Weiter gehts: Ich absolviere nach dem Grundkurs 1 den zweiten Klettertechnikkurs. Nach dem Kurs Klettertechnik Toprope folgt nun das Pendant für den Vorstieg, der Kurs Klettertechnik Vorstieg. Schon der erste Technikkurs hat mir enorm viel gebracht, da ich inzwischen mehr darauf achten kann, meine Arme zu entlasten und meine Beine besser einzusetzen. Ich war also vor dem Kurs sehr gespannt, was mich im Klettertechnik Vorstieg-Kurs erwarten würde!

Kletterkurs für Anfänger: Klettertechnik Vorstieg – Ablauf und Eindrücke

Auch diesen Kletterkurs absolviere ich im Kletterzentrum Gaswerk Schlieren / Zürich. Ich muss schmunzeln, als Rahel auftaucht. Sie hat auch den Kurs Klettertechnik Toprope geleitet und erkennt mich wieder. Sie ist wohl auch ein wenig beeindruckt, dass ich alle Kurse absolviere, anscheinend machen das nicht so viele? Wir gehen, wie beim letzten Technikkurs, zur Übungswand. Nachdem wir uns vorgestellt haben, dürfen wir eine Länge Bouldern, damit sie sieht, wo unser Potenzial liegt, um unsere Klettertechnik Vorstieg zu verbessern. Zuerst sollen wir die Griffe möglichst sanft anfassen, als wären sie rohe Eier, die nicht kaputt gehen dürfen.

Nach dieser relativ einfachen Übung geht es darum, im “langen Arm” zu klettern, was bedeutet, dass wir nicht die Arme anziehen sollen, sondern die Beine. Wir versuchen es. Doch sofort merken wir, dass wir die Griffe wieder mehr umklammern. Vermutlich weil das eine für uns ungewohnte Art zu klettern ist. Rahel lässt uns die Übung wiederholen, dieses Mal bringt sie eine Metapher: Die Griffe sind Hamster, ganz kleine Baby-Hamster, die wir nicht zerquetschen dürfen. Voll fies, aber gut. Ich muss zugeben, dieses Bild hat mir geholfen, die Griffe sanft anzufassen.

Nach dieser Übung dürfen wir den langen Arm und die erhöhte Beinarbeit an einer Route ausprobieren. Ich merke, dass es einfacher geht, die Route zu klettern. Nachdem alle zwei Routen durchgeklettert sind, fragt uns Rahel, in welcher Reihenfolge wir klettern sollen. Wir versuchen, sie anzuleiten, was wirklich komplett fehlschlägt. Sie hängt schlussendlich richtig komisch an der Wand, woraufhin sie uns erlöst und erklärt, in welcher Reihenfolge man optimalerweise klettert:

  • Zunächst befindet man sich in einer Ausgangsposition, den Arm gestreckt, die Füsse stabil an der Wand.
  • Anschliessend sucht man sich den Griff, den man als nächstes packen möchte und beginnt, die Bewegung mit den Beinen einzuleiten. Das heisst konkret, dass die Beine so positioniert werden, dass man sich nach oben zum nächsten Griff drücken kann.
  • Hat man diese Position gefunden (die Beine sollten nicht mehr als einen 90 Grad Winkel aufweisen, da sonst die Effizienz in der Aufwärtsbewegung verloren geht), drückt man sich nach oben und greift nach dem gewünschten Griff.
  • Hat man ihn erreicht, verschiebt man seinen Körperschwerpunkt und nimmt wiederum eine stabile Position ein, der Arm, der den Zug unterstützt hat, wird ausgeschüttelt.

Klingt eigentlich ganz einfach, in der Praxis ist es das aber nicht wirklich. Man muss sich erst an die Bewegungsabläufe gewöhnen, was wir anschliessend versuchen. Die letzte Übung des Abends sollte uns nochmals dafür sensibilisieren, unsere Beine mehr zu beanspruchen als unsere Arme. Wir wurden von Rahel aufgefordert, unsere Beine, wie eben gelernt, richtig zu positionieren und dann mit Schwung aus der Hüfte den nächsten Griff zu packen. Die Aufgabe hatte jedoch eine kleine Schwierigkeit: Wir sollten im Doppel-Dynamo klettern, was bedeutet, dass beide Arme gleichzeitig losgelassen werden mussten und auch gleichzeitig den nächsten Griff packen sollten. Die Aufgabe war etwas anspruchsvoller als die vorhergehenden, hat aber echt Spass gemacht.

Zum Schluss erhalten wir eine kleine Hausaufgabe: Wir sollen uns die Bewegungsabläufe, bzw. die korrekte Reihenfolge beim Klettern merken. Ich habe hierzu ein echt gutes Bild bei mobilesport.ch gefunden.

Teil 2: Anwenden

Eine Woche später, beim zweiten Teil des Kurses Klettertechnik Vorstieg, beginnen wir mit einem Spiel. Es kennt wohl jeder: Rucksack packen. Rahel machte den Anfang und kletterte drei Griffe, der nächste musste die exakt gleichen Griffe und einen weiteren Klettern und so weiter. Das war etwas knifflig, aber unterhaltsam. Die Aufgabe diente dem bewussten Klettern einer Route und anschliessend sollten wir in Gruppen eine weitere Route erfinden.

Anschliessend zeigte uns Rahel an den Toppas-Geräten, wie man eine Route richtig liest. Man schaut sich die Griffe nacheinander an und entscheidet, mit welcher Hand man den Griff am besten packt. Danach macht man dasselbe mit den Tritten, nur nicht ganz so ausführlich. Anschliessend durften wir uns eine Route aussuchen, sie zu zweit besprechen und dann Klettern. Und weil es so warm war, gingen wir nach einiger Zeit nach draussen, um unsere Analysier- und Kletterfähigkeiten weiter auszubauen. Der zweite Teil des Kurses bestand also grösstenteils aus der Umsetzung der in der Woche zuvor gelernten Techniken und Abläufe, was meines Erachtens sehr viel gebracht hat!

Zum Schluss kann ich sagen, dass sich die beiden Klettertechnik-Kurse in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich sind. Hätte ich nicht das komplette Kurspackage gebucht, würde ich zukünftigen Kursteilehmern empfehlen, auf jeden Fall den Kurs Klettertechnik Vorstieg zu besuchen. Hier wird vieles, was im Kurs Klettertechnik Toprope gelernt wird, erneut aufgenommen und vertieft. Für jene, die die Ruheposition kennen und wissen, dass man sich vor dem Klettern aufwärmen sollte, ist der Kurs Klettertechnik Toprope nicht zwingend zu absolvieren.

Informationen zu diesem Kletterkurs und allen anderen Kletterkursen findest Du auf der Website des Kletterzentrums. Wie die Serie zum Klettern weitergeht? Mit dem Technikkurs Stürzen und Sichern.

About The Author Giuliana Schintu