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Einfach nur knipsen oder fotografieren? Was von unseren Outdoor-Abenteuern in unseren Köpfen bleibt, hängt insbesondere von den Bildern ab, die diese Erinnerungen wachhalten. Gute Fotos sind keine Hexerei, denn der richtige Blick durch die Linse kann geübt werden. Bekannt Outdoor-Fotografen helfen uns dabei.

Ratgeber Bergfotografie Tipps

Geschichte Berg- und Outdoorfotografie

Ansel Adams ist bei allen Outdoor-Fotografen eine bekannte Grösse. Seine Geschichte beginnt, als der damals 14-jährige für die Reise in den Yosemite Nationalpark eine etwas sperrige, rechteckige Box von seinem Vater bekam, in der ein Objektiv steckt. Wenn man den Auslöser drückt, lässt sich ein Film belichten, von dem man mit einigen Zaubertricken in der Dunkelkammer Bilder auf Papier bringen konnte – es handelt sich hierbei um eine der ersten Kompaktkameras. Ansel Adams war begeistert und begann, alles festzuhalten, was ihm draussen vor die Linse kam. Der Tag, der Ansel Adams Leben für immer verändern sollte, war der 17. April 1927: Er wanderte mit seiner zukünftigen Frau Virginia und drei Freunden zum Diving Board, einem Felsvorsprung mit imponierendem Blick auf das Felsmassiv des legendären Half Dome. Im Rucksack schleppte er seine 40 Pfund schwere Kameraausrüstung mit. Einige seiner Aufnahmen misslangen, doch dann gelang ihm ein Foto, das, wie er später sagte, «den grossartigsten Anblick, den die Sierra bietet» zeigt: das «Face of Half Dome».

Was Adams vor fast 90 Jahren tat, war im Grunde nichts anderes als das, was uns auch heute noch auf den Auslöser unserer Spiegelreflex-, Kompakt- oder Smartphonekamera drücken lässt: die Idee, den Augenblick festzuhalten. Doch was macht nun ein gutes Outdoor-Foto aus? Klassisch gesehen: der Blickwinkel, das Gespür für den Moment, das Licht, die Szenerie, die Darsteller, die Stimmungen. Thomas Senf aus Interlaken, einer der aktuell gefragtesten Bergsport-Fotografen der Schweiz, sagt hierzu: «Ein Bild muss beim Betrachter etwas hinterlassen. Und es ist natürlich die grösste Freude, wenn man diese Gefühle mit seinen Bildern transportieren kann und die Augen des Betrachters zum Glänzen bringt.»

Ein gutes Foto ist jedoch nur selten das Produkt eines Zufalls. Als Profis, so Christian Pfanzelt, müsse man den richtigen Moment teilweise sogar herbeiführen. Meistens braucht es eine mehr oder weniger grosse Vorbereitung, um den perfekten Moment für ein Bild zu erwischen, wozu natürlich auch die Überlegung gehört, was man eigentlich fotografieren möchte. Mit ein wenig Glück kommt dann tatsächlich noch der Zufall zu Hilfe und sorgt für unvorhergesehene, einzigartige Situationen. Wie Ansel Adams einst in demütiger Dankbarkeit scherzte: «Manchmal komme ich wohl genau dann an einen Ort, wenn Gott sagt: Jetzt wär’s schön, wenn einer den Auslöser drücken würde.»

Fotografieren ist also ein Handwerk, dessen grundlegende Techniken man beherrschen sollte. Doch wann und wie man welche Technik anwendet, ob man sie kombiniert oder einzeln einsetzt muss jeder für sich selbst entscheiden. Einige Techniken und Inspirationsmöglichkeiten können aber beim Finden der perfekten Einstellung helfen, weshalb wir einige Punkte, die führende Outdoor-Fotografen vorschlugen, zusammengetragen haben.

Ratgeber Bergfotografie – Licht

Egal ob Kompaktkamera oder Spiegelreflex – die gekonnte Bedienung der Kamera und ihre Möglichkeiten sollte man quasi blind beherrschen. Erst wenn man ohne lange zu überlegen den richtigen Knopf drücken oder drehen kann, ist es möglich, wirklich kreativ agieren zu können.

Es gibt drei Lichtregler, die hier kurz vorgestellt werden:

  1. Blende
  2. Belichtungszeit
  3. Iso-Einstellung

Zunächst zur Blende: Mit dieser lässt sich die Lichtmenge regulieren, die auf den Sensor der Kamera fällt. Kleine Blendenzahlen (z.B. 2.6) bedeuten eine grosse Öffnung, grosse Blendenzahlen (z.B. 22) eine kleine mit wenig Licht. Die Blende beeinflusst die Tiefenschärfe. Mit einer kleinen Blendenweite lassen sich Teile des Motivs scharf darstellen, während andere im unscharfen Hintergrund oder Vordergrund verschwimmen. Mit einer grossen Blendenzahl hält man die besten Panoramaaufnahmen fest, denn so wird vom Bach im Vordergrund bis zur Bergspitze im Hintergrund alles scharf.

Mithilfe der Belichtungs- oder Verschlusszeit kann man einstellen, wie lange Licht auf den Bildsensor der Kamera fällt. Bei langen Belichtungszeiten besteht die Gefahr von Verwacklungen durch eine Bewegung der Kamera oder des Motivs. Lange Belichtungszeiten lassen sich jedoch auch kreativ einsetzen, um Bewegungen dynamisch einzufangen. Kurze Verschlusszeiten hingegen frieren Bewegungen ein.

Zu guter Letzt noch die ISO-Einstellung: Der ISO-Wert gibt die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors wieder. Bei schlechen Lichtverhältnissen empfiehlt es sich, den ISO-Wert zu erhöhen, um zu lange Belichtungszeiten zu vermeiden. Hohe ISO-Werte können jedoch je nach Kamera u einer schlechteren Bildqualität führen.

Ratgeber Bergfotografie – Bildgestaltung

Nun zur Bildgestaltung, die neben den Grundeinstellungen das A und O eines gelungenen Fotos darstellt. Die erste Frage, die man sich stellen sollte, bevor man mit Fotografieren loslegt, ist, was man mit dem Bild aussagen möchte? Für eine harmonische Bildaufteilung ist der «Goldene Schnitt» auf jeden Fall eine sinvolle Grundregel – die natürlich auch bewusst gebrochen werden darf. Will man Überraschungen erzeugen, ist dies teilweise sogar unerlässlich. Bereits vor dem Fotografieren sollte man sich das Motiv, den Ausschnitt, den Vorder- und den Hintergrund überlegen. Auch die Frage nach Hoch- oder Querformat stellt sich, wobei man überlegen muss, wie das Motiv am besten zur Geltung kommt.

Tages- und Jahreszeit sowie Lichtverhältnisse stehen in einem engen Zusammenhang. Fast immer ist das Licht am Morgen und Abend am schönsten und modelliert Formen und Farben auf aussergewöhliche Art und Weise. Früh aufstehen oder spät zu Abend essen kann sich lohnen, da reizvolle Fotos entstehen können, wenn sich beispielsweise die Nebelschwaden langsam auflösen.

Ein weiterer Punkt, der nicht unterschätzt werden sollte, ist der Blickwinkel. Jeder kann mit der Kamera direkt vor der Nase rumlaufen – experimentieren lohnt sich also. Auf einen Fels zu klettern oder mal durch den Dreck zu kriechen kann sich lohnen. Nicht alles gelingt auf Anhieb, doch mit etwas Erfahrung gelingt es, mögliche Bilder im Kopf entstehen zu lassen und dann im Gelände umzusetzen. Die Kamera auch mal schräg, statt nur gerade zu halten, kann Spannung erzeugen und ein Bild einzigartig machen.

Auch die Nachbearbeitung am Computer ist ein wichtiger Aspekt des Fotografierens. Aus diesem Grund ist die Einstellung der Kamera auf Raw empfehlenswert, weil man noch mehr an Dynamik, Kontrast und Farben aus dem Bild herausholen kann.

Quellen: Adams, Pflanzelt, Senf, Nikon


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