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Wann ist es passiert?

Am Samstag, den 26. März 2016.

Wo ist es passiert?

Der Lawinenunfall ereignete sich während einer Skitour im Abstieg vom Gipfel des Piz Kesch 3417.7 m im Kanton Graubünden. Das Anrissgebiet liegt auf ca. 3350 m Höhe in einem Osthang.

Der Normalweg führt von der Chamanna digl Kesch CAS (Kesch-Hütte) der Skiroute 505a/504b folgend via Aufschwung Porta d’Es-cha zum Skidepot am Piz Kesch. Die letzten 150 Höhenmeter geht es zu Fuss zum Gipfel. Sichere Routenwahl (Spaltenzone), Seil, Pickel und Steigeisen werden empfohlen. Die Route hat die Schwierigkeit WS+ (siehe auch Skitourenführer Graubünden Süd, Seiten 173-174).

Welche Gefahrenstufe war dort gemeldet?

Lawinengefahrenstufe 2 mässig für trockene Lawinen, vor allem an den Expositionen W über N bis E ab 2400 m.

Hauptgefahren: Trieb- und Altschnee
Gefahrenbeschrieb: An allen Expositionen entstehen meist kleine Triebschneeansammlungen. Diese sollten vor allem im absturzgefährdeten Gelände vorsichtig beurteilt werden.
Zudem können Lawinen in bodennahen Schichten anreissen und vereinzelt mittlere Grösse erreichen. Sie liegen vor allem an wenig befahrenen, eher schneearmen Schattenhängen. Diese Gefahrenstellen sind sehr selten aber auch für Geübte kaum zu erkennen. Eine vorsichtige Routenwahl ist empfohlen.

Was ist passiert?

Am Samstag kurz vor Mittag ist am Piz Kesch eine Bergsteigerin von einem Schneebrett erfasst und mitgerissen worden. Die Wintersportlerin wurde von einer Rega-Crew geborgen und nach Chur ins Spital geflogen.

Eine Dreier-Tourengruppe, welche in der Kesch Hütte übernachtet hatte, startete dort am Samstagmorgen, um den Piz Kesch zu besteigen. Kurz nach 11:00 Uhr erreichten die beiden Männer und eine Frau aus Deutschland den Gipfel. Während des Abstiegs, als die Frau rückwärts über eine steile Schneeflanke hinunterging, löste sich auf einer Höhe von 3’350 Meter ein Schneebrett und riss die Berggängerin in die Tiefe. Sie stürzte rund 150 Meter über eine Felspartie und blieb auf dem Gletscher verletzt liegen.

Die Begleiter alarmierten sofort die Rettung. Eine Rega-Crew konnte die abgestürzte, schwer verletzte Frau bergen und ins Kantonsspital Graubünden nach Chur überfliegen. Ihre beiden Begleiter, welche unverletzt blieben, wurden durch die Heli Bernina auf den Gletscher und ins Tal geflogen. Neben den beiden Helikopter-Crews waren ein Rettungs-Spezialist Helikopter (RSH) der SAC Sektion Bernina und die Kantonspolizei Graubünden im Einsatz.

Quelle Lawinenunfall Skitour Piz Kesch 26.03.2016: Kantonspolizei Graubünden, Foto: Dominik Hunziker (RSH), SLF
Bild Karte Quelle: map.geo.admin.ch, Copyright geodata © swisstopo

Wichtige Hinweise

Die Daten (alle von Kantonspolizei/SLF/Rettung) können Fehler und Ungenauigkeiten enthalten – besonders kurz nach Unfällen sind die verfügbaren Informationen meist nur lückenhaft und relativ ungenau. Sobald genauere Informationen vorliegen, werden diese möglichst aktualisiert.

Der genaue Unfallhergang wird von der Polizei analysiert, was in der Regel mehrere Monate dauert. Die daraus resultierenden Erkenntnisse (z. B. genaue Unfallstelle, Unfallhergang) fliessen anschliessend in die Unfallberichte sowie die Unfalldatenbank des SLF sowie in die Übersicht der letzten 20 Jahre des SLF ein.

Leider ist es ein sehr trauriger Anlass, diese Zeilen zu schreiben. Aus Respekt gegenüber den Verunfallten ist uns wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir hier nur Fakten/Informationen liefern wollen. Und keinerlei Schuldzuweisungen, Mutmassungen oder Vermutungen anstellen. Jeder muss sich sein eigenes Bild machen. Informationen können helfen, sein eigenes Verhalten zu hinterfragen (Ziel Prävention).

Den Angehörigen und Familien der Verunglückten möchten wir mitteilen, dass wir Ihren Verlust zutiefst bedauern und sprechen unser aufrichtiges Mitgefühl aus.


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comments (2)

  • Niklaus Urweider

    Wir waren zu viert an diesem Tag unterwegs zum Piz Kesch. Als der Unfall sich ereignete, waren wir auf dem ebenen Gletscherteil mit direktem Blick auf das Gipfelschneefeld. Am Abend vorher waren sassen wir mit der Dreiergruppe am selben Tisch. Was in der Polizeimitteilung fehlt: Die drei schienen aus ihren Erzählungen geübte Berggänger. Der eine kannte sich im Gebiet anscheinend gut aus und schien der Leiter zu sein. Wir fragten ihn, ob auf dem Gletscher angeseilt werden müsse, er meinte, er habe noch nie jemanden angeseilt gesehen. Da im SAC Tourenführer geschrieben stand, der Gletscher sei nicht zu unterschätzen und wir das gehen am Seil üben wollten, waren wir angeseilt, allerdings tatsäclich als einzige. In der Keschhütte hat man keinen Handyempfang. Der Hüttenwart war über Ostern stark beschäftigt und teilte allen mit, dass die Lawinensituation gleich sei wie am Tag vorher und der 26.03. der schönste der drei Ostertage sein werde. Später sahen wir, dass sich das Triebschneeproblem mit starkem Wind über Nacht verschärft hatte.

    Mehrere Gruppen standen beim Skidepot Schlange, es sah aus wie am Hillary Step am Everest. Dadurch waren auch sehr viele Menschen (ca. 30) gleichzeitig im Auf- und Abstieg. einige wenige gingen zusammen am Seil, die meisten waren nicht angeseilt. In der Hütte hängt ein Topo des sanierten Aufstiegs, mit einer Wintervariante, wo Borhaken und Standplätze zur Zwischensicherung eingezeichnet sind. Das Schneebrett brach oberhalb der Gruppe über einer Breite von ca. 70m ab, am höchsten Ort dort, wo mehrere Seilschaften entlang des Felsens am queren waren. Die Dreiergruppe wurde überrascht, der erfahrenste duckte sich, der Partner der verunglückten schaffte es, auf doie Seite auszuweichen, die Frau stand erschrocken auf und wurde mitgerissen. Sie überlebte meiner Einschätzung nach nur, da sie mit viel Glück zwischen den Felsen und nicht auf die Felsen aufschlug. Nach letten Meldungen in der Hütte war ihr Zustand stabil, sie wurde mit mehreren Brüchen, unter anderem mit einem Beckenbruch, im künstlichen Koma gehalten. Diese Beschreibung entstand aus meinen Beobachtungen und den Aussagen von Tourengehern, die ich befragte und die sich zum Teil auf gleicher Höhe befanden wie die Dreiergruppe. Ich bin ausgebildeter J+S Leiter Bergsport Sommer I und Sportklettern II

  • ich war letzten Sonntag auf dem Kesch, erster von 5 Alpinisten, Firn lag an diesem Tag wirklich sicher, Hüttenwart sagte zuvor, er ist glücklich darüber, dass die Verletzte auf dem Weg der Besserung ist. Ich war als erster oben, wir waren um kurz vor zehn wieder unten. Wir hatten Gurt und Seil dabei, m. E. aber bei diesen Verhältnissen im Firn nicht erforderlich. Ostgrat Variante mit wenig Eis, – es waren Spuren von Seilen und Tritte vorhanden, ist unbedingt abzusichern- für Otto-Normal-Bergler jedenfalls!

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