Test Trail Designs Fissure Ti-Tri
7.8 / 10 Bewertung
PRO
  • ultra-leicht
  • effizient
  • klein verpackbar
  • mit 3 verschiedenen Brennstoffen verwendbar
CONTRA
  • vorsichtiger Umgang beim Zusammenbau und Hantieren notwendig
  • Toaks Deckel (=kleine Bratpfanne) ist zu klein / nicht stabil
  • nur für eine Kochergrösse optimieres System
  • optimale Menge Spiritus pro Kochvorgang benötigt etwas Erfahrung
Dank Titanium und einem überraschenden Konzept ist der Trail Designs Fissure Ti-Tri Kocher ein Ultraleichtkocher, der klein und effizient funktioniert. Primär als Brennsprit Kocher konzipiert, verfügt er auch über die Möglichkeit Esbit und sogar Holz zu verfeuern. Für die optimale Holzverbrennung gibt es da noch das zusätzliche Inferno Set. Wer sich für alternative Kocherkonzepte fernab des traditionellen Gaskochers interessiert und leicht reisen möchte, der sollte sich diesen Kocher näher anschauen.
Funktion8
Qualität/Verarbeitung8.5
Gewicht/Packmass8.5
Umwelt/Nachhaltigkeit7
Preis-Leistung7

Fakten

Trail Designs Fissure Ti-Tri Kocher mit Toaks 1.1 l Pot (Bundle), Farbe: Metall/grau

  • Gewicht:
    • Ti-Tri Trichter 62 g (50 g laut Hersteller, abhängig von Pot-Grösse)
    • Brennsprit-Kocher 15 g (16 g laut Hersteller)
    • Simmer-Ring 5 g (7 g laut Hersteller)
    • Inferno-Set 53 g (45 g laut Hersteller, abhängig von Topfgrösse)
    • Heringe 2 Stück je 9 g (9 g laut Hersteller)
    • Gram-Cracker (für Esbit-Würfel) 6 g (3 g laut Hersteller)
    • Toaks Titanum 1.1 l Topf + Deckel (=Bratpfanne) 142 g (+ Packbeutel 23 g; Total 185 g gemäss Hersteller)
  • Material: Titanium (Trichter, Heringe), Aluminium (Kocher), Topf je nach gewähltem Modell (der gewählte Toaks Topf ist aus Titanium)

Angaben vom Hersteller:

  • Toaks 1100 ml Titanium Topf/Bratpfanne
  • 2 Teile Titanium Fissure Trichter, abgestimmt auf Kocher-Grösse
  • Titanium Gram Cracker Esbit Kocher Kit
  • 2 Titanium Hering für Holz-Feuerung Modus
  • Aluminum Alkohol Kocher, aus rezykliertem Material
  • Brennstoff-Flasche mit Messbecher
  • Option: Inferno Upgrade für Holz-Feuerung
  • Optional: Titanium Boden für Bodenschutz bei Holz-Feuerung
  • Optional: Simmer-Ring (erzeugt kleine Flamme zum Köcheln)
  • Made in USA
  • Garantie: keine Informationen
  • Nachhaltigkeit: Teile  werden aus bereits verwendeten Alu-Produkten weiter verarbeitet (Kocher, beim Caldera Keg Kocher wird eine Bierdose als Topf verwendet).

Praxistest Trail Designs Fissure Ti-Tri

Als ich vor zwei Jahren in Kalifornien auf der Sierra High Route unterwegs war – übrigens eine Top-Route für anspruchsvolles, einsames Hiking abseits von Wanderwegen in den Sierras – kreuzte ich auch den Pacific Crest Trail (PCT), der von Mexico nach Kanada führt. Bei den Thru-Hikern auf dieser Route hatte ich einen interessanten Kocher gesehen, der bei uns nicht verbreitet ist und der äusserst leicht und effizient ist: Der Caldera Kocher von Trail Designs. So war ich als Tester natürlich daran interessiert auch einen solchen Kocher auszuprobieren. Das gesehene Modell ist ein Brennsprit 1-Personen-Kocher mit einer umgebauten Bierdose als Pot (Modell: Caldera Keg-F Stove System; vgl. Produktbild unten).

Getestet habe ich nun ein zwar immer noch superleichtes Modell, welches aber gut für zwei Personen nutzbar ist und als wirklicher 3-Brennstoff-Kocher funktioniert: Der Trail Designs Fissure Ti-Tri. Dabei steht Ti für Titanium und Tri für drei Brennstoffe. Neben Brennsprit kann auch Esbit (Festbrennstoff-Tabletten) und Holz genutzt werden. Möchte man eine optimierte Holzbefeuerung, dann gibt es hierzu das optionale Inferno-Set. Geht einem unterwegs mal der Brennsprit aus, kann ein kleines, effizientes Feuer für das Aufheizen eingesetzt werden. Der Kocher wird für eine spezifische Kochergrösse optimiert, ich habe hierzu eine 1.1 l Titanium Pfanne mit Deckel von Toaks gewählt. Der Deckel kann dabei als kleine Bratpfanne verwendet werden. Trail Designs bietet als Bundle diverse Top-Töpfe an. Alternativ kann aber auch nur ein Kocher bestellt werden, wobei dann der Kocher für deine Pfanne passgenau geliefert wird.

Wieso ist die Grösse des Topfes entscheidend? Der Trail Designs Kocher (Caldera und Ti-Tri) besteht im Grundsatz aus zwei Bestandteilen: ein optimierter Becher für den Brennsprit (=Kocher) und ein Kegel (Cone) aus Titanium oder Aluminium, der oben schmaler ist und bei welchem der Topf von oben eingeführt wird. Dabei wird der Kesselrand auf dem Kegel aufsetzt und so fixiert. Stimmt die Grösse nicht, fällt der Topf hinein oder er kann nicht eingeführt werden. Unten im Kegel wird der Kocher hingestellt. Alternativ kann hier auch der Esbit-Halter („Gram Cracker“) hingestellt werden.

Mit diesem Konzept wird erreicht, dass der Topf sehr stabil steht (unten ist der Kegel breit) und zudem die Wärme des Kochers optimal von unten und der Seite den Kessel erwärmt. Da der Topf auf diese Weise vom Boden bis zum Rand eingeschlossen wird, ist das System auch gegen Windeinfluss weitgehend immun. Der Trichter wird mittels einer Steckverbindung zusammen geschoben, lässt sich somit einfach kleiner rollen und optimal einpacken. Ein einfaches und durchdachtes System, wobei aber nur der spezifisch passende Kocher eingesetzt werden kann.

Was bei mir nicht richtig funktioniert hat: Der Deckel des Toaks Topfs kann auch als kleines Bratpfännchen eingesetzt werden. Leider ist dieses Bratpfännchen aber eine Spur weniger breit als der Aussenrand des Topfes. Bei mir liegt dieser nicht stabil auf, fällt sogar gerne in den Trichter. Helfen kann man sich, indem man die beiden Heringe (eigentlich für die Verwendung bei der Holzfeuerung gedacht) einsetzt und das Pfännchen darauf setzt. Dies ist dann auch gar nicht schlecht.

Beim getesteten Trail Designs Fissure Ti-Tri ist der Trichter zweiteilig, die beiden Teile werden mittels Metallstifte zusammengehalten. Dank der Aufteilung in zwei Trichterteile werden diese weniger hoch, passen so zusammengerollt in den Topf hinein. Und nun kommt der eigentliche Clou: Das System inkl. Topf kommt nur auf gut 220 g (+ Brennsprit und Flasche je nach Bedarf). Möchte man noch die Inferno Erweiterung für die optimierte Holzverbrennung einsetzen, so ist man immer noch bei nur gerade 290 g dabei.

Die mitgelieferten Bedienungsanleitungen sind minimalistisch. Am besten schaut man sich vor dem Erstgebrauch die guten Anleitungsvideos von Trail Designs an, damit man den Kocher korrekt zusammen baut und in Betrieb nimmt. Beim Aufbau werden die Titanium-Bleche zusammen geschoben und aufeinander gesetzt. Dies geht gut und einfach, sollte aber mit Vorsicht gemacht werden, damit man nichts verbiegt. Auch sind die Ecken und Kanten der Bleche relativ scharf.

Anzünden lässt sich der Brennsprit Brenner gut und rasch gibt es ein starkes Feuer. Als Option gibt es hier auch einen Simmer-Ring, welcher die Flamme klein Hält. Der Kocher braucht fünf bis zehn Minuten, je nach Wassermenge. Für den vollen Topf mit einem Liter Wasser habe ich zehn Minuten gestoppt. Dies ist nicht superschnell, für einen Brennsprit-Kocher aber total okay. Etwas Übung benötigt die Dosierung der Brennsprit-Menge, damit dieser beim Kochen nicht ausgeht. Auch das zurückgiessen des Brennsprits aus dem Trail Designs Fissure Ti-Tri ist schwierig. Alternativ kann auch Trockenbrennstoff eingesetzt werden. Da der mitgelieferte Einsatz (Gram Cracker) eigentlich nichts wiegt, kann man den ja dabei haben und im Notfall auch mal einsetzen. Ich persönlich bin kein Fan von Esbit, es ist schwieriger zum Anzünden, kann nicht reguliert oder dosiert werden, die Flamme ist weniger gross/heiss etc. Als Notfall aber durchaus okay.

Viel interessanter als die Esbit-Kochfunktionalität finde ich den Holzeinsatz. Grundsätzlich kann der Trail Designs Fissure Ti-Tri auch ohne den Inferno-Einsatz mit Holz betrieben werden. Der Inferno-Einsatz aber – mit rund 70 Gramm auch nicht wirklich schwer und klein verpackbar – soll den effizienten Einsatz von Holz ermöglichen. Dabei wird einerseits im Inneren des Kegels noch ein zweiter Trichter eingefügt, zudem stellt ein Mini-Rost sicher, dass das Feuer gut unterlüftet ist. Somit zieht die Luft von unten durch das kleine Feuer und sichert so eine gute Verbrennung. Ein zusätzliches Titanium Blech schützt den Boden vor allfälligen Brandlöchern (Leave-no-mark). Zudem wird beim Holzfeuer der Kocher mittels zweier leichter Heringe höher fixiert. Somit hat das Feuer genügend Platz und durch den so entstandenen freien Schlitz kann auch gut zusätzliches Holz nachgeladen werden. Dies ist auch wichtig, da der Feuerraum klein ist und entsprechend die Holzstückchen schnell verbrannt sind. Mein Fazit: Der Inferno brennt sehr gut, man muss dabei schauen, dass das Feuer nicht zu gross wird und die Griffe abbrennt. Natürlich wird der gesamte Kocher und Topf bei dieser Verbrennung viel dreckiger als bei einer Brennsprit-Verbrennung. Aber als Option und um Brennstoff bzw. Gewicht bei längeren Unternehmungen zu sparen ist dies eine coole Sache.

Noch einige Hinweise zum Thema Kochertypen und Brennstoffe von Outdoor-Kochern, die für die allgemeine Evaluation wichtig sind. Natürlich ist die Entscheidung des Brennstoffes zu einem gewissen Teil auch eine Geschmacks- und Glaubenssache. Und so gibt es eine umfassende und jahrelange Diskussion, aber in den letzten Jahren auch einige Innovationen. Grundsätzlich gilt aber bzgl. Brennstoffen nach wie vor, dass Brennsprit-Kocher dank der einfachen Konstruktion des Kochers punkten können, zudem der Brennstoff billig und gut erhältlich ist. Gas ist bzgl. dem Handling sehr einfach, braucht aber Kartuschen, die man nicht überall erhält und bei hohem Verbrauch eine ganze Menge an Kartuschen produziert – was auch ins Geld geht. Benzinkocher sind effizient, v.a. auch bei tiefen Temperaturen, benötigen aber eine dichte, druckresistente Flasche und sind grundsätzlich etwas anspruchsvoller in der Wartung als ein Gaskocher. Bei Holzkochern spart man sich den Kauf und Transport von Holz, ist aber darauf angewiesen, dass man unterwegs Holz findet (z.B. bei alpinen Touren schwierig) und dies nach Möglichkeit auch trocken ist. Aufgrund der unterschiedlichen Eigenschaften gibt es für jede Technologie Gründe dafür und dagegen. Mit dem Trail Designs Fissure Ti-Tri hat man Dank der Verwendungsmöglichkeit von Brennsprit, Esbit und Holz aber sicherlich eine hohe Flexibilität und wenig Abhängigkeiten, wenn man unterwegs ist.

Mein Fazit: Wenn es leicht sein soll, ist der Trail Designs Fissure Ti-Tri ein Top-Kocher. Das Hantieren mit den Titanium-Blechen oder auch der Feuerung mit Holz ist aber nicht jedermanns Sache. Da ist der Einsatz eines klassischen Gas-Kochers gerade für den wenig geübten Camper einfacher. Bei sehr tiefen Temperaturen wäre wiederum ein Benzin-Kocher optimaler. Für Outdoor-Enthusiasten die gerne einen leichten Brennsprit-Kocher haben, ist dieser Kocher aber ein Schmankerl.

Preis

Das getestete Trail Designs Fissure Ti-Tri Bundle mit Toaks 1.1 l Topf/Bratpfanne kostet 160 USD, die Inferno Option inkl. Boden kostet zusätzlich 50 USD. Den Simmer Ring gibt es für 10 USD. (Den Fissure Ti-Tri ohne Topf gibt es für 130 USD).

Links

Hersteller Trail Designs

Auskunft und Vertrieb direkt über den Hersteller