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Ab Herbst kommt die neue Bekleidung mit GORE® THERMIUM™ Technologie in die Läden und zum Einsatz – über das Material haben wir schon berichtet. Jetzt hatte ich zudem die Möglichkeit, eine isolierte Jacke mit der neuen Technologie auszuprobieren.

Wärme durch Isolation mit Daune oder/und Kunstfaser

Grundsätzlich gibt es Wärme- oder Thermojacken natürlich schon seit langem. Daunenjacken wurden durch Kunstfaserjacken ergänzt. Kunstfaser hat den Vorteil, gegenüber Feuchtigkeit oder Nässe weniger empfindlich zu sein. Dafür ist das Gewichts-Wärme-Verhältnis und das Packvolumen gegenüber Daune oft schlechter.

Was die letzten Jahre folgte, könnte man fast ein Comeback der Daunen nennen. Doch mussten die Nachteile anscheinend nun endlich ausgemerzt werden. Technologien wurden (weiter)entwickelt. Erst wurden die Daunen beschichtet und damit wasserabweisend gemacht. Dann folgten Mischungen aus Kunstfaser und Daunen (z.B. PRIMALOFT® GOLD INSULATION DOWN BLEND wie in der getesteten adidas Terrex Downblaze Jacket).

Aber logischerweise muss man nicht zwingend das Innenleben, die Isolation, wasserabweisend machen, sondern kann einfach auch die darüber liegende Schicht wasserfest gestalten. Also eine mit Daunen oder mit Kunstfaser gefüllte Jacke aussen mit einem wasserdichten Material “umhüllen”. Ein Beispiel einer solchen Daunenjacke ist die Outdoor Research Floodlight Jaket, die wir ebenso getestet haben. Hier wird einfache Daune vom zweilagigen Material Pertex® Shield+ umgeben. Neben Pertex bieten natürlich auch andere Materialhersteller wasserdichte Gewebe an, die so verwendet werden können. Und neu eben auch Gore.

GORE® THERMIUM™ Technologie

Bei der GORE® THERMIUM™ Technologie handelt es sich um ein neu entwickeltes Produktkonzept mit dem Ziel, das Isolationsvermögen auch bei Nässe/Wittterungseinflüssen und beim Schwitzen (Feuchtigkeit von innen) möglichst gut zu erhalten. Dafür besteht auch diese Technologie letztendlich aus einem wasserdichten Gewebe. Wie bei GORE® üblich setzt man hierbei auf ein Gewebe (meist Nylon bzw. Polyamid) mit Polytetrafluorethylen-Membran. Das Gewebe ist also zweilagig.

Darunter kommt eine Isolation – aus Kunstfasern (meist aus Polyester), aus Daunen oder aus Wolle etc. Diese Isolation kann der Hersteller frei wählen. Zur Auswahl stehen bei Kunstfaser PrimaLoft® als bekanntester Hersteller oder vergleichbare Materialien, oft unter eigenem Label. Arc’teryx nennt seins Coreloft™, Fjällräven seins Supreme Microloft oder Haglöfs seins QuadFusion™. Auch bei Daunen und Wolle gibt es verschiedene Hersteller/Marken zur Auswahl. Wie bei GORE® üblich, ist der Hersteller des Endprodukts in seiner Wahl zwar frei, muss aber bei der Auswahl definierte Qualitätsstandards für hochwertige Isolationen einhalten.

Aussen das zweilagige GORE® THERMIUM™, dazwischen die Isolation – fehlt noch irgendein Innenmaterial als Futter. Meist wird hier auch ein dünnes Polyamid- oder Polyester-Gewebe verwendet. Fertig ist der Schichtenaufbau einer gefütterten Jacke oder Hose. Dabei sei erwähnt, dass die Aussenhülle mit der Membran komplett abgedichtete Nähte hat und das Aussenmaterial zudem imprägniert ist, wie üblich.

Alle Komponenten der GORE® THERMIUM™ Technologie, wie z.B. die Membran, sind auch schon bei früheren Produkten verwendet worden. Neu ist, es als Konzept zu vermarkten, mit der Marke und der Kennzeichnung GORE® THERMIUM™.

Daten zu GORE® THERMIUM™

Für alle Laminate gibt es Werte zur Atmungsaktivität. Alle Laminate, die unter der Marke GORE® THERMIUM™ angeboten werden, haben eine Atmungsaktivität von RET 4 m²Pa/W oder niedriger. RET ist die Abkürzung für «Resistance against evaporation in a textile», also der Widerstand gegen Verdampfen. Je niedriger der RET-Wert, desto besser.

Allerdings ist der RET-Wert wenig aussagekräftig für ein ganzes Bekleidungsteil mit Schichtenaufbau. Je nach Dicke der Isolation ist der Widerstand etwas oder viel grösser. Bei der Bekleidung gilt es also, die Atmungsaktivität des gesamten Schichtaufbaus samt Isolation und Futtermaterial zu berücksichtigen. Christopher Eisenmann, der Produktspezialist von GORE, hat z.B. einen Musterversuch mit einem Laminat mit einem RET von 1.9 m²Pa/W gemacht.

Jacke mit GORE® THERMIUM™ ausprobiert

GORE® stellte mir für einen ersten Test eine Musterjacke mit GORE® THERMIUM™ Technologie zur Verfügung. Gerade rechtzeitig, denn der Winter tobte sich gerade so richtig aus. Weiter unten ging der Regen in Schnee über, weiter oben schneite es ergiebig. Mit der Jacke wanderte ich durch eines der kältesten Gebiete der Schweiz, den Jura. Windiges Winterwetter mit Regen- oder Schneeschauern – hierfür ist die Jacke gemacht worden.

Die Jacke selber setzt aussen auf ein Nylon-Gewebe mit GORE® THERMIUM™ Membran. Darunter folgt eine Isolierung aus Polyester-Vlies isoliert. 100 Gramm wurden davon eingebaut. Innen schliesst ein Futterstoff aus Polyester alles ab.

Der gesamte Schichtenaufbau hat – Gore hat nachgemessen – einen RET-Wert von 43 m²Pa/W. Das bedeutet, dass in diesem Bekleidungsteil das Laminat lediglich 4 % des Gesamtwiderstandes darstellt. Das ist sensationell! Und hier liegt die Stärke der von Gore gelieferten Komponente. (Diese Werte gelten aber nur für diese Jacke, sie können bei jedem anderen Modell stark abweichen.)

Gleichzeitig deutet der hohe RET-Wert schon den Einsatzbereich der Jacke an – es ist eine wirklich warme Winterjacke, die sich vor allem für Aktivitäten eignet, bei denen man sich nicht zu viel bewegt bzw. nicht zu viel schwitzt. Mit Schneeschuhen und Neuschnee im Aufstieg wurde mir in der Jacke nach kurzer Zeit sehr warm. Ich schwitzte. Die Jacke wurde innen feucht. Im Gegensatz zu unbehandelten Daunen fällt die Kunstfaser nicht in sich zusammen – die Jacke isolierte weiterhin. Die Atmungsaktivität der Jacke, die Belüftung mit Unterarmreissverschlüssen und später mit dem voll geöffneten Fronreissverschluss reichten am Ende aber nicht aus – die Jacke war mir für den Aufsteig zu warm und ich zog sie aus. (Ich hatte übrigens nur ein Funktions-T-Shirt darunter an.) Für den Abstieg aber oder für Pausen ist die Jacke mollig warm und trägt sich angenehm. Insgesamt trocknete sie halbwegs schnell wieder. Die Jacke war im Test aussen vollkommen wasser- und winddicht.

Die Jacke mit GORE® THERMIUM™ Technologie eignet sich also eindeutig eher für weniger bewegungsintensive Aktivitäten. Dort hat man dann dafür immer eine warme Jacke – egal, ob es regnet, schneit oder windet. Das ist sicher – und diese Sicherheit ein grosser Vorteil des Konzepts. Dazu trägt sich die Jacke angenehm weich und bietet ein gutes Wärme-Gewichts-Verhältnis.

Umweltfreundlichkeit und Pflege von GORE® THERMIUM™ Produkten

Das Tragen von Bekleidung hergestellt aus Gore-Produkten ist laut Hersteller übrigens unbedenklich, denn Gore Textilien für den Endver­braucher erfüllen alle Kriterien des Öko-Tex® Standard 100. Dazu haben alle Fertigungsstätten für Gore Funktionstextilien weltweit den bluesign® Standard eingeführt.

Eine Jacke oder Hose mit GORE® THERMIUM™ Membrane lässt sich problemlos waschen – am besten Maschinenwäsche warm (40°C) mit Flüssigwaschmittel, zwei Mal klarspülen, möglichst wenig schleudern. Dabei kein Pulverwaschmittel, Weichspüler oder Bleiche verwenden. Danach an der Luft trocknen oder bei warmer Temperatur im Wäschetrockner (60°C). Nach dem Trocknen für weitere 20 Minuten bei niedriger Temperatur im Schongang in den Wäschetrockner geben oder mit geringer Wärme bügeln, um die wasserabweisende Imprägnierung (DWR) zu reaktivieren. Wer sich für eine professionelle Reinigung entscheidet, sollte fordern, dass reines, destilliertes Kohlenwasserstoff-Lösungsmittel und eine wasserabweisende Imprägnierung verwendet wird.

Ich bin gespannt was für Jacken die Hersteller im kommenden Winter auf den Markt bringen werden – in welcher Gewichtsklasse, mit welcher und mit wie viel Isolation?


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