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Den neuen Ski & Snowboard Tourenatlas Schweiz haben wir in einem Testbericht bereits vorgestellt. Das “Werk” umfasst satte 1000 Routen auf 400 Gipfel in den 30 besten Ski- und Snowboard-Tourenregionen der Schweizer Alpen.

Das klingt nicht nur nach ziemlich viel Arbeit, das war es sicher auch. Wie man so ein Vorhaben realisiert und wo die beiden Autoren selber am liebsten ihre Spuren durch den Schnee ziehen, verraten uns Nicolas Fojtu und Markus von Glasenapp in diesem Interview. Zudem verlosen wir 1 Helvetic Backcountry Ski & Snowboard Tourenatlas Schweiz! 

Ihr habt sehr viel Arbeit in das Buch investiert und auch einiges an Geld. Wofür dieses Engagement?

Nicolas Fojtu: Ein Buch ist ein Gesamtkunstwerk für alle Sinne. Wenn man eine solche Idee entwickelt und auch umsetzen kann, dabei inhaltlich wie auch gestalterisch so viel Leidenschaft mit reinfliesst, seine eigenen, persönlichen Ansichten dabei vertreten kann und zusammen mit einem Freund ganz unabhängig bestimmen kann, wie etwas werden soll, dann erübrigt sich die Frage nach dem Aufwand, dann ist dies für mich das pure, erstrebenswerte Leben – zumindest ein Aspekt dessen.

Markus von Glasenapp: Das habe ich mich manchmal auch gefragt: Wofür eigentlich der ganze Aufwand? Es mag vielleicht etwas klischeehaft klingen, aber mir bereitet es einfach Freude, wenn ein paar anderen Leuten durch unser Buch ermöglicht wird, auch ein paar wunderbare Touren in den Bergen zu erleben. Ich war in den vergangenen Jahren immer mal wieder mit Freunden aus dem Ausland auf Tour, für die das etwas komplett Neues war. Und die grösste Belohnung war für mich eigentlich der Stoke und die Freude am Berg, die schon die kleinen Dinge auf Tour ausgelöst haben: die Stille, eine Ankunft am Gipfel, eine Rast mit grandioser Aussicht, verschneiter Wald und so.

Ihr habt extrem viel Zeit und Liebe in den Ski & Snowboard Tourenatlas Schweiz investiert. Hattet Ihr während der letzten Jahre noch Zeit für was anderes? Freundin?

Nicolas Fojtu: Es blieb viel auf der Strecke und wir mussten uns unheimlich konzentrieren. Aber wir haben uns auch immer wieder das, was wir wirklich lieben, zu Herzen genommen, Unwichtigeres haben wir weggelassen. Die Freundin zählt zum Ersteren.

Markus von Glasenapp: Naja ich hab das Glück, dass ich in meinem Brotjob recht flexibel bin. Dadurch konte ich das eingermassen jonglieren. Im Winter ist meine Freundinn auch oft mitgekommen auf viele Touren. Aber jetzt bin ich froh, dass man nicht jeden Abend auch noch arbeiten muss, und auch am Wochenende nicht von vornherein klar ist, dass man vorm Compi hockt.

1000 Touren, 400 Gipfel und und und – gab es den Punkt zwischendurch an dem es Euch alles zuviel wurde?

Nicolas Fojtu: Die Korrekturrunde war schon sehr zäh. Man muss sich vorstellen, dass wir jeden Abstand zwischen jedem Zeichen im Buch diskutiert haben. Es gibt nichts, kein Detail, kein winzig kleiner Punkt, keine Beschriftung, die wir nicht angeschaut und besprochen haben. Wir waren oft auch alleine mit unseren Entscheidungen und das war je nach Tagesverfassung eine rechte Belastung und dann wieder pure Euphorie.

Markus von Glasenapp: Ja definitiv, für mich war vor allem die Erarbeitung der 1800 Schlüsselstellen ein rechter Marathon. Aber Nicolas hat das vom Projektmanagement immer sehr gut geplant, so dass wir in den insgesamt drei Jahren nie so einen richtigen Megastress hatten.

Beim ersten Buch seid Ihr zu dritt gewesen. Beim Tourenatlas ward Ihr am Ende zu zweit. Wie habt Ihr Euch die Arbeit aufgeteilt?

Nicolas Fojtu: Wir waren nicht nur zu zweit. Es waren viele Leute, die am Projekt mitgearbeitet haben, z. B. die Gestalter Lukas Zimmer und Anthon Astrom, die bei der grafischen Entwicklung im Buch eine Hauptrolle übernommen haben und die App entwickelten. Oder Serafin Pazdera, ein Illustrator aus Basel, der in einer ungeheuren Ausdauer die Karten im Buch zeichnete. Ich habe das Team zusammengestellt, das Projekt geleitet, die grafische Entwicklung koordiniert, das Budget überwacht, die Produktion evaluiert, fotografiert, programmiert, das ganze Buch gesetzt, die Bildredaktion gemacht, geschrieben und mich mit den Medien vernetzt. Zur Zusammenarbeit muss man schon sagen, dass Markus und ich immer alles besprochen haben und gleichermassen bei allem Einfluss nehmen konnten. Wir haben grosses Vertrauen in die Arbeit des anderen und eine gute Gesprächskultur, das ist absolut essentiell.

Markus von Glasenapp: Ich hab mich vor allem um die Einteilung der Gebiete und die Auswahl der Routen gekümmert. Die Karten habe zum Grossteil ich erstellt. Textlich haben wir uns die Arbeit aufgeteilt, da floss immer die Meinung von beiden ein … wir haben da gegenseitig kein Blatt vor den Mund genommen und die Texte zusammen immer wieder überarbeitet, bis sie aus Sicht beider gepasst haben.

Ihr habt sicher nicht alle 1000 Touren selber machen können, aber wie viel ward Ihr unterwegs?

Markus von Glasenapp: Wir haben alle Gebiete mehrere Tage besucht, manche mehr, zum Beispiel die in der Zentralschweiz kennen wir natürlich in- und auswendig. Alle kritischen Routen, tendenziell die schwierigeren haben wir alle selber gemacht. Oder Leute, denen wir vertrauen, haben sie befahren. Insgesamt haben sich aber in den letzten zehn Jahren, in denen wir immer wieder neue Gebiete entdeckt haben, sicherlich um die 500 Routen angesammelt, die wir in den Atlas gesteckt haben.

Welches sind Eure Lieblingsgebiete?

Nicolas Fojtu: Ich kann mich nicht festlegen … ich liebe einfach so vieles an den Bergen: am meisten wohl die Wildniss und die Rückkehr in die Zivilisation auf dem Brett.

Markus von Glasenapp: Mein Lieblingsgebiet ist die Gruyère. Steiles Voralpenshredding-Deluxe, mit super Restaurants im Talgrund und das alles in entspannter, untouristischer, welscher Atmosphäre.

Welches sind Eure drei Lieblingstouren aus dem Tourenatlas?

Nicolas Fojtu: Giuvstöckli und dann Abfahrt bis nach Gurtnellen, Sulzfluh und Abfahrt bis nach Tschagguns und natürlich der Fluebrig – wenn möglich mit Abfahrt vom Turner.

Markus von Glasenapp: Vanil de l’Ecri Nordcouloir, Wildstrubel-Abfahrt durch das Ammertetälli, Überschreitung von der Jenatschhütte zum Albulapass über den Piz Jenatsch und die Fuorcla Mulix.

Welche Gebiete würdet Ihr Toureneinsteigern/Anfängern besonders ans Herz legen?

Markus von Glasenapp: Die Touren in St. Antönien sind meist gespurt und bieten viele einfache Möglichkeiten.

Jetzt sind Buch, Karten und App fertig. Wie geht es in Zukunft weiter?

Nicolas Fojtu: Das ist eine gute Frage. Zuerst jetzt einmal tief Luft holen und die Leere im Kopf geniessen. Und nebenbei nocheinmal 3000 Exemplare nachdrucken lassen, die Hälfte der ersten Auflage ist nämlich bereits verkauft.

Markus von Glasenapp: Mal sehen, jetzt müssen wir erstmal sehen, wie es so läuft. Ich könnte mir aber vorstellen, dass wir vielleicht in Richtung App mal noch was Neues machen. Aber konkrete Pläne haben wir noch nicht.

Danke für das Interview und Euch weiterhin viel Erfolg!

© Alle Bilder von Nicolas Fojitu und Markus von Glasenapp.


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