Ich habe den Grundkurs 2 absolviert und kann offiziell im Vorstieg klettern. Dieses Mal habe ich den Kurs im Milandia in Greifensee gemacht. Für die, die es noch nicht wissen: Das Milandia gehört zusammen mit dem Gaswerk zum Kletterzentrum und ich habe die Chance erhalten, das komplette Kurspackage zu absolvieren. Nun sind wir nach dem GK 1 und dem Kurs Klettertechnik Toprope beim GK 2 angelangt, in dem ich gelernt habe, im Vorstieg zu klettern und zu sichern.

Kletterkurs für Anfänger: Grundkurs 2 Kletterzentrum – Ablauf und Eindrücke

Den GK 1 und den Klettertechnik Toprope habe ich im Kletterzentrum Gaswerk Schlieren / Zürich gemacht. Natürlich war ich aber auch schon im Kletterzentrum Milandia Greifensee / Zürich klettern und ich muss sagen, dass mir der Aufbau der Halle besser gefällt. Das Gaswerk ist sehr “verschachtelt” und nicht optimal beschriftet. Das Milandia ist eine einzige, riesige Monsterhalle – total cool! Der Kurs war voll ausgebucht, natürlich gab es wie immer eine Vorstellungsrunde. Unsere Leiterin Helena studiert und ist nicht viel älter als ich, was mich total beeindruckt, da man doch was draufhaben muss, um Kursleiter zu werden.

Achter und Express

Nach der Vorstellungsrunde zum Grundkurs 2 Kletterzentrum lässt und Helena an einer einfachen Route einklettern, damit sie sieht, wie wir uns anstellen. Dann gehts ans Eingemachte: Uns wird gezeigt, wie der Achterknoten geht, der für das Sichern im Vorstieg überlebenswichtig ist. Mir fällt das zum Glück recht leicht, wieder einmal bedanke ich mich innerlich bei meiner Mutter, dass sie mich in die Pfadi geschickt hat, als ich ein Kind war.

An einer Übungswand zeigt uns Helena die verschiedenen Expresskarabiner, die man verwenden muss, um beim Vorstieg zu klettern. Sie lässt uns ausprobieren, wie das Einklicken des Seils in den Karabiner funktioniert und gibt uns Tipps, wie es einfacher geht. Beispielsweise ist es wichtig, einen sicheren Stand zu haben, wenn man den Karabiner einhängt. Schliesslich muss man das Seil nachziehen und in diesem Moment zu fallen, würde einen Sturz von mehreren Metern nach sich ziehen. Yeah, das klingt doch spassig (wie im ersten Artikel erwähnt, bin ich nicht ganz höhenresistent und die Vorstellung, mehrere Meter tief zu fallen, finde ich, gelinde gesagt, echt unsexy …)! Nach den Einhäng-Übungen sollen wir nochmals Toprope klettern, dabei aber ein zweites Seil, welches an unseren Klettergurten befestigt ist, in die Expresskarabiner einhängen. Eine Art Trockenübung also.

Sichern im Vorstieg

Helena zeigte uns im Kletterkurs für Anfänger noch das Sichern im Vorstieg, was wesentlich komplizierter ist, als beim Toprope. Bis zur ersten Express muss man seinen Kletterpartner “spotten” – man sorgt so dafür, dass der Kletterer bei einem Sturz nicht auf den Kopf fällt. Sobald der erste Karabiner eingehängt ist, sichert man normal mit dem Tuber (z.B. ATC), wobei man sehr nah an der Wand steht, damit man im Falle eines Sturzes statisch sichern kann. Statisch zu sichern heisst, dass der Fall sehr kurz ist, aber auch sehr abrupt. Dies ist jedoch wichtig, vor allem, da der Kletterer sonst Gefahr läuft, bis zum Boden zu stürzen. Ab dem dritten Express können wir ein wenig von der Wand wegstehen. Sobald der Kletterer das Seil in den nächsten Karabiner einhängen will und Seil nachzieht, macht die Person, die sichert, einen Schritt auf die Wand zu und gibt das Seil aus. Ist das Seil eingehängt, wird wieder nachgezogen, sodass immer ganz wenig Schlappseil vorhanden ist. Beim Einhängen des Seils in die Express-Karabiner ist es enorm wichtig, dass das Seilende, welches am Kletterer befestigt ist, immer nach aussen zeigt während der lange Teil des Seils an der bekletterten Wand entlang nach unten läuft.

Wir üben immer weiter, Helena lässt uns mit der Zeit auch schwierigere Routen klettern und gibt uns wichtige Tipps, wie wir uns bewegen sollen. Gegen Ende erklärt Helena noch, wie man im Vorstieg richtig sichert und übt es mit allen Personen. Je in Zweiergruppen dürfen wir zu ihr und sie leitet uns an, wie und wann wir stürzen bzw. sichern sollen. Für mich war das die wichtigste Lektion, denn insbesondere wenn ich in der Höhe bin habe ich gern Gewissheit, dass die Person, die mich sichert, weiss, wie sie mich auffangen kann.

Am Ende des Kurses zeigte uns Helena noch die unterschiedlichen Seilarten und hat uns erklärt, welches sich für welche Bedürfnisse am besten eignet. Das Zusammenlegen des Seils war anfangs etwas kompliziert, schlussendlich habe ich es aber doch noch geschafft, das Seil fest mit einem anständigen Knoten zu befestigen, worauf ich sehr stolz war.

Der Grundkurs 2 Kletterzentrum hat mir unheimlich viel Spass gemacht. Das Vorstieg-Klettern ist doch noch anspruchsvoller als das Klettern mit Toprope. Der zweite Kursabend, der eine Woche nach dem ersten stattfand, bestand zunächst aus Repetition und anschliessend durften wir uns an die schwierigeren Routen wagen. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mich im zweiten Kurs durch die Repetition etwas gelangweilt. Das ist aber ziemlich sicher nur der Fall, weil ich mir die Dinge gut merken kann und daher anfangs etwas unterfordert war. Ich finde es sehr wichtig, sicherzustellen, dass wirklich alle die Abläufe verstanden haben. Aus diesem Grund muss ich auch hier wieder sagen: Perfekt vorbereiteter Kurs mit einer sehr kompetenten Leiterin (danke Helena!) und spassigen Leuten. Echt empfehlenswert!

Grundkurs 2 Kletterzentrum – Fokus sicher Stürzen

Neben dem Sichern, welches meines Erachtens beim Grundkurs 1 am wichtigsten war, steht beim Grundkurs 2 Kletterzentrum das Stürzen im Fokus. Oder besser gesagt: das sichere Stürzen. Im Toprope zu stürzen, ist eine kleinere Herausforderung, als beim Vorstieg, da man bei diesem auf einige Sachen achten muss. Ich werde das im Folgenden möglichst genau erklären und mit den Bildern etwas illustrieren.

Beim Klettern bis zum ersten Karabiner “spottet” man seinen Kletterparter. Das heisst, man sorgt dafür, den Kletterer im Falle eines Sturzes an den Schultern so umzuleiten, dass ein Sturz auf den Kopf verhindert wird. Ab dem ersten bis zum dritten Karabiner ist es wichtig, im Falle eines Sturzes statisch zu sichern. Aber was heisst das? Also, bis zum dritten Karabiner befindet sich der Kletterer ziemlich nahe am Boden und ein Sturz könnte schnell zu einem Bodensturz werden, wenn man beim Sichern nicht darauf achtet, “hart” zu sichern. Der Sturz ist dann für die kletternde Person nicht angenehm, aber immerhin klatscht man nicht ungebremst in den Boden. Bis zum dritten Express ist es jedoch auch Aufgabe des Kletterers, einen Sturz so gut wie möglich zu verhindern. Soll heissen, dass man sich keine Route aussuchen soll, der man sich nicht mindestens bis zum dritten Karabiner gewachsen fühlt.

Ab dem dritten Express-Karabiner gilt, dass man dynamisch sichert. Was das bedeutet, ist nun etwas komplizierter zu erklären: Wenn der Kletterer abstürzt, ist es nun Aufgabe des Kletterpartners, mit dem Schwung mitzugehen, man läuft also in Richtung der Kletterwand und ermöglicht dem Kletterer so einen möglichst weichen Sturz. Das ist für die kletternde Person nicht nur angenehm, es verhindert auch Schläge in den Rücken.

Natürlich gilt wie beim Toprope sichern, dass das Bremsseil im ATC blockiert wird. Für den Kletterer ist es wichtig, darauf zu achten, wann er stürzt. Das mag erstmal blöd klingen, aber im Normalfall kann ein Mensch seine Kraft einschätzen. Merkt man, dass man absolut keine Kraft mehr hat, sollte man kein Seil nachziehen, um es in den nächsten Karabiner zu hängen. Denn dies ist einer der eher blöden Momente, in denen man stürzt, schliesslich hat man zu diesem Zeitpunkt im blödesten Fall mehr als zwei Meter Schlappseil. Daraus würde ein eher langer Sturz resultieren. Selbstverständlich kann auch das gesichert werden, aber man muss es ja nicht provozieren, so weit zu fallen.

Informationen zu diesem Kletterkurs und allen anderen Kletterkursen findest Du auf der Website des Kletterzentrums. Wie die Serie zum Klettern weitergeht? Mit dem Kurs Klettertechnik Vorstieg.

About The Author Giuliana Schintu