Test Eiger extrem – Das Rennen um die Nordwand-Direttissima
6 / 10 Bewertung
PRO
  • gut geschriebene und detailgenau dargestellte Chronik der Erstbesteigung der John Harlin-Route
  • gut übersetzt
CONTRA
  • Bildmaterial teilweise eher wenig aussagekräftig
Testurteil
Eiger extrem – Das Rennen um die Nordwand-Direttissima von Jochen Hemmleb, Leni Gillman und Peter Gillman liefert auf 448 Seiten eine detaillierte, gut geschriebene und von Jochen Hemmleb ebensogut übersetzte Chronik der teilweise dramatischen Ereignisse rund um die Besteigung der John Harlin-Route 1966. Wer die Textsorte «Eigernordwandbesteigungsdrama» schätzt, ist mit dem Buch gut bedient.
Struktur/Aufbau6.5
Preis-Leistung6
sprachlicher Stil6.5
Qualität5.8
Umwelt/Nachhaltigkeit5

Fakten

Eiger extrem – Das Rennen um die Nordwand-Direttissima von Jochen Hemmleb, Leni Gillman und Peter Gillman, Zürich: AS-Verlag 2016, ISBN 978-3-906055-43-5

Angaben des Verlags:

Im Februar 1966 trafen zwei Bergsteigerteams am Fuss der Eiger-Nordwand ein. Ziel: die Wand auf einer neuen Direktroute zu durchsteigen. Das eine Team unter der Leitung des Amerikaners John Harlin – das andere, acht vergleichsweise unbekannte Kletterer aus Deutschland. Harlin plante einen schnellen Aufstieg im Alpinstil, während die Deutschen die Wand langsam und beharrlich durchsteigen wollten. Ein Wettrennen begann.

Über die nächsten fünf Wochen spielte sich in der Wand ein aussergewöhnliches Drama ab. Beide Teams kämpften mit verheerendem Wetter, Ausrüstungs- und Lebensmittelknappheit, Verletzungen und Erkrankungen. Anfangs folgten sie unterschiedlichen Routen, doch je höher sie in der Wand aufstiegen, desto mehr arbeiteten sie zusammen. Ende März gipfelte die Durchsteigung in einer nie zuvor dagewesenen Mischung aus Tragödie und Triumph.

Fast 50 Jahre später schildern Peter & Leni Gillman in «Eiger extrem» auf packende Weise die damaligen Ereignisse. Zum ersten Mal vereinigt das Buch die Sichtweisen beider Teams und erzählt die bislang unbekannte vollständige Geschichte der epischen letzten Tage der Durchsteigung – ein Überlebenskampf und Grenzgang, der in der Alpingeschichte seinesgleichen sucht.

  • 448 Seiten, 49 Abbildungen
  • 13,5 x 21.5 cm
  • Hardcover

Rezension Eiger extrem – Das Rennen um die Nordwand-Direttissima

Theatrale Stoffe werden dann zu Klassikern, wenn sie – recht in Szene gesetzt – Gehalte bergen, die unabhängig von den thematischen Konjunkturen der jeweiligen Gegenwart Aufschlüsse zur Erschliessung dieser Gegenwart erlauben. Und sicher ist das Narrativ «Eigernordwandbesteigung» eines, das alpinpublizistisch betrachtet als Klassiker gelten kann und darüber hinaus auch in Sachen Tragik und Dramatik verlässlich punktet. Die üblichen Verdächtigen unter den Keywords: Gefahr – Mut – Tod – Konkurrenz – Kameradschaft – Triumph – Scheitern – Schicksal – Willen: Je nach Erzählung wurden und werden diese Zutaten in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen zum Kult Eiger verfertigt, der sich aller Redundanz zum Trotz anhaltender Diskussion erfreut.

Und so, wie klassische Stoffe im Theater immer wieder neu aufgegriffen und erzählt werden, scheint auch die nordseitige Beseitigung des über Grindelwald drohenden Bergs stetig neu angegangen werden zu können oder zu müssen. Dass es dazu natürlich den ein oder anderen Superlativ braucht, um aus der inzwischen etwas dicht besiedelten Eiger-Publikationslandschaft herauszustechen, wundert nicht. Das eben erschienene Buch Eiger extrem – Das Rennen um die Nordwand-Direttissima von Jochen Hemmleb, Leni Gillman und Peter Gillman jedenfalls verspricht in diesem Sinne eine «nie zuvor dagewesene Mischung aus Tragödie und Triumph» – und verhandelt die dann doch eher bekannte Konstellation «zwei konkurrenzierende Teams/neue Route/viel geht schief/tragischer Tod des Protagonisten/Teams schliessen sich zusammen/kommen nach durchstandenem Drama schliesslich gemeinsam triumphierend auf dem Gipfel an». So der Plot der 1966 erfolgten Direttissma-Besteigung.

In der Tat bietet das mit 448 Seiten nicht eben dünne Buch dann eine von Peter und Leni Gillman gut geschriebene und von Jochen Hemmleb ebensogut übersetzte Chronik der Ereignisse rund um die Besteigung der John Harlin-Route. Die Gillsmanns sind erfahrene AutorInnen im Genre und Peter Gillmann hatte bereits 1966 über die Unternehmung berichtet sowie im Nachgang ein Buch («Eiger direkt») dazu veröffentlicht – entsprechend kenntnisgesättigt (manchmal auch etwas ermüdend detailgenau) fällt dieser neue Anlauf zum alten Thema aus – basierend auf Zeitzeugenberichten, (teils eher zufällig ausgewählt wirkende) Originalfotos und für die Kletterer unter den Lesern auch mit einer differenzierte Routenbeschreibung im Anhang. Wer also die Textsorte Eigerbesteigungsdrama weiterhin schätzt, ist mit dem Buch gut bedient.

Preis

Das Buch Eiger extrem – Das Rennen um die Nordwand-Direttissima kostet 29.80 CHF bzw. 26.90 €.

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