Test Ergobaby Performance Carrier
6.6 / 10 Bewertung
PRO
  • angenehmer Tragekomfort für Trageperson (z.B. breiter Hüftgurt)
  • leichtes Gesamtgewicht
  • einfache Benutzung dank diverser Schnallen und leicht verstellbarem Brustgurt
  • lässt sich ohne Probleme in der Waschmaschine waschen und trocknet schnell
  • Kind bleibt in akzeptabler aufrechter Haltung, wenn es schläft (kein Zusammensacken wie bei Kraxe)
  • Kopfstütze mit etwas Übung schnell einsetzbar (Knopf-System)
  • Preis
CONTRA
  • nicht geeignet für Babies und Kinder, die noch nicht laufen können (der Neugeboreneneinsatz ist nicht zu empfehlen: Er beachtet die anatomischen Voraussetzungen des Babys/Nicht-Lauflings nicht genügend. Der Hersteller ist anderer Ansicht.)
  • relativ kurzes Rückenteil (meines Erachtens erst für Kinder ab Laufalter)
  • fixer Steg
  • kein Tragetuchstoff (diagonalelastisch)
Testurteil
Der Ergobaby Performance Carrier eignet sich fürs Tragen von (Klein-)Kindern ab Laufalter bis zu einem Gewicht von 20 Kilogramm. Dank dem Einsatz leichtgewichtiger, atmungsaktiver und robuster Textilien eignet sich diese Tragehilfe für (sehr) aktive Tragende, die oft und körperlich fordernd mit einem Kind unterwegs sein möchten. Das Kind kann im Ergobaby Performance Baby Carrier vor dem Bauch, auf der Hüfte oder – was wohl in den meisten Fällen praktiziert wird – auf dem Rücken getragen werden.
Funktion7.4
Qualität/Verarbeitung6.7
Gewicht/Packmass7
Umwelt/Nachhaltigkeit5
Preis-Leistung7

Fakten

Ergobaby Performance Carrier, Farbe blau, Grösse Einheitsgrösse, Artikelnummer BCP42200NL

  • Gewicht: 657 g nachgewogen (650 g laut Hersteller)
  • Material: 98 % Polyester / 2 % Elasthan (Lycra®), Innenmaterial: 100 % Baumwollmischgewebe

Angaben vom Hersteller:

  • Für die Eltern: extra breiter Hüftgurt: verteilt das Gewicht des Kindes von den Schultern auf die Hüfte – für extra langes Tragen ohne Rückenschmerzen!
  • Für ihr Kind: gepolsterte Beinausschnitte und optimiertes Design des Po Bereichs für eine bestmöglich Unterstützung der korrekten Anhock-Spreiz-Haltung
  • 3 unterschiedliche Trageweisen: Vor dem Bauch, auf dem Rücken und auf der Hüfte
  • Eine flexible und fixierbare Kopfstütze hält den Kopf ihres Kindes und dient zusätzlich als Sichtschutz während des Schlafens und Stillens
  • Für Neugeborene (mit Neugeborenen-Einsatz) und Kleinkinder bis zum 4. Lebensjahr (3,2-20 kg)
  • gepolsterter, konkav geformter/geschwunger Schultergurt (61-112 cm) 25 cm länger als beim standard carrier
  • leicht verstellbarer Brustgurt (Schienensystem)
  • Gewicht: 6 bis 25 kg
  • Länge des Hüftgurtes: 60 bis 140 cm
  • Höhe Rückenteil: 40 cm
  • Stegbreite: 40 cm
  • 30° Maschinenwäsche
  • Made in India
  • Garantie 2 Jahre

Praxistest Ergobaby Performance Carrier

Als markenunabhängige Trageberaterin achte ich bei Baby- und Kindertragehilfen primär auf eine für beide – Trageperson und Tragling – anatomisch gute, bequeme Trageweise. Kind und Eltern dürfen durch das Tragen keine ungünstige Ausgleichshaltung einnehmen (müssen) oder in etwas gezwängt werden, das ihrer körperlichen Entwicklung entgegensteht. Vielmehr muss das Tragen dem Körper gutes Tun … denn in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist. Dies als eine Art Vorwort zum Testbericht des Ergobaby Performance Carrier.

Meine erste Trage-Variante – als Newbie-Mama – war der normale Ergobaby Original mit Neugeboreneneinsatz. Nach einmaligem Versuch, einem latent schlechten Gefühl und einer anschliessenden Internetrecherche verschwanden Ergobaby Original und Neugeboreneneinsatz jedoch für einige Monate im Schrank. (Der Einsatz hat bis heute das Tageslicht nicht mehr gesehen.) Erst seit mein Sohn selber laufen kann, dient uns der Ergobaby Original als Wandertragehilfe. Ich bevorzuge ihn, wenn es ums Wandern geht gegenüber meinen anderen Tragehilfen. Denn unter dem Strich leistet er mir stets sehr zufriedenstellende Dienste – die Vorteile überwiegen in meinem Fall.

Mein Ergobaby Original darf vollgeschwitzt und angesabbert werden, ohne dass ich mit der Wimper zucke. (Anders sieht es bei Luemai und Milamai aus, den Einzelanfertigungen aus dem Hause Tragebaby.) Gewaschen habe ich den Ergobaby Original auch schon mehrfach – nicht zuletzt aufgrund des unangenehmen Gerüchleins, das er aufgenommen hatte. Da mein Sohn und ich in der Woche zwei bis dreimal z’Bärg gehen, der Ergobaby Original aber zum Teil noch von der Vortageswäsche feucht war, suchte ich nach einer uns angepassten Tragehilfe. Die Features des Ergobaby Performance Carrier schienen perfekt zu unseren Bedürfnissen zu passen. Umso mehr freute ich mich auf den Test mit der «sportlichen» Tragehilfe.

Wer sind wir? Ich bin begeisterte Bergsportlerin und wandere am liebsten täglich auf unseren Hausberg. Mit Kind ist dies ebenfalls gut möglich. Schliesslich gibt es Tragetuch und Tragehilfe. Mein Sohn Neo ist 19 Monate alt, 12 kg leicht und Laufling seit zirka 6 Monaten. Bereits im Bauch war er auf manchem Berg mit dabei. Später trugen Papa und ich ihn mit MySol (z.B. von babyfein.ch), MilaMai oder LueMai (von tragebaby.ch). Seit Neo das Laufen gelernt hat, ist er oft im Ergobaby Performance Carrier auf Mamas Rücken zu sehen.

Neo und ich sind ein eingespieltes Wanderteam. Wir schaffen in zwei Stunden um die 900 Höhenmeter gepaart mit einigen Kilometern Horizontaldistanz. Mehr liegt in der Regel nicht drin, da er irgendwann lieber selber laufen möchte.

Der Ergobaby Performance Carrier ist handlich, robust und farblich ansprechend (blau). Er wurde von uns auf der Strecke Kriens – Fräkmüntegg mehrfach, so um die zehn Mal, eingehend getestet. Das leichte Gesamtgewicht ist ein für Bergsportler interessanter Vorteil. Wird der Tragling während einer Wanderung zum Laufling, kann die Tragehilfe einfach und wenig sperrig im Rucksack verstaut und bei Bedarf wieder hervorgeholt werden. Das überwiegend synthetische Material, welches der Ergobaby Performance Carrier aufweist, wurde von mir wie vom Kind ohne Probleme toleriert – ist also hautverträglich. Auch nach zehnmaligem Z’Bärg-Goh mit zweistündigen Schwitzeinlagen riechen die «neuralgischen» Stellen – nie gewaschen – noch neutral.

Das Auf-den-Rücken-Bringen und Herunternehmen ist für mich als Geübte kein Problem. Ausser, das Kind möchte um keinen Preis rauf. Dann wird’s mühsam. Für alle Anfänger/innen: Üben, üben, üben und nicht aufgeben. Es kann auch mal an der Tagesform liegen, wenn das Handling nicht will. Plötzlich geht es 1, 2.

Die diversen stabilen Schnallen (Hüftgurt, Schultergurte, Brustgurt) liegen angenehm in der Hand respektive Fingern und lassen sich einfach schliessen und öffnen. Die einfachen Gurten gleiten bereits beim ersten Anziehens ohne Widerstand durch die Schnallen. Dies ist ein Plus des Ergobaby Performance Carrier im Vergleich zu anderen Tragehilfen.

Vom Tragegefühl her fallen die – im Vergleich zum normalen Ergobaby Original – ergonomisch geformten, geschwungenen Schultergurte auf. Sie tragen nicht auf, haben eine angenehme Breite und sind folglich sehr bequem. Zusätzlich gefällt mir der Brustgurt des Ergobaby Performance Carrier, der mittels Schienensystem schnell und leicht in der Höhe angepasst werden kann.

Der extra breite Hüftgurt des Ergobaby Performance Carrier verteilt das Gewicht des Kindes gut, bringt jedoch den Nachteil, dass mehr Auflage- und deshalb Schwitzfläche besteht.

Wird Neo müde, legt er seinen Kopf auf meine Schulterflügel und schläft ein. Je nach Kopfhaltung, greife ich nach einem Bändel der Kopfstütze. Mit einer Yoga-ähnlichen Armaktion bringe ich ihn seitlich nach vorne und befestige ihn mittels praktischem Druckknopf am Schultergurt. Somit ist Neos Kopf seitlich gegen das Zurückkippen geschützt. Sofern das Kind es toleriert (mein Sohn gehört nicht zu der Sorte), kann die Kopfstütze ganz über das Köpfchen gelegt werden, indem beide Bändel auf je einer Seite angeknöpft werden.

Nebst den obigen positiven Punkte, gibt es meiner Ansicht nach jedoch auch verbesserungsfähige Dinge am Design des Ergobaby Performance Carrier (eigentlich bei allen Ergobaby Carriers):

Da die Tragehilfen von Ergobaby nicht aus Tragetuchstoff (diagonalelastisch) bestehen, passen sie sich nicht wirklich dem Körper des Traglings an. Ferner sind die seitlichen Schnallen – also, die Verbindung vom Rückenteil zu den Schultergurten – so platziert, dass ein Zug fast mittig auf das Rückenteil entsteht, sobald die Gurte festgezogen werden. Dieser Zug wiederum drückt den Rücken in eine für Neugeborene und Babies, die noch nicht laufen können, nicht anatomische Form. Es würde zu weit gehen, hier ausführlich über die körperliche Entwicklung (Stichworte: Lordosen, Kyphosen) von Babies zu schreiben. Jedenfalls bringt auch ein Neugeborenen-Einsatz, der das Baby auf einem Stoffpolster sitzen lässt und den Babykörper seitlich noch mehr stützt keine Haltungsverbesserung. Dies wiederum schreibe ich als Trageberaterin im Gegensatz zu den Empfehlungen des Herstellers.

Rückenteil und Steg haben eine fixe Länge respektive Breite. Ab einer gewissen Grösse des Kindes ist die Komforttrage Ergobaby Performance Carrier folglich zu klein. Andere Tragehilfen bieten die Möglichkeit, das Rückenpanel sowie den Steg zu erweitern (z.B. Milamai).

Als Zubehör gibt es laut Hersteller eine Tasche «Cargopack black», die an die bereitgestellten Schnallen (Rückenteil) angeklickt werden kann. Diese konnte ich nicht testen. Daher bin ich nach wie vor mit Bauchtasche à la Army Shop unterwegs. Für Tragespezialisten verweise ich auf die sogenannte «Onbag» – eine spezielle Tragetasche. Wer mehr wissen möchte, gerne einen Kommentar schreiben.

Noch angefügt werden muss, dass das «Täschli» mit Reissverschluss am Rückenteil nicht zu Portemonnaie-Transport-Zwecken oder Ähnlichem benutzt werden sollte. Es entstünde ein für den Kinderrücken inakzeptabler Druck. Meines Erachtens dient es höchstens als Spucktuch-Täschli – mehr nicht.

Fazit – der Ergobaby Performance Carrier ist eine Komforttrage, die einen Kompromiss zwischen Ergonomie und Bequemlichkeit macht. Mir ist der Ergobaby Performance Carrier sehr bequem. Wie dies mein Sohn empfindet, kann ich nicht mit 100%iger Sicherheit sagen. Ich vermute jedoch, dass er sich zurzeit noch wohl fühlt.

Mein Tipp zum Tragen von Babies und Kleinkindern wird jedoch stets derselbe bleiben: Teste in einer markenunabhängigen Trageberatung alle empfehlenswerten Tragehilfen eingehend aus. So verhinderst du Fehlkäufe und bleibst wahrscheinlich lange dabei, dein Kind an deinen Wanderungen teilhaben zu lassen. Viel Spass!

Preis

Der Ergobaby Performance Carrier kostet 159 CHF bei dolcino.ch.

Er ist in verschiedenen Farben lieferbar.

Links

Hersteller Ergobaby

Auskunft und Vertrieb in der Schweiz über Dolcino GmbH

Exkurs – weshalb bin ich PRO Tragehilfe und GEGEN den Einsatz einer Kraxe bin:

  • Das Kind kann in der Kraxe während des Schlafes in sich zusammensacken.
  • Das Kind hat in der Kraxe keine gute Sitzposition, d.h. die Beine werden bei den meisten Kraxen nicht gestützt. Es entsteht eine Art „Velosattel-ohne-Fusspedalen“-Sitz oder gar dasselbe Übel wie bei BabyBjörn und Co., denjenigen Tragehilfen, die unter Trageberater/innen keinen guten Ruf geniessen.
  • Der Trageschwerpunkt ist nicht nahe am Rücken, sondern nach hinten versetzt dort, wo das Kind sitzt. Zwar verteilen Hüftgurt und Schulterriemen das Gewicht gut auf den Tragenden. Dennoch ist der Schwerpunkt versetzt – es bedarf dessen Einkalkulation!
  • Das Kind sitzt sehr hoch. Der Tragende muss sich dessen stets gewahr sein: Auf herunterhängende Äste & Co. achten!
  • Positiv ist, dass das Kind vom Tragenden nicht vollgeschwitzt wird. Jedoch erhält es im Gegenzug keine Körperwärme, falls die Temperaturen tief(er) werden. Es gibt keine Tragejacke für Kraxen. Die Körpertemperatur des Kindes muss in kurzen zeitlichen Abständen kontrolliert werden.
  • Ein weiterer positiver Punkt ist, dass Gepäck mitgenommen werden kann. Die Kraxe bietet in der Regel zusätzlichen Stauraum. Jedoch kann das Gesamtgewicht (Kraxe, Kind, Gepäck) bald in die Nähe von 20 kg gehen. Wer nicht trainiert ist, kann durch dieses hohe Gewicht seinen Körper schädigen.

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