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UTMB 2017 – Interview mit Andrea Huser

Sucht man nach den Schweizer Ultra Trail Athleten, findet man knapp zwanzig Namen. Einer davon ist Andrea Huser. Dieser Name ist auf vielen Ranglisten diverserer Ultra Trail Rennen der letzten Jahre zu finden. Topten-Platzierungen sind dabei nicht ungewöhnlich. Andrea Huser ist in der Ultra Trail Szene eine bekannte Persönlichkeit.

Wie im Jahr zuvor ist Andrea am diesjährigen Ultra Trail Mont Blanc 2017 (UTMB) als zweite Frau in Ziel gelaufen. Hinzu kommt, dass sie weniger als drei Minuten nach der Siegerin im Ziel eingelaufen ist. 167.5 km in 25 Stunden 49 Minuten und 18 Sekunden – eine beachtliche Leistung. Im Interview mit ICH LIEBE BERGE spricht sie über den UTMB, ihre Ausrüstung und die Sportart Ultra Trail im Allgemeinen.

ICH LIEBE BERGE: Salut Andrea. Erstmals herzliche Gratulation zum erfolgreichen Rennen von gestern.

Andrea Huser: Danke, auch ich war überrascht vom Ergebnis.

ICH LIEBE BERGE: Ein Ultra Trail Rennen wie hier rund um den Mont Blanc ist ja sicherlich aussergewöhlich. Wie viele solcher Rennen läufst du pro Saison?

Andrea: In einem Jahr kommen schon ein paar Rennen zusammen. Jedoch sind nicht alle in der Grössenordnung des UTMB. Dieses Jahr habe ich am Transgrancanaria teilgenommen und später in der Saison steht noch die Diagonale des Fous [Anm. Der REd.: auch bekannt als Grand Raid Réunion] auf der Insel La Réunion an. Diese zwei Rennen gehen über ähnliche Distanzen. Auch am Eiger Ultra Trail habe ich dieses Jahr teilgenommen und gewonnen.

ICH LIEBE BERGE: Es gibt ja mehr Rennen als ein Athlet während eines Jahres bestreiten kann. Warum hast du dich für den UTMB entschlossen?

Andrea: Der UTMB ist schon speziell unter den Ultra Trails. Die Umrundung des Mont Blanc, die Bergwelt und die Stimmung machen ihn zu einem besonderen Anlass. Das erste Mal habe ich im Zusammenhang mit dem Alpine Marathon Davos vom UTMB gehört. Ich habe gelesen, dass ich durch das Absolvieren des Alpine Marathons Davos drei Punkte für den UTMB gesammelte habe. Um am UTMB teilnehmen zu können, muss man erst eine Anzahl Punkte sammeln, indem man an anderen Rennen mit läuft und diese beendet. So setzte ich mir zum Ziel auch den UTMB zu laufen, was die letzten Jahre auch immer wieder funktioniert hat.

ICH LIEBE BERGE: Wie ist es mit der Ausrüstung. Wenn du schon so viele Rennen gemacht hast und so oft trainierst, passt du deine Ausrüstung nach jedem Rennen an oder nimmst du immer das Gleiche mit, weil es sich bewährt hat?

Andrea: Viele der Sachen welchseln immer wieder. Bei den meisten Sponsoren gibt es jedes Jahr ein neues Modell. Bei anderen Sachen wie den Schuhen oder Stöcke ist der Verschleiss ziemlich gross und so wechseln auch diese immer wieder. Grundsätzlich ist es wichtig, dass alles leicht ist. Das Gewicht ist sehr entscheidend bei der Wahl der Ausrüstung.

ICH LIEBE BERGE: Hast du irgendeine Lieblingsausrüstung, etwas dass du bei jedem Rennen immer dabei hast?

Andrea: Mal überlegen… Nein, ich denke nicht. Es gibt zum Beispiel wichtige Sachen wie die Stöcke, aber Lieblingssachen in dem Sinn, habe ich so keine.

ICH LIEBE BERGE: Ist dir auch mal ein Stock gebrochen?

Andrea: Ja, beim Eiger Ultra Trail ist mir während dem ersten Aufstieg der Stock gebrochen. Ich bin dann mit nur einem Stock weitergelaufen. Meine Unterstützungsperson hat immer ein Paar Ersatzstöcke dabei, welche sie mir beim nächsten Versorgungsposten geben konnte.

ICH LIEBE BERGE: Wie war der UTMB 17 für dich? Wann war der schlimmste Moment des Rennens?

Andrea: Am meisten Mühe hatte ich beim ersten Aufstieg. Als ich in der Steigung war fühlte ich mich irgendwie müde und hatte schwere Beine. Aber dann muss man im Kopf umschalten. Ich habe mir selbst gesagt, das kommt noch, jetzt einfach dran bleiben. Und mit der Ablenkung wurde es dann auch besser.

ICH LIEBE BERGE: Und wann der beste?

Andrea: Der beste Moment war, als ich erfahren habe, dass ich aktuell auf dem dritten Platz bin und ich nach hinten einen soliden Vorsprung hatte. Und als dann noch die Zweitplatzierte ausfiel, erbte ich ihren Rang.

ICH LIEBE BERGE: Wie erfährst du von deiner aktuellen Platzierung während dem Rennen?

Andrea: Das ist unterschiedlich. Manchmal sagen es mir die Zuschauer, mal erwähnt ein Helfer etwas. Meistens bin ich froh um diese Informationen. Es entspannt mich zu wissen, dass meine Verfolgerin 30 Minuten oder mehr hinter mir ist. Dann kann ich ohne Druck weiterrennen und muss nicht befürchten, gleich überholt zu werden.

ICH LIEBE BERGE: Nach dem Zieleinlauf wurdest du gefragt, was dir durch den Kopf ging, als du wusstest, dass dich nur wenige Minuten von der Führung trennten. Deine Antwort darauf war: «Ich wollte ihr nicht auf dem letzten Kilometer den Sieg streitig machen. Sie war so lange in Führung, da hätte ich sie nicht am Schluss überholen wollen.» So eine Aussage hört man selten von Spitzensportlern. Kann es sein, dass es zur Ultra Trail Mentalität gehört, dass man sich gegenseitig mit so viel Respekt begegnet?

Andrea: Ja, das ist sicherlich so. Das gehört zu den Dingen, die ich an diesem Sport besonders geniesse. Es existiert eine Verbundenheit unter den Läufern. Es ist viel Respekt vorhanden und man freut sich über die Erfolge des «Gegners». In erster Linie geht es darum ein gutes Rennen zu laufen. Wenn die Leistung dann zum Sieg reicht, ist dies gut. Ich habe den zweiten Platz gewonnen und nicht den ersten verloren.

ICH LIEBE BERGE: Das ist ein schönes Schlusswort. Danke für das Interview, ich wünsche dir gute Erholung.

Andrea: Auch ich danke für das Gespräch.

Quelle/Disclaimer: Die Einladung zum UTMB erfolgte durch Montrail. Unterkunft und Verpflegung sowie Transport vor Ort wurde übernommen, um auf ICH LIEBE BERGE über die Veranstaltung berichten zu können. ICH LIEBE BERGE war zu keiner Zeit dazu verpflichtet, eine vorgegebene Meinung zu veröffentlichen. Der Inhalt dieses Artikels spiegelt lediglich die Ansichten des Autors wider.


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