Eine grosse Überraschung so kurz vor Weihnachten ist sicher der Eintritt von Arc’teryx in den Lawinenrucksack- und Skitourenschuh-Markt. Hendrik Morkel war für ich-liebe-berge.ch in Vancouver vor Ort bei der Vorstellung des Arc’teryx Voltair Lawinenrucksacks und Arc’teryx Procline Carbon Lite Skitourenschuhs. Dabei hat er sie gleich im kanadischen Backcountry testen können. Hier ein erster Eindruck von diesen zwei Weltneuheiten.

Lawinenrucksack Arc’teryx Voltair

In die Entwicklung des Arc’teryx Voltair Avalanche Airbag hat Arc’teryx sage und schreibe sechs Jahre investiert. Das gibt uns eine Idee, wie viel Aufmerksamkeit fürs Detail die Kanadier in diesen Lawinenrucksack gesteckt haben. Wer hört, dass es sich um einen elektrischen Lawinenrucksack handelt, vermutet sicher Ähnlichkeiten mit den JetForce-Lawinenrucksäcken. Aber dem ist nicht so. Der Voltair wurde von Grund auf von Gordon Rose und Peter Hill entwickelt. Er weisst kaum Gemeinsamkeiten mit der Technologie von JetForce auf.

Das Herz des Arc’teryx Voltair ist ein wiederaufladbarer 22.2 V Lithium-Polymer-Akku, die zwischen 8 und 16 Einsätze bei bis zu -30 °C erlaubt. Das macht es dem Benutzter möglich, sich mit dem Rucksack vertraut zu machen und das Auslösen des Airbag zu üben. Üben, damit man im Ernstfall weiss, wie alles funktioniert und sich der Lawinenrucksack verhält.

Die Batterie kann einfach aus dem Rucksack genommen werden. Das macht die Mitnahme des Lawinenrucksacks im Flugzeug einfach, bei denen Akkus und Batterien nicht im Handgepäck transportiert werden dürfen. Der Akku ist einfach An- und Auszuschalten. Ein grünes Licht an der Seite des Rucksack zeigt die Einsatzbereitschaft an.

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Der Auslösegriff ist mit dem Airbagsystem per Kabel verbunden, das den Airbag mechanisch auslöst. Arc’teryx wollte eine narrensichere Auslösung garantieren. Gerade bei zu viel Elektronik und sehr niedrigen Temperaturen gibt es zu viele Sachen, die nicht funktionieren könnten. Daher die mechanische Auslösung – sie funktioniert auch bei -30 °C. Oder auch, wenn der Lawinenrucksack eine ganze Nacht draussen in Schnee und Eis gelegen hat. Ein einfacher Zug am Auslösegriff und der Airbag entfaltet sich in unter fünf Sekunden.

Das zweite Herzstück des Arc’teryx Voltair Avalanche Airbag ist das speziell angefertigte Zentrifugalgebläse. Es garantiert den richtigen Druck auch bei sehr schlechten Wetterkonditionen. Der hohe Druck des Zentrifugalgebläses bläst den Ballon in unter fünf Sekunden auf. Selbst wenn der Airbag kleine Risse oder Einstiche haben sollte, wird er gefüllt.

Die einfach zu benutztende Beinschlaufe sowie der Gurt sind von Eiskletter-Clips inspiriert und können auch mit Handschuhen einfach ein- und ausgeklippt werden. Gurt und Beinschlaufe sind komfortabel und garantieren, dass der Lawinenrucksack Arc’teryx Voltair in einer Lawine sicher am Körper bleibt.

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Der Rucksack des Arc’teryx Voltair Avalanche Airbag selbst ist aus wasserfestem, getaptem AC²-Material gefertigt. Er hat nur zwei Fächer: ein Frontfach für die Lawinenausrüstung und ein Hauptfach. Der Rucksack kommt in zwei Grössen: 20 Liter und 30 Liter. Dabei ist das angegebene Volumen benutzbares Volumen. Es war kein Problem, Kamera, Pausenbrote, Thermosflasche, ein kleines Stativ sowie extra Kleidung im 30-Liter-Rucksack unterzubringen. Der Arc’teryx Voltair 20 (20-Liter-Rucksack) wird 1650 € und der Arc’teryx Voltair 30 (30-Liter-Rucksack) 1700 € kosten. Der Arc’teryx Voltair wird ab Herbst 2016 erhältlich sein.

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Skischuh Arc’teryx Procline Carbon Lite

Der Arc’teryx Procline Carbon Lite Skischuh ist ein Schuh, der es alles können soll: mit den Ski aufsteigen, Steigeisen anziehen, klettern und natürlich oben wieder in die Ski steigen und durch den Tiefschnee abfahren. Alles, ohne die Schuhe auszuziehen. Es ist der erste echte Skitourenschuh für Alpinisten und Bergsteiger. Ein Schuh, der es erlaubt, mit nur einem Paar Schuhe in die Berge zu gehen, um seine Passionen auszuleben.

Möglich macht das beim Arc’teryx Procline Carbon Lite vor allem der 360° Rotational Cuff – ein Schaft, der nicht nur wie bei einem Skischuh gewohnt eine vertikale Bewegung erlaubt, sondern auch eine laterale. Der Procline Carbon Lite erlaubt 23° seitliche Bewegungsfreiheit nach innen und 12° nach aussen. Das ist bei steilen Traversen im Aufstieg sowie Kletterpassagen sehr nützlich. Man kann die Ski oder die Steigeisen deutlich genauer platzieren – sei es in einem steilen Hand, um bessere Haftung mit dem Fell zu haben oder beim Klettern in Eis und Fels. Das Besondere an diesem Schaft ist, dass er in der Mitte hinten geteilt ist.

Arc'teryx Procline Carbon Lite ski boot
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Auch sonst hat der Arc’teryx Procline Carbon Lite einiges zu bieten: eine Grilamid-Schale und der Schaft aus Karbon und Grilamid machen den Schuh zu einem echten Leichtgewicht mit nur 1190 Gramm (bei Grösse 27,5). Die hochgradig wasserabweisende Gamasche aus Cordura hält Schnee und Wasser von Innenschuh fern. Eine einzigartige Kombination verbindet im unteren Teil eine Schnürung mit der Schnalle, die für einen angenehmen Sitz sorgt – mit 15-facher Anpassbarkeit. Untendrunter gibt eine Vibram-Sohle sicheren Halt auf Schnee und Fels. Mit den Dynafit zertifizierten Pins passt der Skitourenschuh in alle gängigen Tourenskibindungen.

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Arc'teryx Procline Carbon Boot, Procline Mn's Lite and Procline Women's Lite

Den Skischuh Arc’teryx Procline wird es ab Herbst 2016 in drei Variaten mit jeweils zwei verschiedenen Linern geben:

  1. Der Arc’teryx Procline Carbon Lite ist das ultraleichte Topmodell und wird 730 € kosten. Der Arc’teryx Procline Carbon Support kostet mit 700 € etwas weniger. Er hat den Support Liner, welcher etwas schwerer ist, dafür aber mehr Unterstützung beim Skifahren gibt.
  2. Der Arc’teryx Procline Women’s Lite Lite ist speziell auf den weiblichen Fuss abgestimmt. Er kommt in einer Lite (1060 g bei Grösse 25,5) Version für 580 € und in Support ( 1120 g bei Grösse 25,5) Version für 550 €.
  3. Der Arc’teryx Procline Men’s Lite wiegt 1190 g bei Grösse 27,5 und kostet genau wie das Frauenmodell 580 €, während der Arc’teryx Procline Men’s Support 1260 g bei Grösse 27,5 wiegt und 550 € kosten wird.

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Hendrik Morkel ist freischaffender Fotograf & Journalist und schreibt Skandinaviens meistgelesenen Outdoor-Blog Hiking in Finland.

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