Wandern auf dem Mullerthal Trail, Luxemburg – die kleine Schweiz: drei Tage, drei Routen, drei Welten

Wandern in Luxemburg? Das geht. Sehr gut sogar. Ganz erstaunlich, was die kleine Schweiz zu bieten hat. Vielfältig, abwechslungsreich und lieblich. Es sind keine hohen Gipfel, die verzaubern. Viel mehr laden verwunschene Wege, Schluchten und eindrückliche Felsformationen zum Staunen ein. Und müde wird man auch. Denn das hügelige Auf und Ab geht in die Beine.

Der Mullerthal Trail umfasst drei Routen mit insgesamt 112 Kilometern. Felstürme und wilde Wälder – Stein und Wasser prägen die Wege. Jede der drei Etappen hat ihre Eigenheiten. Mal stehen Felsformationen im Vordergrund. Dann wieder sind es eher kulturelle Runden mit historischen Sehenswürdigkeiten, liebliche Landschaften, gurgelnde Bachläufe. Gerade im Mai, wenn alles in voller Blüte steht, ist es eine Freude für Augen und Sinne. Eigentlich gibt’s keine Worte, um diese Gegend zu beschreiben. Man muss sie erleben.

Ein Irrgarten aus Felsmassen – Echternach – Berdorf (6 km)

Mit der Swiss fliege ich am Freitagmorgen nach Luxemburg und beziehe bereits gegen Mittag mein Hotelzimmer in Scheidgen. Von da geht’s nach einem kurzen Umziehmanöver direkt weiter nach Echternach. In der Hostellerie de la Basilique werden wir herzöglich verpflegt. Die «kleine» Stärkung geht locker als kalte Platte für zwei Personen durch.

Marianne von Luxemburg Tourismus weiht uns nach dem Essen ein. In die Geheimnisse der kleinen Stadt mit ihrem uralten Brauchtum und einer noch älteren Geschichte. Spannend eigentlich. Doch ich und meine Beine sind hibbelig. Es wird Zeit, dass wir den Trail erkunden.

In Begleitung von Alain Muller – wie passend der Name – nehmen wir unsere erste Etappe unter die Füsse. Wir sind auf der Route 2 unterwegs. Insgesamt umfasst diese Route 37 Kilometer. Heute Nachmittag gehen wir deren Sechs. Dass dafür rund drei Stunden berechnet sind, wundert mich ein bisschen. Mein Gehtempo ist eigentlich schneller. Ein Pfad schlängelt sich durch die Stadt hinaus. Wir wandern durch Schluchten und ein Labyrinth aus Felsen. Vorbei an Bächen. Und ganz ehrlich, vor lauter Ahs und Ohs, Fotostopps und ausführlichen Informationen von Alain, kommen wir tatsächlich nicht so zackig voran. Griffige Felswände schreien mich förmlich an: Klettern, hier kannst du klettern! Aber es sind keine Routen angelegt. Man überlässt das Gebirge sich selbst und der Natur. Auch gut.

Nach jeder Kurve, nach jeder Treppe tun sich wieder neue Gesteinsformationen auf. Oft hat man das Gefühl, dass einem aus den Felswänden Gesichter entgegenstarren. Schritt für Schritt nach Berdorf. Die drei Stunden haben nicht ausgereicht. Als wir abends unser Ziel erreichen, sind wir sogar in Verzug. Deshalb heisst es nur noch, ab in den Bus. Das kühle Bier und ein leckeres Nachtessen warten schon. Wer etwas zackiger unterwegs ist, macht in Berdorf einen längeren Stopp und geniesst den Käse, für den das Dorf bekannt ist.

Vom romantischen Tal zur herrschaftlichen Burg – Berdorf – Müllerthal – Beaufort (14.2 km)

Ausgeschlafen und hungrig nehmen wir den zweiten Tag in Angriff. Das Hotel Le Bon Repos ist ideal für aktive Menschen. Grosszügige Zimmer, Sauna, Fitnessraum und … ein Frühstücksbuffet, das von Rührei bis zum Lachs und Müesli in diversen Sorten alles bereithält. So marschiert man gut gestärkt in den Tag. Unser heutiger Startpunkt ist Berdorf. Der Trail führt in eine Felslandschaft, inmitten von Wäldern. Ob Ronja Räubertochter hier wohl ihre Dependance hatte? Meine Häärchen stehen auf jeden Fall Spalier und ich fühl mich hier fast ein bisschen zuhause. Wild, romantisch, feenhaft. Ein Hobbitland.

Gut gesättigt von bizzarren Felsbildern landen wir in Müllerthal und bekommen eine Führung durch die Heringer Millen. Früher eine der wichtigsten Mühlen der Region beherbergt sie heute ein Restaurant, das manchem ****-Tempel Konkurrenz macht. Die Küche ist exquisit. Empfehlenswert, sich einen Platz zu reservieren, wenn man hier speisen möchte.

«Ach ja, lass uns noch ein bisschen verweilen», sagt die Seele. «Los jetzt, wir wollen weiter», sagen die Beine – und unser Guide Alain. Er ist das wandelnde Lexikon schlechthin. Es gibt keine Blume, keine Pflanze die er nicht kennt. Es gibt keinen Stein, zu dem er nicht noch eine Geschichte auf Lager hätte. Weiter geht’s nach Beaufort. Idyllische Landschaft, dem Waldrand entlang, lieblich kleine Holzbrücken im Hallerbachtal. Bald kommen wir aus dem Wald an einen Weiher, in dessen Wasser sich majestätisch Beaufort spiegelt. Die Burgruine aus dem 12. Jahrhundert. Alain lotst uns hinauf, mit dem verlockenden Versprechen, dass wir da einen Cassero degustieren können. Ein Schnaps bringt selbst müde Wanderer wieder auf die Beine. Gebrannt wird der Johannisbeerlikör im Renaissance Schloss, das direkt hinter der Burgruine steht. Nach diesem Tag bin ich ziemlich platt. Ich habe einen Spaziergang erwartet. Und einen hügeligen Marsch angetroffen.

Durch Wälder und über Wiesen – Rosport – Girsterklaus – Mompach (14.2 km)

Dritter und letzter Tag unserer Wandertour. Und auf dem Mullerthal Trail der offizielle Start der Wandersaison. Das wird gefeiert. In Mompach, unserem heutigen Etappenziel, treffen sich unzählige Wanderfreudige zu Bier und Wurst.

Ab Rosport wandern wir durch Wälder, vorbei an kleinen Bächen, über Holzbrücken. Ein kurzer, steiler Anstieg bringt uns auf ein Plateau. Weites, offenes Gelände und ein herrlicher Ausblick auf das Sauertal bis zur Mosel – ja, die Landschaft hat gewechselt. Waren wir bis jetzt viel in Wäldern unterwegs, geht’s ab nun weiter über Wiesen und flache Ebenen. So langsam werden die Beine müde. Wie dem Esel die Karotte sind für uns die Aussicht auf ein Bier und eine Wurst die Antreiber. Ein letztes Stück auf Asphalt und Mompach liegt vor uns. Ein Menschengewusel, Marktstände, Grillduft – wunderbar. Wanderschuhe ausziehen und rein in den kühlen Brunnen. Das haben wir uns verdient. Eine herzliche Umarmung und ein freundliches Äddi später bin ich wieder unterwegs. Zum Flughafen und in die Schweiz.

Echternach

Wandern und Kultur gehen Hand in Hand. Oder Tuch an Tuch. Denn Tücher sind es, die Menschen bei der Echternacher Springprozession verbinden. Eine ganze Stadt hüpft für Hoffnung. Tuch an Tuch hüpft man durch die Stadt bis zum Grab des heiligen Willibrord. Die Springprozession findet immer am 22. Mai statt und geht bis ins Mittelalter zurück. Die UNESCO hat diese Prozession zur immateriellen Liste des Kulturerbes der Menschheit hinzugefügt. Echternach ist ein malerischer Ort mit Stadtrecht, obwohl «nur» 6000 Menschen da leben. Historische Bauten, kleine Gässchen, lauschige Plätze – und der ideale Ausgangsort für den Mullerthal Trail. Der trägt übrigens das Prädikat «Leading Quality Trails – Best of Europe.»

Fazit zum Mullerthal Trail

Wandern in Luxemburg hat was. Die Felsformationen und Wege durch die Wälder sind wunderschön und abwechslungsreich. Ein Abenteuer für die Familie. Es bedingt aber, dass die Kinder gewohnt sind, längere Strecken zu wandern. Aber mit all den Höhlen, Brücken und Steintreppen birgt die Gegend viel Abwechslung. Das Land ist überschaubar, Stadt und Natur liegen sehr nah beieinander. Eine gute Möglichkeit, Kultur und Aktivität miteinander zu verbinden!

Obwohl die Wanderungen keine grossen Höhenmeter aufweisen, darf man sie nicht unterschätzen. Es ist wohl dieses ungewohnte Gelände, das mich irgendwann müde machte. Ich persönlich würde einen Ausflug in diese Gegend mit Biken und Klettern kombinieren.

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