lösen.

Informationen zum Kletterkurs für Anfänger (oder auch für Fortgeschrittene) findest Du auf der Website des Kletterzentrums. Wie die Serie zum Klettern weitergeht? Mit dem Kurs Klettertechnik Toprope.

Kletterkurs für Anfänger – Erfahrungen nach dem Kurs

Ich habe in der ersten Woche nach dem Kletterkurs für Anfänger mit einem meiner Freunde zum Klettern abgemacht. Ich merkte schnell, dass ich dank des Kletterkurses für Einstieger einige Vorteile mitbrachte, die er nicht hatte. So konnte ich beispielsweise besser abschätzen, wie ich eine Route klettern sollte, um es mir möglichst leicht zu machen. Das hatte zur Folge, dass mein Kletterpartner schneller ausser Atem war als ich.

Doch wie findet man nach dem Kletterkurs für Anfänger überhaupt einen Kletterpartner, wenn man niemand kennt, der klettert? Ich möchte mehr als nur einmal wöchentlich klettern, am liebsten natürlich mit Partner. Ich recherchierte und fand schnell die Website kletterportal.ch, auf welcher alle möglichen Leute nach Kletterpartnern suchten. Perfekt! Ich meldete mich an und postete mein Anliegen – und tadaa: Ich bekam einige Anschriften von Leuten, die auf demselben Niveau klettern wie ich und sich gerne zum gemeinsamen Klettern verabreden wollten. An dieser Stelle also mein Tipp für alle, die gern klettern, aber keinen Partner haben, der regelmässig mitkommen kann: melde Dich bei kletterportal.ch an. In meinen Augen ist es die coolste und schnellste Art, Leute zu finden, mit denen man klettern gehen kann.

About The Author Giuliana Schintu

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